Deutschland, 3.Liga (3.Liga)
Samstag, 2. Dezember 2023, 14 Uhr
Bielefeld, Stadion Alm
Wintereinbruch in Ostwestfalen – und das sorgt hier alljährlich für absolute Panik. Während man bei mir zu Hause im Schwarzwald selbst mit richtigen Schneemassen relativ gelassen umgeht, wird in Bielefeld schon bei ein paar Flöckchen der Notstand ausgerufen. Der absolute Brüller: Mobiel (Betreiber der Straßenbahnen und Linienbusse in Bielefeld) setzte am 29. November alle Fahrpläne außer Kraft und ließ ganze Buslinien ausfallen. Und wir reden hier nicht von meterhoch liegendem Schnee. Ja, es gibt wirklich viele Unterschiede zwischen NRW und Baden-Württemberg – aber der Umgang mit Schnee ist wirklich einer der gravierendsten. Ähnlich panisch agiert man auch im westfälischen Fußball und so wundert es nicht, dass praktisch alle Spiele im Amateurbereich an diesem Wochenende abgesagt werden. Es bleibt also nur der Profifußball. Passenderweise ist der FC Erzgebirge Aue zu Gast auf der Alm, schließlich gilt ja das Erzgebirge als Weihnachtshochburg. Wir verbinden das selbstredend mit einem Besuch auf dem Bielefelder Weihnachtsmarkt nach dem Spiel. Vor dem Spiel gönnen wir uns eines der letzten Stücke deutscher Imbisskultur, die es in der Stadt noch gibt. Im Bielefelder Osten steht an der Heeper Straße unweit der Radrennbahn nämlich eine uralte Frittenbude, bei der davon auszugehen ist, dass es auch sie nicht mehr allzu lange geben wird. Allerbeste Dittsche-Vibes. Gut gestärkt geht es anschließend wie üblich zum Siegfriedplatz, auf dem heute auch nicht mehr los ist als vor zweieinhalb Wochen beim tristen Pokalspiel gegen den SV Rödinghausen (wie gesagt: bei ein bisschen Schnee werden die Leute hier ganz komisch), und dann „an den Häusern im Westen entlang“ zur Alm, die mit 15.005 Zuschauern nur zur Hälfte gefüllt ist. Die Bielefelder Südtribüne hat heute einen Tag ohne Ausreißer nach unten oder oben, also Standardstimmung auf der Alm, die ja inzwischen durchaus gut ist. Ostvereine profitieren im Westen und gerade in wirtschaftsstarken Regionen wie Ostwestfalen ja immer von vielen Exil-Fans. Umso mehr überrascht mich, dass es im Gästeblock heute doch einige Lücken gibt. Da hätte ich mit deutlich mehr Wismut-Fans gerechnet. Stimmungsmäßig auch allenfalls Durchschnitt. Ein Wort noch zum „Ostwestfalen Idioten“-Gesang, der gegen die Arminia gerne angestimmt wird – natürlich auch heute. Das ist ein Lied, das von den Arminia-Fans selbst kommt und mit dem man selbstironisch den Bundesliga-Skandal von 1971 aufs Korn nimmt. So steht der Spruch „Ostwestfalen Idioten“ beispielsweise auch groß auf dem mobilen Fanshop des Vereins vor der Alm und es gibt einen Arminia-Punk-Song mit eben diesem Refrain (hier nachzuhören). Stimmen die gegnerischen Fans diesen Gesang an, weil sie in Unkenntnis damit provozieren wollen, stimmen daher die Arminia-Fans fröhlich mit ein. Bildungsauftrag erfüllt – und jetzt ab auf den Weihnachtsmarkt.












































