Griechenland, Volley League (Volleyball, 1.Liga)
Samstag, 3. Februar 2024, 20.15 Uhr
Kifisia, Gipedo Zirineio
Mich erwartet im Anschluss der volle Kontrast, denn vom heruntergekommenen Rouf geht es in das vergleichsweise mondäne Kifisia (70.000 Einwohner) im Norden des Großraum Athen, das bereits seit der Antike die Schönen und Reichen als Wohnort anlockt. Kifisia (wird teilweise auch in der Schreibform Kifissia transkribiert) ist zugleich Endpunkt der vom Hafen Piräus kommenden Metro-Linie 1, die lange Zeit die einzige Linie im Großraum Athen war, ehe für die Olympischen Spiele 2004 die beiden neuen Linien 2 und 3 gebaut wurden. Kommt man mit der Metro in Kifisia an, das klares Panathinaikos-Gebiet ist, geht man erst einmal durch einen stilvollen, gepflegten Park und kommt dann in das kleine Zentrum mit seinen ungewöhnlich breiten Gehwegen. Ja, das ist schon ein bisschen etwas anderes hier. Hier werfe ich mir noch einen Grillteller ein, ehe es zu Fuß weiter zum Fußballstadion von Kifisia (Gipedo Zirineio) geht, neben dem auch die gleichnamige Volleyballhalle von AOP Kifisia steht. Im Fußball spielt AE Kifisia seit dieser Saison in der 1.Liga, trägt seine Heimspiele aber schon seit geraumer Zeit in das Stadio Michalis Kritikopoulos von Ethnikos Asteras südöstlich von Athen aus – also ein ganzes Stück von Kifisia entfernt. Dort war ich bereits im Dezember 2021 (hier nachzulesen). Im Volleyball, das in Griechenland einen hohen Stellenwert hat, spielt der nicht verwandte Athlitikos Omilos Petosfairisis (Volleyball-Sportverein) aber weiterhin im Gipedo Zirineio. Zu Gast ist Panathinaikos und da hat man natürlich sofort die Youtube-Videos von einem ausrastenden griechischen Mob in einer Sporthalle im Kopf. Tatsächlich kommt das nicht regelmäßig vor, dass die Gruppen ihren Verein auch in anderen Sportarten aktiv unterstützen, denn natürlich haben die Fans auch ein Privatleben und können nicht rund um die Uhr bei ihrem Verein sein. Im Fußball wird der eigene Vereine grundsätzlich bei jedem Spiel aktiv unterstützt, in den anderen Sportarten in der Regel nur dann, wenn es ein aus sportlicher Sicht relevantes Spiel ist oder es sich um ein Derby handelt. Entschließt sich die Gruppe, das zu machen, gibt es normalerweise einen Aufruf über social media. Man sollte also immer die Instagram- und vor allem Facebook-Seiten der Gruppen im Auge behalten. Von Gate 13 kam ein solcher Aufruf heute nicht, womit klar ist, dass sich in Kifisia nichts abspielen wird. Dennoch ist Polizei anwesend und auch ein paar vereinzelte PAO-Fans, wobei mir das Leute zu sein scheinen, die sich einfach jedes Volleyball-Spiel von Panathinaikos anschauen. Denn in Griechenland gibt es auch die Konstellation, dass man nicht primär Fan der Fußball-Abteilung eines Vereins ist, sondern einer anderen Sportart. Das trifft insbesondere auf Basketball zu. Man hat in dem Fall aber mindestens Sympathien für die Fußball-Abteilung oder geht sogar ganz aktiv zu den Spielen, wobei die andere Sportart bei Terminüberschneidungen den Vorzug bekommt. Für mich persönlich macht diese sportartenübergreifende Unterstützung eines Vereins einen ganz großen Teil meiner Faszination an Griechenland aus. Ich verstehe in dem Zusammenhang auch nicht, warum man das in Deutschland nicht macht. Es ist doch der gleiche Verein! Doch zurück in die kleine Zirineio-Halle. 1.500 Leute passen rein, drei Seiten sind ausgebaut, rund 300 Zuschauer dürften es heute sein. Catering findet nicht statt, aber glücklicherweise habe ich ein paar Dosen Alfa einstecken. Die paar PAO-Fans stimmen ab und zu mal einen Schlachtgesang an, verhalten sich ansonsten aber ruhig und werden auch nicht von der Polizei abgeschirmt. Für mich ist es das allererste Volleyball-Spiel, das ich live sehe, und so muss ich mich erst einmal mit den genauen Regeln vertraut machen. Ich wusste bis dato wirklich nicht, warum ein Spieler pro Mannschaft ein anderes Trikot trägt und welche Sonderrechte dieser Spieler hat. Man lernt nie aus. Zu Fuß geht es anschließend zurück zur Metro und wieder zum Omonia-Platz, wo ich mir noch ein Feierabend-Bierchen auf meinem Hotel-Balkon gönne.























