1.FC Burladingen – FC Pfeffingen 1:0

Deutschland, Bezirkspokal Zollern (Viertelfinale)
Donnerstag, 18. April 2024, 19 Uhr
Burladingen, Tiefentalstadion

Heute betrete ich das Reich von Wolfgang Grupp! Bei Burladingen denkt man natürlich sofort an Trigema und seinen sehr polarisierenden Chef. Das Unternehmen wurde 1919 von den Brüdern Josef und Eugen Mayer gegründet, die ihm ihren Namen gaben – Trikotwarenfabrik Gebrüder Mayer, also Trigema. 1969 übernahm Josef Mayers Enkel Wolfgang Grupp den Laden und sorgt seitdem immer wieder für Aufmerksamkeit. Am bekanntesten sein dürften die ab 1990 geschaltete Fernsehwerbung mit dem Affen und der Slogan, nur in Deutschland zu produzieren. In den vergangenen Jahren drängte Wolfgang Grupp immer mehr mit populistischen Aussagen in die Öffentlichkeit. Dazu zählen sein Ablehnen von Homeoffice, seine kritische Haltung zur Work-Life-Balance oder die Tatsache, dass er sich jede E-Mail ausdrucken lässt. Auch von einem Betriebsrat hält er nicht viel, die Kandidaten für das Gremium in seinem eigenen Unternehmen habe er stets selbst ausgesucht. Hardcore-neoliberal, wobei Grupp nicht das einzige neoliberale Beispiel in Burladingen ist, hatte die 12.000-Einwohner-Stadt doch bis 2020 den einzigen AfD-Bürgermeister Baden-Württembergs. Der wurde jedoch 1999 als CDU-Mitglied in das Amt gewählt und wechselte 2018 das Parteibuch. Ich persönlich bin überhaupt kein Freund von Wolfgang Grupp, finde es aber dennoch spannend, mal in diese ganz eigene Burladinger Welt zu schauen. Im Prinzip kann man sagen, dass die Kleinstadt um das Trigema-Werk und die danebenstehende Grupp-Villa herumgebaut ist. Ein wirkliches Stadtzentrum gibt es nicht, denn Burladingen war eigentlich nur ein kleines Dorf und wuchs durch die Textilindustrie, die Grupps Urgroßvater Johann Mayer hier ansiedelte. Oder anders gesagt: Außer Trigema und Arbeitersiedlungen gibt es in Burladingen rein gar nichts zu sehen. Interessant ist das trotzdem, gerade weil Wolfgang Grupp in den Medien derzeit so präsent ist. Und es tatsächlich so, wie er es immer sagt: Er muss nur über die Straße gehen, um vom Trigema-Hauptsitz in seine Villa zu kommen. Die stammt aus dem Jahr 1971 und ist mit ihren hohen weißen Mauern architektonisch genau ein Kind dieser Zeit. In der gleichen Straße steht außerdem vor einem Trigema-Testgeschäft die berühmte Trigema-Tankstelle, an der Grupp den Sprit zum Einkaufspreis verkaufen lässt und die damit automatisch die günstigste in der ganzen Region ist. Gewinn macht Trigema damit nicht, das ist eine reine Werbemaßnahme – die aber andere Tankstellen in der Umgebung kaputtmacht. Hardcore-neoliberal. Ja, und dann ist da natürlich noch der 1.FC Burladingen und sein Tiefentalstadion. Eigentlich dachte ich, dass Trigema da als großer Sponsor auftritt – doch weder auf den Werbebanden noch auf den Trikots sieht man etwas von der Trikotwarenfabrik Gebrüder Mayer. Das ist eine faustdicke Überraschung und bestätigt meine negative Meinung über Wolfgang Grupp. Immer auf lokale Verbundenheit und made in Germany machen, aber dann sieht man rein gar nichts von Trigema im Tiefentalstadion. Fairerweise muss ich sagen: Ob da nicht im Hintergrund irgendwelche Spenden an den Verein gehen, weiß ich natürlich nicht. Ich kann nur beurteilen, was man sieht. Und da sieht man halt: Der 1.FC Burladingen spielt lediglich in der Kreisliga A, hat keine A- und B-Jugend und das als einziger Fußballverein der Stadt. Das riecht nicht nach großer Trigema-Finanzspritze. Immerhin im Bezirkspokal könnte in dieser Saison ein Coup gelingen, denn mit einem 1:0-Sieg gegen den FC Pfeffingen im auch ohne Trigema-Kohle recht ansehnlichen Tiefentalstadion zieht der 1.FC Burladingen ins Halbfinale ein.