VfR Sersheim – SV Gebersheim 5:7 n.E.

Deutschland, Bezirkspokal Enz/Murr (4. Runde)
Mittwoch, 30. September 2020, 19.30 Uhr
Sersheim, Sportplatz Horrheimer Straße 

Wieder zurück in Baden-Württemberg, geht es natürlich nahtlos mit Fußball weiter. Sersheim (5.600 Einwohner) im Landkreis Ludwigsburg ist das auserkorene Ziel. Große Dinge – genauer gesagt: viele kleine Details – wurden uns aus internen Kreisen für den dortigen Sportplatz versprochen. Entsprechend groß sind die Erwartungen, die jedoch ein wenig enttäuscht werden. Gut, ein Eingangstor mit Vereinswappen und zwei Fußballspielern steht da, außerdem eine fast zwei Meter große Sprudelflasche, da in Sersheim die Alwa Mineralbrunnen GmbH ihren Sitzen hat, und hinterm Tor liegt eine alte Torwand. Aber da hatten wir uns doch mehr erwartet. Den großen, aber sehr unscheinbaren Höhepunkt entdecken wir aufgrund der Dunkelheit erst recht spät: die vermutlich kleinste Tribüne Baden-Württembergs. Eine Bank mit drei Sitzplätzen, der Zugang erfolgt über eine kleine Treppe – romantischer geht es zumindest im Ländle wohl kaum. Da wurde uns also doch nicht zu viel versprochen. Sportlich gibt es für uns einen Nachschlag, denn der Underdog aus Sersheim (Kreisliga A) kann sich gegen den SV Gebersheim (Bezirksliga) ins Elfmeterschießen retten, wo er jedoch knapp das Nachsehen hat. Schade, es wäre der bereits zweite Bezirksligist gewesen, den der VfR Sersheim in dieser Saison aus dem Bezirkspokal gekegelt hätte. Damit endet nicht nur die Sersheimer Pokalsaison, sondern auch der Monat September, vor dem bei mir erneut die Zahl 4 steht. 41 Spiele im August, 40 Spiele jetzt im September  solch ein Pensum hatte ich in den über 20 Jahren, in denen ich Groundhopping betreibe, noch nie. Doch der nächste Lockdown kommt bestimmt und bis dahin muss Gas gegeben werden. Die Uhr tickt.


















SC Waldgirmes II – FC Gießen II 6:2

Deutschland, Verbandsliga Hessen – Staffel Mitte (6. Liga)
Montag, 28. September 2020, 19.15 Uhr
Lahnau, Stadion in den Lahnauen – Platz 2 

SC Waldgirmes II gegen FC Gießen II – die echten Topspiele finden montags statt, das wissen wir noch aus den Zeiten, als das DSF die 2. Bundesliga übertragen hat. Aber ernsthaft: Diesen Rotzkick, der sogar in der Verbandsliga stattfindet, nehme ich an diesem ungewöhnlichen Termin gerne mit, zumal er ideal auf meinem Heimweg nach Baden-Württemberg liegt. Große Hoffnung hatte ich zunächst nicht, dass das Spiel angepfiffen wird, denn der SC Waldgirmes hatte schon vor einigen Tagen vermeldet, dass das aufgrund von Corona-Fällen beim FC Gießen „nicht sicher“ sei. Am Vormittag wird dann aber die frohe Kunde veröffentlicht: Spiel findet wider Erwarten doch statt. Aufgrund von fehlendem Flutlicht auf dem Hauptplatz natürlich nur auf dem Nebenplatz, dort spielt die zweite Mannschaft des SC Waldgirmes allerdings ohnehin grundsätzlich. Ist also ganz offiziell ein Verbandsliga-Ground. Waldgirmes (3.000 Einwohner) gehört zur Gemeinde Lahnau, die vor den Toren von Gießen liegt. Beide Vereine könnten unterschiedlicher nicht sein: Auf der einen Seite der bodenständige Dorfverein aus Waldgirmes, der seit 1970 nahezu ununterbrochen in der Verbandsliga gespielt hat, ehe er 2002 erstmals in die Hessenliga aufstieg und seither zwischen beiden Ligen pendelt. Quasi der Gegenentwurf ist der FC Gießen, der 2018 aus der Fusion des VfB Gießen mit dem neureichen SC Teutonia Watzenborn/Steinberg entstand und mit Kohle nach oben will. Kein Traditionsderby also, erst recht nicht bei den zweiten Mannschaften, dennoch rät der SC Waldgirmes dazu, früh zu kommen, da nur 249 Zuschauer zugelassen sind. Eigentlich hätte ich gedacht, dass zu so einem Spiel keine 20 Zuschauer kommen. Ich muss mich aber eines Besseren belehren lassen, denn die Zuschauerzahl ist annähernd dreistellig – aber noch ein ganzes Stück von 249 entfernt. Am Verpflegungsstand wird das volle Programm aufgefahren, womit ich ebenfalls nicht gerechnet habe, so dass das Spiel dann doch mehr ist als nur ein Lückenfüller auf dem Nachhauseweg.



















