1.CfR Pforzheim U17 – JFV Straubenhardt U17 4:0

Deutschland, B-Junioren-Kreispokal Pforzheim (Halbfinale)
Dienstag, 16. April 2024, 18.30 Uhr
Pforzheim, Stadion im Brötzinger Tal – Platz 3

Ich weiß nicht so wirklich, ob ich mich darüber freuen soll, dass in meiner näheren Umgebung inzwischen fast alles abgegrast ist. Einerseits schön, weil das ja das eigentliche Ziel ist, andererseits gehen einem dadurch auch die Optionen aus. Im Prinzip bleiben mir nur noch die Nebenplätze – und einem solchen widme ich mich auch heute. Der ist immerhin easy mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und so führt mich der Weg mal wieder über den Pforzheimer Hauptbahnhof, den ich inzwischen so richtig liebgewonnen habe. Eigentlich wird er ja als Schandfleck empfunden, weil er nach dem Zweiten Weltkrieg komplett neu gebaut und somit voll im Stil der 1950er-Jahre gestaltet wurde. Die Architektur dieser Zeit wird heutzutage als hässlich empfunden, aber warum eigentlich? Die hat in meinen Augen genauso ihre Daseinsberichtigung und zeichnet eine wichtige Phase der deutschen Gesichte nach, nämlich die des Wiederaufbaus. Und der prägte Pforzheim ganz besonders, erlebte die Stadt doch den drittstärksten Luftangriff der Alliierten im Zweiten Weltkrieg, bei dem innerhalb von nur 22 Minuten 98 Prozent des Stadtgebiets zerstört wurde. Neu aufgebaut wurde inzwischen auch das 1913 eröffnete Stadion im Brötzinger Tal. Es war die eigentliche Heimat des 1.FC Pforzheim (deutscher Vizemeister 1906), der 2010 mit dem Lokalrivalen VfR Pforzheim zum 1.CfR Pforzheim fusionierte. Gespielt wurde zunächst im Holzhofstadion des VfR, da das Stadion im Brötzinger Tal eine neue Haupttribüne erhielt. Das zog sich jedoch unglaublich in die Länge. Erst 2013 wurde überhaupt mit dem Bau angefangen und es dauerte satte sieben Jahre, bis das Ding fertig wurde. Heute sehe ich den Neubau zum ersten Mal mit eigenen Augen und bin wenig überraschend total enttäuscht. Das Stadion hat dadurch viel von einem historischen Charme eingebüßt, selbst wenn die alten Stehstufen auf der Gegengerade und hinterm Tor noch stehen. Noch bitterer ist nur, dass mit dem Umzug des 1.CfR hierher das Holzhofstadion abgerissen wurde. Und das, obwohl die Vereine in Pforzheim immer wieder darüber klagen, dass es zu wenige Sportplätze in der Stadt gibt. Eingeweiht werden sollte das umgebaute Stadion im Brötzinger Tal übrigens im Juli 2020 mit einem Testspiel zwischen dem 1.CfR und Lokomotive Leipzig. Es wäre die Neuauflage des Finales um die deutsche Meisterschaft 1906 gewesen, das der VfB Leipzig gegen den 1.FC Pforzheim gewann. Aufgrund der Corona-Maßnahmen wurde das Spiel aber abgesagt. Nicht optimiert hat man mit dem Umbau die Nebenplatz-Situation. Das Problem: Platz 2 (Naturrasen) ist zu klein für den Spielbetrieb und kann fürs Training genutzt werden. Platz 3 (Kunstrasen) ist ebenfalls recht schmal, aber immerhin kann dort das heutige Halbfinale im Pforzheimer U19-Kreispokal stattfinden. Wie gesagt: Pforzheim hat ein großes Sportplatz-Problem, darum kann ich nicht nachvollziehen, warum man die (lange) Umbauphase nicht genutzt hat, um mehr aus dem Areal herauszuholen. Selbst hier auf dem größeren Platz 3 ist es mitunter schon fast kriminell, wie nah das Stankett dem Außenzaun kommt. Zentimeter-Frage. Das Pokalspiel wird bereits um 18.30 Uhr angepfiffen und dank eines klaren 4:0-Siegs des 1.CfR wird keine Verlängerung nötig, so dass nach Abpfiff reichlich Zeit für einen Abstecher in die Pforzheimer Nordstadt bleibt. Die beginnt direkt hinter dem Hauptbahnhof und genießt einen ähnlichen Ruf wie die berüchtigte Dortmunder Nordstadt, hat aber noch die ein oder andere intakte Eckkneipe, so dass der Abend schön urig ausklingt. Denn heute trinke ich zum ersten Mal seit mener Krankenhaus-Entlassung mal wieder Bier.