Graz United - SV Gratwein/Straßengel II 8:1

Österreich, 1.Klasse Steiermark – Staffel Mitte A (8.Liga)
Sonntag, 31. März 2024, 15 Uhr
Graz, ASKÖ-Stadion Eggenberg

Statt in Ungarn setze ich die Tour in Österreich fort und fahre zurück nach Graz, wo tatsächlich noch der ein oder andere Prachtground steht. Das trifft vor allem auf die Gruabn zu, also das alte Stadion von Sturm Graz (1919 bis 1997), in dem heute der Grazer SC Straßenbahn spielt, aber es gibt da unter anderem auch noch das ASKÖ-Stadion Eggenberg. Wie der Name schon sagt gehört es dem sozialdemokratischen ASKÖ-Verband (Arbeitsgemeinschaft für Sport und Körperkultur in Österreich), aber irgendwie scheint auch das österreichische Militär mit auf der Anlage zu sitzen. So wirklich zu einer Recherche komme ich nicht, denn körperlich geht es mir immer dreckiger. Ich versuche noch, mir ein Bier im Stadionrestaurant reinzudrücken, das schmeckt mir inzwischen aber überhaupt nicht mehr. Handeln wir kurz die Fakten ab: Das Stadion musste in den vergangenen Jahren kräftig Federn lassen. Bis 2012 waren noch beide Kurven ausgebaut, dann wurde zunächst die Südkurve und schließlich 2018 die Nordkurve abgerissen. Allerdings ist die Haupttribüne massiv genug, damit das ASKÖ-Stadion weiterhin beeindruckend ist. Regulärer Spielbetrieb findet hier eigentlich nicht statt, aktuell darf aber der noch recht junge Verein Graz United die Bude nutzen. Das ist nur eine Übergangslösung und somit muss die Gelegenheit genutzt werden. Nach dem Spiel setze ich mich in den Zug zurück nach Salzburg und in dem gehen bei mir die Lichter  komplett aus. Es wird inzwischen wärmer, andere Fahrgäste tragen teilweise kurze Hose, aber ich habe mir alle T-Shirts, Pullover und Jacken angezogen, die ich in meiner Reisetasche habe – und sitze trotzdem zitternd im Zug, weil ich so friere. Mit letzter Kraft schleppe ich mich in mein Hotel am Salzburger Hauptbahnhof. Eigentlich sind nur ein paar wenige Stunden Schlaf vorgesehen, denn am nächsten Morgen soll es weiter nach Tirol gehen, wo zwei Pokalspiele auf meinem Zettel stehen. Stattdessen werde ich schlussendlich vom Roten Kreuz aus meinem Hotelzimmer getragen und lande in der Notaufnahme des Salzburger Landeskrankenhauses.




















 

SK Sturm Graz II – FC Admira Wacker Mödling 1:3

Österreich, 2.Liga (2.Liga)
Sonntag, 31. März 2024, 10.30 Uhr
Gleisdorf, Solarstadion

Gestern die österreichische Regionalliga West komplettiert, heute fällt sogar ein Zweitliga-Ground. Allerdings nur ein temporärer, denn für alle Zeiten wird die zweite Mannschaft von Sturm Graz nicht in Gleisdorf spielen. Das Städtchen (11.500 Einwohner) liegt östlich von Graz, quasi auf halber Strecke in Richtung ungarische Grenze. Ab dem Gleisdorfer Bahnhof gibt es stündliche Zugverbindung hinüber nach Ungarn, weshalb ursprünglich geplant war, die Tour anschließend in Ungarn fortzusetzen. Ein Glück, dass ich das nicht gemacht habe – denn sonst wäre ich in Ungarn im Krankenhaus gelandet und das wäre deutlich unentspannter geworden. In Gleisdorf selbst gibt es überhaupt nichts zu sehen und glücklicherweise liegt das Solarstadion (was für ein Name!) in Bahnhofsnähe. Dort ist heute einer der Zweitligisten mit Fanszene zu Gast, nämlich der FC Admira Wacker Mödling, und der beschwert sich mit Fug und Recht über die Anstoßzeit 10.30 Uhr am Ostersonntag – auch wenn mir die aus Hopper-Sicht natürlich sehr gefällt. Heute wird der FC Admira Wacker Mödling mit diesem verschachtelten Namen ein bisschen belächelt, zumal er einst aus Wien ausgezogen ist und in den Vorort Mödling abgewandert ist, allerdings steckt in ihm Admira Wien und das ist wirklich ein ganz großer Traditionsverein. Achtmal wurde er zwischen 1927 und 1966 österreichscher Meister. Um ein Haar wäre er hinter Rapid Wien und First Vienna auch der dritte österreichische Verein geworden, der nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland einen deutschen Titel gewonnen hätte. Admira verlor jedoch 1939 das Finale um die deutsche Meisterschaft gegen Schalke 04 und wurde „nur“ deutscher Vizemeister. Als Fan der Stuttgarter Kickers ist jene Saison 1938/39 für mich besonders bitter, denn die waren damals in einer Vorrundengruppe mit der Admira. Zwei Spieltage vor Schluss hatten die Kickers zwei Punkte Vorsprung (damals gab es nochdie Zwei-Punkte-Regelung) und hätten beim Aufeinandertreffen in Stuttgart gegen die Admira einen Sieg gebraucht, um sich für das Halbfinale der deutschen Meisterschaft zu qualifizieren. Das Spiel endete jedoch 1:1, dafür stellten die Kickers in jenem Spiel mit 80.000 Zuschauern (oder nach anderen Quellen gar bis zu 100.000) den bis heute gültigen Zuschauerrekord im Neckarstadion unter Beteiligung eines Stuttgarter Vereins auf. Da die Admira ihr letztes Gruppenspiel mit 8:3 gegen den VfR Mannheim gewannen, die Kickers aber mit 0:1 gegen den abgeschlagenen SV Dessau verloren, machte die Admira das Rennen und bezwang im Halbfinale den Hamburger SV mit 4:1. Das Finale wurde jedoch klar mit 0:9 vor 100.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion gegen Schalke 04 verloren – die höchste Endspielniederlage in der Geschichte der deutschen Meisterschaft. Spätestens nach der Fusion 1971 mit Wacker Wien und dem Gang hinaus nach Niederösterreich ist man weit davon entfernt, wieder Zuschauermassen anzuziehen, allerdings gibt es doch eine kleine, feine Fanszene, die heute wie gesagt mit ihren rund 20 Leuten gegen die frühe Anstoßzeit protestiert, aber über die 90 Minuten hinweg ganz normal ihr Programm durchzieht. Interessant: In den winzigen Gästeblock auf der Gegengerade möchten die Gästefans nicht gehen, sondern bleiben bei dem Regenwetter lieber am Rand der überdachten Haupttribüne, was aber die anwesenden Ordner ganz entspannt sehen. Die Sturm-Szene geht freilich nicht zur zweiten Mannschaft, ansonsten sind aber doch einige Zuschauer da und dazu hat der Cateringbereich des heimischen FC Gleisdorf ganz normal geöffnet, an dem es typisch österreichisch eine breite Auswahl gibt. Dass ich hier nicht zum Bier, sondern zur Cola greife, sollte eigentlich das letzte Indiz sein, dass mit mir etwas nicht stimmt. Ich halte das aber nur für eine Art Erkältung. Zurück nach Graz geht’s abermals mit dem Bus, da die Zugstrecke momentan gesperrt ist, was mir als Eisenbahn-Romantiker eigentlich überhaupt nicht passt, allerdings bin ich so fertig, dass ich ohnehin die ganze Fahrt schlafe.


















