Pottoriginale Allstars – Deutsche Nacktionalmannschaft

Testspiel
Samstag, 4. September 2021, 15 Uhr
Duisburg, Revierparkstadion am Mattlerbusch

Weiter geht es mit dem Höhepunkt des Tages, des Monats und wahrscheinlich auch des ganzen Jahres. Meine Freundin wird am Ende mit leuchtenden Augen sagen: Das war das schönste Spiel, bei dem wir je waren. Vorneweg gesagt: Die Nacktionalmannschaft ist für uns und auch für die meisten der 300 Zuschauer (ausverkauft) nur Beiwerk. Die Presse vom Spiegel bis zur Yellow Press springt zwar auch beim nunmehr schon fünften Spiel der komplett nackt (bis auf Schuhe und Stutzen) spielenden Mannschaft voll darauf an, aber wir und auch die meisten anderen Zuschauer sind nur wegen dem Gegner hier. VfL-Jesus, Tankwart a.D., B.A., Titan und all die anderen geilen Typen von Pottoriginale bereiten uns schon seit Jahren geile Stunden auf Youtube. Die endlich mal live sehen – ein Traum! Kommen wir zu den positiven Punkten der Veranstaltung: Ja, man kommt wirklich einigermaßen gut an die Pottoriginale ran, kann Fotos mit ihnen machen und sich kurz mit ihnen unterhalten. Sind ja auch keine Stars, sondern ganz normale Fußball-Assis. Außer Tankwart a.D., der so voll ist, dass keine normale Unterhaltung möglich ist. Hat aber auch niemand anders erwartet. Pluspunkt ist auch der schöne Ascheplatz des Post-SV Siegfried Hamborn hier in Duisburg. Ein Ruhrpott-Ground in feinstem Assi-Zustand. Positiv auch ganz klar das Publikum. Keine Hopper, keine Ultras, kein Stress. 300 Assis, darunter Kutten und Leute, die in den 80ern und 90ern hängengeblieben sind. Aus jeder Ecke kommt Musik aus den Handys, zum Beispiel "Ruhrgebiet" von Wolfgang Petry. Schönster Satz, den wir aufschnappen: "Hier kann man endlich so ein, wie man ist, und muss nicht aufpassen, was man sagt." Gut eine Stunde vor Anpfiff kommt Westfalia-Herne-Edelfan B.A. auf den Platz, der sofort sein markantes "Hääääääärne" anstimmt, was als Wechselgesang über volle drei Stunden gehalten wird. So was krasses! Wirklich über drei Stunden hinweg brüllt permanent irgendein Zuschauer "Hääääääärne". Und ab und zu steigt dann auch B.A. von der Trainerbank mit ein. Er ist heute nämlich Trainer der Nacktionalmannschaft. Aber Licht hat halt auch Schatten. Dass für eine Veranstaltung, die eine Aktion gegen Kommerzialisierung sein soll, 15 Euro Eintritt gezahlt werden muss und ein kleines Bier 3 Euro kostet, passt nicht zusammen. Klar, das Spiel ist auch als Soli-Aktion gedacht, weil Veranstalter und Pottoriginale-Regiesseur Gerrit Starczewski ständig Probleme mit der Justiz hat (da geht es vor allem um Verletzungen des Urheberrechts, die er begangen hat), aber da ist er auch selber schuld. Er scheint vieles zu blauäugig anzugehen. Und das sieht man auch an der Organisation des heutigen Tages: Nur ein Bierstand für 300 Zuschauer. Für 300 Assis. In der ersten Halbzeit muss man ernsthaft 25 bis 30 Minuten für ein (überteuertes) Bier anstehen. Das trübt die Laune. Gleiches gilt für die Mantaplatte. Dreimal nachgefragt, dreimal vertröstet worden. Komm in 20 Minuten noch mal. Dann: Komm in ner halben Stunde noch mal. Am Ende gehe ich leer aus. Wenigstens kommt man in der Halbzeitpause auf die Idee, auch Flaschenbier in Becher zu füllen, so dass es dann zumindest beim Bier schneller geht. Völlig unangebracht ist auch, wie das Spiel in Szene gesetzt wird. Zig Filmteams und Fotografen sind da, sogar eine Hebebühne wird hochgefahren. Ständig schwirrt eine Drohne über den Platz. Die Fotografen latschen auch während dem Spiel einfach auf den Platz, um gute Fotos zu bekommen. Nervig! Mit Fußball hat das stellenweise nichts mehr zu tun. Die Gerade, auf der die Trainerbänke stehen, sind für das Publikum Tabu, was Ordner rigoros durchsetzen, so dass man leider zu wenig von dem ganzen Spaß mitbekommt, der sich dort abspielt. Größtenteils wird der aber wohl sowieso nur für die Kamera gemacht. Da fühlt man sich als Zuschauer irgendwie nur wie ein Statist eines Films. Immerhin: VfL-Jesus geht während des Spiels trotzdem mal zu den Zuschauern und stößt mit ihnen an. Und als es während dem angehängten Elfmeterschießen quasi einen Platzsturm gibt, werden sowieso alle Regeln außer Kraft gesetzt. Gerrit Starczewski motzt zwar ein paar Zuschauer rüde an, dass er hier filmen würde und man bitte Abstand halten soll, aber das juckt die (jetzt ohnehin meist besoffene) Meute nicht mehr. So muss es sein! Die Pottoriginale gehören uns! Schön auch, dass vom Ground bis zur Autobahnauffahrt eine Spur aus weggeworfenen Bierbechern liegt und noch weit vom Platz entfernt Leute auf ihrem Heimweg aus dem Auto heraus lautstark "Häääärne" brüllen.