SC Bielefeld – SuK Canlar Bielefeld 0:6

Deutschland, Testspiel
Mittwoch, 12. August 2020, 19.30 Uhr
Bielefeld, Sportanlage Sudbrack 

Die Sportanlage Sudbrack habe ich mir lange aufgehoben – am besten für einen schönen Sommerabend wie heute. Die Heimat des SC Bielefeld ist einer der am zentralsten gelegenen Sportplätze der Stadt und noch dazu ideal mit der Straßenbahn zu erreichen. Sogar mit „meiner“ Linie 3, wodurch ich während der nur 15 Minuten langen Anreise nicht mal umsteigen muss. Um noch mal die Frage zu klären, wie man die Straßenbahn eigentlich so abfeiern kann: Ich bin generell ein großer Fan von ÖPNV und entscheide mich immer dann, wenn es möglich ist und Sinn macht, für eine Anreise mit Bus und Bahn. Schon allein deshalb, weil man dadurch mehr von Land und vor allem Leuten mitbekommt. In Bielefeld kommt dann auch noch der Fakt hinzu, dass knapp die Hälfte des Straßenbahn-Fuhrparks aus klapprigen Modellen aus den 1980er-Jahren besteht. Mitunter werden da bei mir richtige Erinnerungen wach, zum Beispiel wie ich früher unzählige Male auf dem Weg zur Schule an den kleinen Tischen dieser alten Modelle auf den letzten Drücker noch Hausaufgaben gemacht habe. Immerhin 24 der insgesamt 44 Straßenbahnen, die vor knapp 40 Jahren in Dienst gestellt wurden, haben bis heute überlebt und sind immer noch unterwegs – vor allem auf der Linie 3. Ich glaube, dass es nur wenige Städte in Deutschland gibt, in denen solche Uralt-Modelle im regulären Betrieb eingesetzt werden. Das ist ein bisschen so, als fahre man in einem Museum auf Schienen. Ganz museal geht es somit zur Sportanlage Sudbrack, die sich nur fünf Gehminuten entfernt von der Haltestelle „Auf der Hufe“ befindet. Der kurze Fußweg führt vorbei am Meierteich und durch einen kleinen Park. Passenderweise steht an der Haltestelle auch ein uriger Späti, an dem man sich noch mit Bier fürs Spiel eindecken kann. Sudbrackgebiet nennt sich das hiesige Viertel, das zwar schon zum Bezirk Schildesche gehört, mit der Bielefelder Innenstadt aber zusammengewachsen ist und schon allein durch die Straßenbahn recht urban wirkt. SC Bielefeld gegen SuK Canlar Bielefeld lautet die heutige Testspielbegegnung, also Bezirksliga gegen Kreisliga A. Weit entfernt von hochklassig, dennoch verlangt der Sportclub überraschend Eintritt. Das erlebt man bei Testspielen in Westfalen höchst selten, schon gar nicht auf diesem sportlichen Niveau. Nicht schlimm, aber halt ungewöhnlich. Zweckmäßig ist der Ausbau des Sportplatzes: eine Stufe, auf der Bänke sowie zwei kleine Tribünen im Bushaltestellen-Format stehen. Reicht aber vollkommen. Der gemütliche Sommerabend mit einem doch recht ansehnlichen Spiel und ein paar kühlen Herforder endet mit einem Ritterschlag. Auf dem Rückweg erwische ich nämlich wieder eine alte Straßenbahn, in der eine Tür blockiert und somit nicht weitergefahren werden kann. Die Straßenbahnfahrerin eilt herbei und will die Tür von Hand reparieren, wofür ihr jedoch die Muskelkraft fehlt. Und jetzt kommt's: Sie wählt mich aus, damit ich auf die blockierte Tür einschlage – „so stark Sie können!“ Da geht ja beinahe ein Kindheitstraum in Erfüllung, denn irgendwie bin ich da ja zumindest ein paar Sekunden lang selbst ein Mitarbeiter der Bielefelder Straßenbahn und darf dabei sogar auch noch randalieren. Die Aktion ist von Erfolg gekrönt, von der Fahrerin gibt es einen Schulterklopfer und die Fahrt kann fortgesetzt werden. Klar, dass ich für diese Fahrt mal kein Handy-Ticket löse. Mitarbeiter fahren ja umsonst.