TuS Senne 1 – SV Avenwedde 1:4

Deutschland, Bezirksliga Westfalen – Staffel 2 (8. Liga)
Sonntag, 27. September 2020, 15 Uhr
Bielefeld, Stadion am Waldbad Senne 

Ähnliches Spiel im Stadtteil Senne 1 wie zuvor in Babenhausen: Auch nach ihm ist eine Endhaltestelle der Straßenbahn benannt, die aber nur bis an den Rand des Stadtteils gebaut wurde. So steht von dort noch einmal eine 20-minütige Busfahrt bis zum TuS Senne 1 an. Dachten wir zunächst bei der Planung des heutigen Tages, dass die zwei Stunden locker reichen, um von Babenhausen nach Senne 1 zu kommen, mussten wir beim Blick auf den Fahrplan feststellen: Nee, die zwei Stunden brauchen wir tatsächlich. Für etwas Verwirrung dürfte bei dem ein oder andren Leser wohl auch der Name des Stadtteils sorgen. Die Geschichte dahinter: Die Senne ist eine Sandlandschaft zwischen Bielefeld und Paderborn. Als die Franzosen unter Napoleon Westfalen eroberten, fassten sie die vor Bielefeld gelegenen Senne-Bauernhöfe administrativ zusammen und nummerierten die Gebiete einfach durch. Als die Gegend anschließend wieder an die Preußen fiel, behielten die dieses System einfach bei. Aus den Bauernhöfen entstanden schließlich Siedlungen, die weiterhin Senne 1 und Senne 2 hießen. Auf dem Gebiet von Senne 2 entstand nach dem Zweiten Weltkrieg die Großwohnsiedlung Sennestadt, woraufhin Senne 2 gänzlich in Sennestadt umbenannt wurde. Senne 1 konnte daraufhin auf die Nummerierung verzichten und nennt sich seither nur noch Senne. Der TuS Senne 1 allerdings wurde bereits 1908 gegründet, also weit vor dem Bau der Sennestadt und der Umbenennung von Senne 1. Anders als der Stadtteil wollte der Verein seinen Namen nicht ändern. Wohl auch deshalb, weil der Sportverein in Senne 2 kurioserweise ebenfalls Turn- und Sportverein hieß und es einen solchen somit in Senne 1 und in Senne 2 gab. Der aus Senne 2 benannte sich jedoch analog zum Stadtteil um und heißt seitdem Sportfreunde Sennestadt. Während die Sportfreunde nur ganz unten in der Kreisliga C spielen, gehört der TuS Senne 1 zum oberen Viertel des Bielefelder Fußballs. In der vergangenen Saison gewann man sogar den Bielefelder Kreispokal und tritt damit in dieser Saison im Westfalenpokal an, in dem er in der ersten Runde auf den Delbrücker SC (Westfalenliga) treffen wird. Heute ist es nur der SV Avenwedde in der Bezirksliga, den man vor offiziell 150 Zuschauern aber so gar nicht im Griff hat. Auch nicht im Griff hat der Verein einen seiner Funktionäre. Ohnehin auffällig, wie viele Ordner hier im Einsatz sind, aber der Typ haut dem Fass den Boden aus. In der ersten Halbzeit vertreibt der uns aus dem Bereich hinter dem Tor und ist dabei nicht zimperlich. Wir stehen wohlgemerkt nicht direkt an der Torauslinie, sondern sitzen am am weitesten davon entfernten Punkt: 20 Meter vom Tor entfernt auf einer Mauer. Da liegt ja fast der Mittelkreis näher. Der Kurvenbereich ist auch nicht abgesperrt, nichts deutet darauf hin, dass man sich dort nicht aufhalten darf. Dennoch dürfen wir uns dort „aus Corona-Gründen“ nicht aufhalten, meint der Ordner. Wir dürfen uns also nicht in einem Bereich aufhalten, in dem weit und breit sonst niemand steht, und müssen uns stattdessen mitten in den Pulk auf die Gerade stellen, wo so viele Leute stehen, dass Abstände gar nicht eingehalten werden können – „aus Corona-Gründen“? Doch auch die beste Argumentation wird vom Hausrecht geschlagen und uns wird mit Raussschmiss gedroht, wenn wir nicht Folge leisten. Natürlich folgt uns der Spinner dann auf Schritt und Tritt, bloß keinen Zentimeter zu weit dürfen wir von der Gerade entfernt stehen. Höhepunkt des Kindergartens: Als wir schon längst in dem uns zugewiesenen Bereich stehen, werden wir aufgefordert, noch einen halben Schritt (!) weiter nach rechts zu gehen. Als wären wir so seine Leibeigenen. Dass wir mit diesem halben Schritt nach rechts noch weiter auf unseren Nebenmann zugehen müssen und wir damit nicht mehr den Mindestabstand einhalten dürfen, ist eigentlich ein Fall fürs Ordnungsamt, das man da einschalten müsste. Ich kann ja verstehen, dass bei manch einem Vereinsfunktionär die Nerven ein bisschen blank liegen, weil diese ganze Situation neu ist und das richtig an die Substanz gehen kann, wenn man dann in der Verantwortung steht. Aber das hier ist doch ein paar Nummern zu heftig, man muss es nicht an den Zuschauern rauslassen. In der zweiten Halbzeit können wir uns von dem Psychopathen glücklicherweise losreißen und kommen auf der anderen Seite mit einem wiederum sehr sympathischen Ordner ins Gespräch. Der Verein kann also auch anders – aber den schlechten Sympathiewerten ändert das jetzt leider nichts mehr. Ein Glück, dass wir den Nebenplatz, der als schmalster Sportplatz Ostwestfalens gilt, erst im vergangenen Winter gemacht haben, so dass wir Gott sei Dank nie wieder zum TuS Senne 1 müssen.

























Musik-Tipp:
"Senner" von Se Bethels