SV Schluchtern – VfR Heilbronn 0:4

Deutschland, Landesliga Württemberg – Staffel 1 (7.Liga)
Freitag, 3. Mai 2024, 19.30 Uhr
Leingarten, Leinbachstadion

Mehr VfR Heilbronn schauen! Das sollte wirklich die Devise sein, denn aktuell einen Verein mit Fanszene in der württembergischen Landesliga zu haben, sollte man wirklich häufiger nutzen, um einen Ground zu machen. Kleiner Reminder für alle, die nicht so im Thema drin sind: Der (alte) VfR Heilbronn war zwischen 1956 und 1975 mehrfach Zweitligist und spielte somit auch in der 2.Bundesliga, als diese in der Saison 1974/75 ihre Premiere feierte. Anschließend ging es bergab mit dem VfR, der 2002 in die Insolvenz ging und ein Jahr später mit der Heilbronner Spvgg zum FC Heilbronn fusionierte. 2012 folgte die Fusion des FC Heilbronn mit dem VfR-Erzrivalen Union Böckingen zum FC Union Heilbronn, womit dann auch die letzten VfR-Fans der ganzen Sache den Rücken kehrten. Aus den Reihen dieser Fans und des erfolgreichen A-Jugend-Jahrgangs, der 1996 DFB-Pokal-Sieger wurde, gründete sich 2019 der VfR unter altem Namen neu. Er war damit der erste Fanverein dieser Art in Baden-Württemberg, zwei weitere folgten mit den Neugründungen des 1.FC Pforzheim und der Spvgg Ludwigsburg. Sportlich ist der (neue) VfR Heilbronn innerhalb kurzer Zeit von der Kreisliga B bis in die Landesliga durchgestartet, wobei das mal ausnahmsweise nicht hauptsächlich am großen Geld liegt, sondern dass die Neugründung angenommen wird. Schon in der Kreisliga B hatte der VfR stellenweise über 300 Zuschauer. In diesem Fall also ein richtig vorbildlicher kometenhafter Aufstieg. Inzwischen ist die Verbandsliga in greifbarer Nähe und unter diesen Umständen ist das heutige „Derby“ im zehn Kilometer entfernten Schluchtern besonders spannend. Die Gegend rund um Heilbronn ist württembergisch-badisches Grenzgebiet und dort vermischen sich die Dialekte beider Landesteile wie nirgendwo anders in Baden-Württemberg. Man sagt den Heilbronnern gerne nach, dass sie schon badisch schwätzen, obwohl die das gar nicht gerne hören. Noch spezieller ist der Fall in Schluchtern, denn der kleine Ort bildet seit 1806 eine badische Enklave und ist vollständig von württembergischem Gebiet umgeben. Diese alte Grenze verschwimmt jedoch immer mehr. 1974 wechselte die Kirchengemeinde Schluchtern von der badischen zur württembergischen Landeskirche und auch der SV Schluchtern spielt im Württembergischen Fußballverband mit – und trifft deshalb nun auf den VfR Heilbronn, was ja als badischer Verein gar nicht möglich wäre. Vor dem örtlichen Leinbachstadion, das inzwischen einen Sponsornamen trägt (von der örtlichen Mühle), bilden sich lange Schlangen vor der Kasse und man merkt sofort eine gewisse Derby-Atmosphäre. Unter den vielen Zuschauern sind viele Gästefans, auch mit Zaun- und Schwenkfahnen, allerdings fällt mir beim VfR immer wieder auf, dass die organisierten Fans nie zusammenstehen, sondern sich immer Grüppchen bilden. Das wirkt nicht gesund und hoffentlich fliegt das der Heilbronner Fanszene mal nicht um die Ohren. Inzwischen hängt auch eine „Ultras“-Fahne und es gibt ein bisschen Support. Steckt aber alles noch in den Kinderschuhen. Trotzdem eine richtig schöne Fußball-Atmosphäre heute Abend in Schluchtern und gut aufgelegte Gastgeber, auch wenn es auf dem Platz eine klare Sache ist mit einem 4:0-Sieg für den VfR, der damit einen weiteren Schritt in Richtung Verbandsliga macht.










































