Deutschland, Kreisliga C Baden-Baden – Staffel 3 (11.Liga)
Sonntag, 14. April 2024, 13 Uhr
Rastatt, Murgstadion
Viermal werden wir im Laufe des Tages den Rhein überqueren. Das erste Mal haben wir schon hinter uns und nach dem Abpfiff in Betschdorf folgt das zweite Mal – und zwar auf meine absolut favorisierte Art und Weise, nämlich mit der Rheinfähre von Seltz nach Plittersdorf. Die ist im Prinzip nur ein schwimmender Kreisverkehr, der sich ohne Motor an einer von einem zum anderem Ufer gespannten Leine entlanghangelt. Betrieben wird diese sogenannte Hochseilfähre vom französischen Staat, denn der Vertrag von Versailles von 1919 ist nach wie vor in Kraft und in dem steht in Artikel 66, dass Frankreich alle Fährrechte auf dem Rhein besitzt. Allerdings ist die Fähre kostenlos und damit für Frankreich ein Minusgeschäft, das jedoch den grenzüberschreitenden Tourismus stärken soll. Auf elsässischer Seite schauen wir vorab noch an den Esch-Kasematten der Maginot-Linie vorbei, die Frankreich vor dem Zweiten Weltkrieg als Verteidigungslinie gegen Deutschland gebaut hatte. Leider öffnen die Kasematten erst wieder im Mai. Historisch geht es anschließend beim SV Niederbühl/Donau Rastatt weiter. Das verrät schon der Vereinsname, der stutzig macht: Nicht weit entfernt von Rastatt fließt zwar der Rhein, aber die Donau ist ein ganzes Stück weg und entspringt im 130 Kilometer entfernten Donaueschingen. Tatsächlich bezieht sich der FC Donau Rastatt, der 1979 mit dem Stadtteil-Verein SV Niederbühl zum heutigen SV Niederbühl/Donau Rastatt fusionierte, auf ein ganzes anderes Teilstück der Donau, nämlich im Grenzgebiet von Ungarn und Serbien in der Batschka, in der es bis 1945 eine große deutsche Minderheit gab. Diese wurde als Donauschwaben bezeichnet, wobei die gar nichts mit Schwaben zu tun hatte, sondern man in einer Zeit, in der es noch keinen deutschen Staat gab, irgendeine deutsche Volksgruppe nahm, um eine Assoziierung herzustellen. Neudeutsch sagt man: total random. Ähnlich war es mit den sogenannten Siebenbürger Sachsen in Rumänien, die auch nichts mit Sachsen zu tun hatten. 1945 wurde die deutsche Minderheit aus der Batschka vertrieben. Ein paar von ihnen kamen in Rastatt an und gründeten hier ihren eigenen Fußballclub. Ähnlich war es ja auch bei dem von mir kürzlich besuchten SV Rot in Stuttgart. In den 1970er-Jahren gab es unter den Rastatter Donauschwaben dann wohl keine mehr so große eigene Identität und der Verein stand vor dem Aussterben. Er konnte sich aber 1979 in die angesprochene Fusion mit dem SV Niederbühl retten und somit zumindest seinen Namen bis heute bewahren. Gespielt wird im Murgstadion im Stadtteil Niederbühl, nur einen Steinwurf entfernt von unserem eigentlichen Tagesziel, dem Stadion des Oberschlesischen SV Rastatt. Das Murgstadion in Niedebühl verfügt auf der Gegengeraden über drei Stehstufen, die aber nicht zugänglich sind, weil direkt vor sie Werbebanden gezimmert wurden. Auf der Hauptseite steht ein massives Vereinshaus, das schon fast ein bisschen nach Osteuropa aussieht. Donauschwaben-Vibes. Der Grill holt uns aber umgehend an den Rhein zurück, denn bei solch einer Grenznähe gibt es natürlich Merguez. Mit 4,50 Euro zum normalen Preis, mit tunesischer Harissa und das bereits beim Spiel der zweiten Mannschaft. Formidable!





















