FK Hvězda Cheb B - FC Františkovy Lázně 4:4

Tschechien, I.A třída Karlovarský kraj (6.Liga)
Sonntag, 28. April 2024, 17 Uhr
Františkovy Lázně, Hřiště FC Františkovy Lázně

Von der Kurstadt Mariánské Lázně (Marienbad) geht es weiter in die Kurstadt Františkovy Lázně (Franzensbad). Blieb in Mariánské Lázně leider keine Zeit für eine Stadtbesichtigung, kann jetzt in Františkovy Lázně noch ein kleiner Rundgang durch die mondäne Innenstadt unternommen. Wie Tschechien sieht das hier absolut nicht aus, sondern fast schon wie Genf oder ein anderer nobler Ort in Westeuropa. Es wundert nicht, dass die Innenstadt zum Unesco-Welterbe gehört. Angelegt wurde die Stadt erst 1792 als Kurort und zwar als Planstadt um die dortige Heilquelle herum. Benannt wurde sie nach dem ab 1804 in Österreich regierenden Kaiser Franz I. Wir erinnern uns: Tschechien gehört bis 1918 zu Österreich bzw. Östereich-Ungarn. Früher machte die ganz große Prominenz Urlaub in Franzensbad, dazu gehörten neben den österreichischen Monarchen auch Johann Wolfgang von Goethe und Ludwig van Beethoven. Franzensbad gehörte zum Sudetenland und hatte eine deutschsprachige Bevölkerungsmehrheit. Von den 2.473 Einwohnern im Jahr 1930 waren nur 74 Tschechen. Noch heute sieht man an den Fassaden der historischen Häuser, die hervorragend in Schuss sind, viel in deutscher Sprache – insbesondere den Namen von Kaiser Franz I. (der bis 1804 noch Kaiser Franz II. hieß, weshalb meistens diese Namensversion auftaucht). Die ganz große Prominenz steigt inzwischen nicht mehr in Františkovy Lázně ab, dafür aber richtig viele Tagestouristen aus dem nahen Sachsen und Bayern, was dann auch erklärt, warum hier so derart in den Erhalt des Stadtbilds investiert wird. Auffallend ist ebenfalls, dass neben dem Pavillon, in dem die Heilquelle entspringt, eine US-amerikanische Flagge weht. Hintergrund ist, dass Tschechien westlich von Pilsen im Zweiten Weltkrieg nicht von der Sowjetunion, sondern von den USA erobert wurde. Außer hier in Františkovy Lázně habe ich aber noch nie eine aus diesem Anlass wehende USA-Flagge gesehen, zumal das die Sowjets in Zeiten des Eisernen Vorhangs auch gar nicht erlaubt hätten. Auch hier unterscheidet sich Františkovy Lázně also optisch vom restlichen Tschechien. Mein Hauptaugenmerk gilt jedoch dem Fußball und da kommt es im örtlichen Stadion des FC Františkovy Lázně heute zu einer ganz besonderen Konstellation. Genutzt wird dieses nämlich auch als Heimspielstätte der zweiten Mannschaft von Hvězda Cheb und die empfängt ausgerechnet den FC Františkovy Lázně, der damit Gast im eigenen Stadion ist. Hvězda (auf Deutsch: Stern) ist der einzige Verein in dieser Ecke Tschechiens mit Fanszene, wobei es sich dabei eher um den Fanclub von Baník Ostrava aus Cheb handelt, der halt auch den lokalen Fußballverein unterstützt – ganz nach polnischem Vorbild, zumal Ostrava im kleinen tschechischen Teil Schlesiens liegt und sehr polnisch geprägt ist. Trotzdem kurios, dass sich so etwas in Cheb bildet, also am genau anderen Ende von Tschechien. Über diese Hvězda/Baník-Szene bildete sich auch die Fanfreundschaft des VFC Plauen zu Banik Ostrava. Cheb und Plauen liegen nur 60 Kilometer auseinander. Aktiv ist die Hvězda/Baník-Szene heute bei der zweiten Mannschaft wie erwartet nicht, allerdings ist das richtig schön tschechische Vereinsheim des FC Františkovy Lázně vollgeballert mit Aufklebern von Baník Ostrava (nicht aber von Hvězda Cheb), so dass man davon ausgehen kann, dass die Jungs schon regelmäßig anwesend sind, aber einfach nur ihr Pivo trinken. Das Stadion ist mit seiner alten Betontribüne schwer in Ordnung und aufgrund des Gegners auch recht gut gefüllt. Wahrscheinlich die höchster Zuschauerzahl der Saison bei der zweiten Mannschaft von Hvězda Cheb. Nach dem Spiel wird die viereinhalbstündige Heimfahrt umgehend angetreten, allerdings kann der anvisierte Zeitplan nicht eingehalten werden, denn direkt ab der Grenze folgt ganz „unauffällig“ ein Audi-Kombi mit zwei männlichen Personen. Im ersten deutschen Dorf wird zum Überholmanöver angesetzt und die Kelle aus dem Beifahrerfenster gehalten. Es folgt das ganz große Programm mit dem Ausräumen des gesamten Autos und da die Zivilpolizisten nicht glauben, dass Fußball der einzige Anlass für die Fahrt nach Tschechien war, wird alles ein zweites Mal auf den Kopf gestellt. Selbst bei Verbandskasten und Reifenprofil sind keine Beanstandungen möglich, so dass nach über 20 Minuten Kontrolle zähneknirschend der Befehl zum Weiterfahren gegeben wird. Absolute Frechheit!