Deutschland, Regionalliga Nordost (4.Liga)
Sonntag, 17. März 2024, 13 Uhr
Greifswald, Volksstadion
Jetzt wird endlich die Regionalliga Nordost komplettiert – und das mit einem Verein und vor allem einer Stadt, die einen genaueren Blick wert sind. Greifswald (56.000 Einwohner) ist sozusagen die Hauptstadt von Vorpommern, also des kleineren Teils von Pommern, der nach 1945 bei Deutschland verblieben ist, während der größere Teil Pommerns mit der eigentlichen Hauptstadt Stettin zu Polen kam. Auch innerhalb des heutigen Bundeslandes Mecklenberg-Vorpommern bildet Vorpommern den deutlich kleineren Landesteil. Hier in Greifswald steht u.a. das Landesmuseum von Pommern, man hat also doch eine ganz eigene Identität, die man bewahrt. Sehr viele Namensänderungen und Fusionen hat der heutige Greifswalder SC (Heimatverein von Toni Kroos) hinter sich, der auf den 1911 gegründeten Turnerbund Greifwald zurückgeht, aus dem 1923 der VfB Greifswald wurde, der wiederum 1926 mit dem SV Greif Greifswald zum Greifswalder SC fusionierte. Pech für GSC war, dass es früher noch ein geeintes Pommern gab, in dem die Stettiner Vereine zu stark für den Rest von Pommern und somit auch den GSC waren. Die Endrunde um die deutsche Meisterschaft hatte er nie erreicht. Zu DDR-Zeiten trug der GSC fünf verschiedene Namen, maßgeblich hieß er BSG KKW Greifswald, benannt nach dem Kernkraftwerk im Vorort Lubmin, das eines von zwei Kernkraftwerken der DDR war – und zwar das mit Abstand größte. Die Betriebssportgemeinschaft spielte durchweg in der 2.Liga, lediglich in den 1980ern war man drei Jahre lang nur in 3.Liga (Bezirksliga Rostock) vertreten, wurde dort aber jedes Mal Meister. Nach der Wende ging die bunte Vereinsgeschichte weiter. 1990 erfolgte zunächst die Rückbenennung in Greifswalder SC, der jedoch 2003 Insolvenz anmelden musste und aufgelöst wurde. Ein Jahr später nahm man den Greifswalder SV und den ESV Empor Greifswald mit ins Boot und gründete sich neu. In der Phase verabschiedete sich auch die damalige kleine Ultrasszene des GSC, denn das neue Konstrukt spielte unter dem Namen des Greifswalder SV. Der Name des GSC war verschwunden, allerdings nur bis zum Jahr 2015, als es zur bislang letzten Fusion kam. Der GSV schloss sich mit dem FC Pommern Greifswald zum nun neuen Greifswalder FC zusammen. Dem gelang 2018 die Rückkehr in die Oberliga, in der der alte GFC von 1991 bis 2002 durchgehend gespielt hatte, und 2022 sogar der Aufstieg in die Regionalliga. In der aktuellen Saison wurde er dort Herbstmeister, ist weiterhin Tabellenführer und scheint auf dem besten Wege in die 3.Liga zu sein. Da fraglich ist, ob in der die Heimspiele wirklich hier im Volksstadion stattfinden können, wird es also auch aus dem Grund allerhöchste Zeit, das Volksstadion zu machen. Feine Bude mit DDR-Flair, aber auch alles ein bisschen provisorisch. Dass man hier in der unausgebauten Kurve auf einem Grashügel steht, wird in der 3.Liga definitiv nicht möglich sein. Gewöhnungsbedürftig ist auch, dass man an der Kasse keine normalen Eintrittskarten bekommt, sondern ausgedruckte Print-at-Home-Tickets im A4-Format. Wie gesagt: Alles ein bisschen provisorisch. Dafür ist die Hütte mit Ausnahme des komplett leeren Gästeblocks relativ voll und auch eine Fanszene gibt es inzwischen wieder beim GFC. In wie weit es da Überschneidungen mit der alten Szene von vor 2004 gibt, kann ich nicht sagen. Aber ist natürlich klar, dass sich mit sportlichem Erfolg auch wieder etwas auf den Rängen tut. Mit dem heutigen 4:1-Sieg und der gleichzeitigen 1:3-Niederlage des BFC Dynamo gegen den Chemnitzer FC baut der GFC nun seine Tabellenführung auf vier Punkte Vorsprung aus. Wir gönnen uns nach Abpfiff noch die richtig schöne Altstadt samt Hafen. Beide blieben im Zweiten Weltkrieg unversehrt. Dass trotzdem der ein oder andere Plattenbau in der Altstadt steht, macht das historische Bild ein wenig kaputt, aber darum hatte man sich in der DDR ja nicht sonderlich geschert. Abendessen im Brauhaus der aus Stralsund stammenden Brauerei Störtebecker am schmucken Greifswalder Marktplatz und spätestens da muss ich sagen: Greifswald gefällt mir richtig gut.












































