SV Kosova Osnabrück II – SC Schölerberg 3:2

Deutschland, 1.Kreisklasse Osnabrück – Staffel C (9.Liga)
Mittwoch, 28. Februar 2024, 19 Uhr
Osnabrück, Stadion Klushügel – B-Platz

Fußball ist heute gewissermaßen nur zweitrangig, denn im Mittelpunkt steht der Osnabrücker Hauptbahnhof. Ich bin ein großer Fan von Bahnhofskneipen und finde es furchtbar schade, dass diese in Deutschland mehr und mehr verschwinden. Osnabrück bildet da eine große Ausnahme, denn am dortigen Hauptbahnhof, der zugleich der älteste Turmbahnhof Deutschlands ist, gibt es sogar noch zwei Kneipen. Über die hatte der NDR sogar schon mal eine Dokumentation gemacht (hier nachzuschauen) – und beide wollen wir heute ausführlich besuchen. Dafür haben wir uns ein Spiel im Stadion Klushügel ausgesucht, das quasi gleich hinter dem Hauptbahnhof liegt, das aber gewissermaßen lediglich als Anlass herhalten muss für Fahrt nach Osnabrück. Die erfolgt schon sehr zeitig und weit müssen wir gar nicht gehen, denn die erste Kneipe liegt mit Olafs Laden gleich zwischen Gleis 11 und 12 des Hauptbahnhofs, wo auch die Züge aus Bielefeld ankommen und wieder abfahren. Einen Schritt raus aus dem Zug machen und rein ins Vergnügen. „Vorne Kiosk, hinten Kneipe“ – so beschrieb die Neue Osnabrücker Zeitung Olafs Laden in einem Artikel vor zwei Jahren (hier nachzulesen, aber mit Bezahlschranke), der die schöne Überschrift hatte: „Einer der letzten seiner Art.“ Wie alt das Ding genau ist, weiß niemand so genau, aber die ältesten Aufzeichnungen stammen aus dem Jahr 1920. Das Dinge könnte also sogar schon in der Kaiserzeit gestanden haben. Ein unglaubliches Flair herrscht in der recht kleinen Kneipe, ein historischer Geruch liegt in der Luft und dazu hat ein sehr redseliger Mitarbeiter die Spätschicht, der uns viel über den Laden erzählt. Einst fuhren genau von diesem Gleis die Züge nach Bremen ab, wohin viele Wehrdienstleistende mussten, die hier noch ein Bier tranken und die Kasse klingeln ließen. Seit ein paar Jahren rollt der Rubel nicht mehr so, das 9-Euro-Ticket habe zwar noch einmal für Konjunktur gesorgt, aber gegen das allgemeine Aussterben der Bahnhofskneipen wird man sich auch hier nicht ewig wehren können. Schade auch, dass Olafs Laden bereits um 19 Uhr schließt und er somit nichts für abendliche Aufenthalte in Osnabrück ist. Da um 19 Uhr Anstoß im Stadion Klushügel ist, müssen wir ohnehin kurz vor Feierabend gehen. Wie erwartet spielt der SV Kosova Osnabrück nur auf dem Nebenplatz, da der gut ausgebaute Hauptplatz keinen Ausbau hat. Der Nebenplatz hat keinen Ausbau, aber Asche, was fast genauso gut ist. Wir bekommen zudem nur die zweite Mannschaft zu sehen, was aber in dem Fall nicht ins Gewicht fällt, weil die erste Mannschaft in der gleichen Staffel spielt. In Niedersachsen ist das möglich. Man darf also davon ausgehen, dass die Spieler zwischen beiden Mannschaften munter hin- und hergetauscht werden und somit die nominell zweite Mannschaft nicht zwangsläufig auch wirklich die zweite Mannschaft sein muss. Nach dem Spiel geht’s zügig zurück zum Hauptbahnhof und in die zweite Bahnhofskneipe, das „Abgefahren“. Von dem hatte ich es hier ja kürzlich erst, darum kurz und knapp: Schöne Fußballkneipe, in der jede freie Zentimeter mit Schals von allen möglichen Vereinen vollgehangen ist. Ein paar Eisenbahn-Devotionalien sind ebenfalls ausgestellt, an der Wand flimmert ein Bildschirm mit den aktuellen Abfahrtszeiten und oben unter der Decke dreht eine Modelleisenbahn ihre Runden. Ich weiß gar nicht, welche von beiden Bahnhofskneipen mir besser gefällt. Der Osnabrücker Hauptbahnhof ist auf jeden Fall ein ganz, ganz starkes Pflaster!