DJK Vilzing – FC Eintracht Bamberg 0:1

Deutschland, Regionalliga Bayern (4.Liga)
Samstag, 27. April 2024, 14 Uhr
Vilzing, Manfred-Zollner-Stadion

„Ost-, Ost-, Ostdeutschland!“-Schlachtrufe reißen uns am Morgen in unserem Regensburger Hotelzimmer aus dem Schlaf. Der Blick hinaus aus dem Fenster offenbart: Der ganze Parkplatz ist voll mit Fans von Dynamo Dresden. Für Profifußball interessiere ich mich ja überhaupt nicht mehr und so ging mir auch die Info durch die Lappen, dass der Jahn heute in der 3.Liga Dynamo Dresden empfängt – und unser B&B-Hotel in relativer Stadionnähe ist voll mit Gästefans, die sich gerade nach dem Aufstehen sammeln. Wahrscheinlich sind wir die einzigen Nicht-Dynamo-Fans, die hier heute übernachtet haben. Wir haben jedoch ganz andere Pläne und fahren nach Vilzing, wo mit Eintracht Bamberg einer der wenigen Vereine der Regionalliga Bayern mit Fanszene gastiert. Natürlich in einer ganz anderen Dimension als Dynamo Dresden, aber für unsere Zwecke absolut in Ordnung. Das Manfred-Zollner-Stadion in Vilzing ist der letzte Ground der Liga der mir noch fehlt. Damit wird heute die vierte der fünf deutschen Regionalligen komplettiert. Lediglich in der Regionalliga Nord gibt es noch drei offene Baustellen. Vilzing ist ein Ortsteil von Cham in der Oberpfalz und hat gerade einmal 400 Einwohner. Wie kann so ein Verein, der dazu erst 1967 gegründet wurde, in der Regionalliga spielen? Ihr ahnt es: Ein Mäzen steckt dahinter – in diesem Fall Manfred Zollner, der ganz „bodenständig“ das Stadion nach sich benennen ließ. Der ist Chef der Zollner Elektronik AG, die das größte Unternehmen im Landkreis Cham ist und Niederlassungen in neun verschiedenen Ländern hat. Zollner führte mit seiner Kohle die kleine DJK Vilzing innerhalb von 20 Jahren von der B-Klasse in die Bayernliga. Unsympathisch ohne Ende. 2022 folgte dann der Aufstieg in die Regionalliga. Entstanden ist inzwischen zwar eine relativ ansehnliche Tribüne, die in der Regionalliga aber ohnehin Auflage ist, ansonsten ist hier alles jedoch nicht wirklich mitgewachsen. Dass auf dem Stadionparkplatz auch ein Traktor steht, sagt wirklich alles. Mehr Dorf-Verein geht nicht. Ebenfalls Auflage ist, dass es einen richtigen Gästeblock gibt, und in dem ist heute wie erwartet zumindest ein bisschen etwas los. Zwölf Bamberger mit drei Zaunfahnen sind mitgereist, die auch relativ durchgehend supporten. Wie schön wäre das, wenn die Regionalliga Bayern nur aus solchen Vereinen bestehen würde. Stimmt mich zufrieden, dass die Bamberger hier mit 1:0 gewinnen. Das Komplettierungsbier gibt es natürlich noch im Stadion, im nächsten Netto wird aber noch Nachschub organisiert, denn der Discounter ist aktuell Trikotsponsor von Jahn Regensburg, weshalb es in den Netto-Märkten in der Oberpfalz eigenes Jahn-Regensburg-Dosenbier gibt (von der Regensburger Brauerei Bischofshof) – und auf solche regionalen Unikate fahre ich total ab. Aufgemacht werden die allerdings noch nicht, denn Vilzing liegt nur knapp 30 Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt, weshalb für mich vollkommen klar ist: Vilzing wird nur in Kombination mit einer Tschechien-Tour gemacht – und dort trinkt man selbstverständlich kein selbstmitgebrachtes deutsches Bier.