 

FC Gerlingen – TSV Heimerdingen II 0:2

Deutschland, Kreisliga B Enz/Murr – Staffel 5 (10.Liga)
Mittwoch, 1. Mai 2024, 15 Uhr
Gerlingen, Maximilian-Zoißl-Stadion

Am 1. Mai schließt man sich in Baden-Württemberg traditionell mit seinen Kumpels zusammen, haut sich einen Handwagen voll mit Bierkisten und zieht dann durch die Landschaft. Genau wie am Vatertag, allerdings ufert es am 1. Mai noch ein bisschen mehr aus. Auf den Dörfern konstruieren die jungen Leute sogar kleine Almhütten, die auf Anhänger gesetzt und von Traktoren von Dorf zu Dorf gezogen werden – mit reichlich Alkohol und lauter Musik. Mein Fall ist das überhaupt nicht, aber ganz im Sinne des 1. Mai will ich die heutige Fahrt zum Fußball in ähnlicher Weise gestalten. Nicht mit auf einem dieser sogenannten Maiwagen, aber mit dem Besuch von möglichst vielen Bahnhofs- und U-Bahn-Kneipen im Ballungsraum Stuttgart. Da klar ist, dass in dem Fall der Fußball nur der Nebendarsteller sein wird und in Anbetracht meines zu erwartenden Zustands auch keine weiten Fußwege absolviert werden sollen, fällt meine Wahl auf den FC Gerlingen, dessen Maximilian-Zoißl-Stadion entgegen seines schön klingenden Namens nur ein Kunstrasenplatz mit zwei Stufen ist. Los geht es für mich in der Herrenberger Bahnhofskneipe mit dem ebenfalls schön klingenden Namen Signal – und in der gefällt es mir bereits so gut, dass die anvisierte Taktung deutlich nach unten korrigiert wird und es vor dem Spiel bei dieser einen Bahnhofskneipe bleibt. Sorry, Dampflöckle am Bahnhof Obertürkheim. In ähnlicher Mission, aber im Rahmen einer ganz traditionellen Maiwanderung sind auch viele Leute unterwegs, die das Heimspiel des FC Gerlingen besuchen. Manch ein Handwagen mit Bierkisten steht auf dem Sportgelände, dazu ist bei den meisten Zuschauern der Pegel hoch und die Laune gut. Solche Amateurspiele sind aber generell gerne Ziele von Maiwanderungen. Und dementsprechend sind die beiden Stufen im Maximilian-Zoißl-Stadion sehr gut besetzt. Kleiner seriöser Einwurf an der Stelle: Gerlingen ist einer der Vororte von Stuttgart, der vollständig mit der Landeshauptstadt verschmolzen ist. Hier gibt es wirklich den Fall, dass eine Straßenseite zu Gerlingen und eine zu Stuttgart gehört – wie man es eigentlich immer im Ruhrgebiet vermutet. Zudem ist Gerlingen an das Stuttgarter U-Bahn-Netz angeschlossen. Diese Ehre wird ansonsten nur Fellbach, Leinfelden-Echterdingen (mit dem Stuttgarter Flughafen), Remseck und Ostfildern zuteil. Dennoch gehört der FC Gerlingen, der bis 2016 noch FC Gehenbühl hieß (weshalb dieser Name noch auf sämtlichen Verkehrsschildern auftaucht), nicht zum Fußballbezirk Stuttgart, sondern Enz/Murr. Nach dem Spiel schaffe ich noch die unterirdisch gelegene Wikinger-Bierstube im U-Bahnhof Charlottenburg (noch mit D-Mark-Münztelefon), das Wirtshaus zum alten Bahnhof in S-Vaihingen (mit Biergarten direkt auf dem Bahnsteig – austrinken und einsteigen) und die schon nicht mehr fotografierte Ticketbar im alten Fahrkartenschalter des Bahnhofs Gärtringen, muss dann aber einräumen, mir etwas zu viel vorgenommen zu haben. Vier Kneipenbesuche sind halt nicht wie vier Spielbesuche.