 

Bischofshofener SK – SV Austria Salzburg 1:2

Österreich, Regionalliga West (3.Liga)
Samstag, 30. März 2024, 15 Uhr
Bischofshofen, BSK-Platz

Nachdem ich gestern das Innstadion in Mötz abhakt hatte, ist nun der Platz des Bischofshofener SK mein letzter noch fehlender Ground in der österreichischen Regionalliga West. Ideal, die Liga nun mit einem Auswärtsspiel von Austria Salzburg zu komplettieren. Mit der urigen Salzburger Lokalbahn geht es am Morgen zunächst von meinem Hotel zum Salzburger Hauptbahnhof, in dem schon reichlich Austria-Fans unterwegs sind. 45 Minuten dauert von dort die Zugfahrt bis Bischofshofen, die durch wunderschöne Alpen-Landschaft führt. Die 10.000-Einwohner-Stadt ist bekannt als Austragungsort der Vierschanzentourne, wobei hier immer das letzte Springen stattfindet. Ich dachte, dass es deshalb vielleicht ein bisschen touristische Infrastruktur am Bahnhof in Form von Schließfächern gibt, dem ist aber nicht so, so dass die Reisetasche mit in die Stadt muss. Zu sehen gibt es dort nicht viel, vermittelt aber dennoch alpines Flair. Nur 900 Meter ist die Schanze vom Ortskern entfernt und eigentlich wollte ich die erklimmen, mein allmählich schlechter werdender Gesundheitszustand, der mir immer noch nicht Anlass zur Sorge gibt, hemmt aber meine Motivation. Ich brauche meine Kraft für den Fußmarsch hinaus zum BSK-Platz. Dort ist schon viel Polizei unterwegs, dazu völlig übermotivierte Ordner, die mir den Zutritt mit meiner Reisetasche verwehren wollen. Mit meiner Argumentation, dass es hier nun mal keine Schließfächer gibt, komme ich zunächst nicht weiter, aber Hartnäckigkeit zahlt sich aus und nachdem irgendwann der Security-Chef (!) hinzubeordert wird, darf ich doch passieren. Okay, hier gastiert heute Austria Salzburg – aber eigentlich ist das doch totaler Dorffußball. Wieso soll eine Reisetasche da ein derartiges Problem sein? Schade, denn eigentlich ist der BSK-Platz ganz sympathisch. Überdachte Tribüne, Stiegl vom Fass, geiles Alpen-Panorama. Heute kommt natürlich noch ein gut gefüllter Gästeblock dazu, der über volle 90 Minuten für allerfeinste Italo-Stimmung sorgt. Forza Viola allez! Da brauchen wir nicht lange um den heißen Brei herumreden – Austria Salzburg ist immer geil. Zusammenmit Wacker Innsbruck ganz klar die italienischte Szene Österreichs. Passenderweise gibt es während des Spiels ein italienischsprachiges Spruchband für einen Verstorbenen der befreundeten Ultras aus Udine. Gar nicht passend ist dagegen, dass es hier mitten im Salzburger Land ein Tiroler Gasthaus steht, aber da das das einzige noch geöffnete Restaurant mit österreichischer Küche ist, das nach Spielende in Bischofshofen noch geöffnet hat, kehre ich dort ein. Hier sendet mein Körper bereits erste richtig drastische Alarmsignale, denn das Bier schmeckt mir nicht mehr richtig. Das wird natürlich weiterhin ignoriert und stattdessen in den Zug nach Graz gestiegen, wo ich am Abend mein Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofs beziehe. Spoiler: Es wird die vorerst letzte Nacht sein, in der ich noch normal denken kann.