Tschechien, 3.Česká fotbalová liga – skupina A (3.Liga)
Samstag, 27. April 2024, 17 Uhr
Domažlice, Městský Stadion Střelnice
Dass ich Vilzing nur in Kombination mit Tschechien mache, war mir von Anfang an klar. Aber dass es mit der Ideal-Kombination Domažlice klappt, macht mich so richtig happy. Das 11.000-Einwohner-Städtchen liegt nur 15 Kilometer hinter der bayrischen Grenze und ist für mich der nächstgelegene höherklassige Verein Tschechiens. Trotz der Grenznähe gab es in Domažlice nie eine große deutschsprachige Bevölkerung, denn die hatte in diesem Bereich ausnahmsweise nur einen ganz kleinen Siedlungsstreifen hinter der Grenze. Grundsätzlich: Heute bezeichnet man gerne die gesamte deutschsprachige Minderheit in Tschechien von vor 1945 als Sudetendeutsche, tatsächlich umfasste das Sudetenland (benannt nach dem Sudetengebirge in Norden Tschechiens) nur die nördliche Hälfte des deutschsprachigen Teils (etwa bis auf Höhe Pilsen), der sich immer entlang der tschechischen Grenze von Ostrava einmal ganz rum bis nach Brünn zog. Gemeinsam hatte aber die gesamte deutschsprachige Bevölkerung Tschechiens, egal ob sudetendeutsch oder nicht, dass sie nie deutsch, sondern österreichisch war. Erst 1938 mit dem Einmarsch von Hitler-Deutschland wurden sie erstmals (reichs-) deutsch. Zumindest sieben Jahre lang, dann ging alles den Bach runter. Neonazi-Sprüche à la „Sudetenland bleibt deutsch“ sind also schon per se völliger Schwachsinn. Zurück nach Domažlice. Das hatte wie gesagt keine große deutschsprachige Bevölkerung, gehörte aber wie ganz Böhmen bis 1918 zu Österreich-Ungarn und hat daher auch einen deutschen Namen, nämlich Taus. Zwar kam es 1945 auch in Domažlice zur Vertreibung der kleinen österreichischen Minderheit, aber die meisten Häuser waren auch schon vor 1945 in tschechischem Besitz. Das merkt man dem wunderschönen Stadtkern von Domažlice an. Denn in anderen tschechischen Orten nahe der deutschen Grenze, die bis 1945 mehrheitlich von Österreichern bewohnt waren, sehen die alten Häuser, in die die Tschechen erst nach der Verreibung eingezogen sind, oft total verwahrlost aus. Auch meine Vorfahren waren Sudetendeutsche und das Geburtshaus meines Opas in einem Dorf nahe Děčín ist heute ebenfalls in einem erschreckenden Zustand – aber wenigstens steht es noch. Hier in Domažlice sieht es dagegen ganz anders aus und dass es dazu eine intakte Gastro-Szene gibt, stimmt uns richtig optimistisch für den Abend. Erst einmal wartet aber der Fußball und auch da überzeugt Domažlice mit einem Stadion, in dem auf beiden Geraden eine überdachte Tribüne steht. 2017 fanden hier Spiele der U17-Frauen-EM statt. Ein entsprechendes (verblasstes) Schild steht noch heute am Eingang. Dahinter geht es aber typisch tschechisch weiter und im Prinzip ist das Stadion Střelnice mit all dem, was in ihm passiert, ein Prototyp des tschechischen Fußballs – also richtig geil. Pivo, Klobasa und viele schrille Typen. Wie erwartet hat die zweite Mannschaft von Kult-Verein Bohemka keine Gästefans mitgebracht, dafür trommeln auf Heimseite drei, vier Leute herum. Dass sich nach Abpfiff zwei Kinder Sturmhauben überziehen und Rauchfackeln qualmen lassen, sprengt ein bisschen das typisch tschechische Bild. Wir tauchen nach dem Spiel in die kleine, aber sehr schöne Altstadt von Domažlice ein und versumpfen im örtlichen Brauhaus.




































