Deutschland, Testspiel
Mittwoch, 7. Februar 2024, 19.15 Uhr
Gelsenkirchen, Fürstenbergstadion – Platz 2
Kaum aus Griechenland zurückgekehrt, geht es schnurstracks wieder hinein ins Ruhrgebiet. Wie schon so oft gesagt: Es gibt nichts Schöneres, als sich nach Feierabend mit einem Bierchen in den Zug zu setzen, um Fußball im Pott zu schauen, im Idealfall auf Asche. Und genau dieser Idealfall tritt heute ein. Zielobjekt ist der Nebenplatz des Gelsenkirchener Fürstenbergstadions. Groundenkirchen ist für mich das unangefochtene Stadion-Mekka in Deutschland, insbesondere in Anbetracht der vergleichsweise niedrigen Einwohnerzahl von 270.000. Hier sind selbst die Nebenplätze geiler als anderswo die Hauptplätze – und das gilt zweifelsohne für das Fürstenbergstadion. Das Stadion selbst ist eigentlich eine Fehlplanung. Es wurde 1956 massiv ausgebaut, als der STV Horst-Emscher zeitweilig vor dem FC Schalke stand. Die Stadt Gelsenkirchen ging offenbar von einer Art Wachablösung aus und setzte den sogenannten Emscherhusaren ein achtbares Stadion vor die Nase. Das erlebte nur ein Jahr später mit rund 30.000 seinen Zuschauerrekord im Stadtderby gegen den FC Schalke, obwohl eigentlich nur gut 23.000 Zuschauer reinpassten. Der Höhenflug des STV Horst-Emscher endete sehr schnell, der FC Schalke eroberte die Gelsenkirchener Krone zurück und ohnehin schlossen sich die Emscherhusaren 1973 mit Eintracht Gelsenkirchen zusammen und zogen ins Südstadion der Eintracht, das ebenfalls eine absolute Perle ist. Ironie der Geschichte: Obwohl das Fürstenbergstadion gebaut wurde, um den FC Schalke als Nr.1 abzulösen, nutzte es die zweite Mannschaft des FC Schalke von 2006 bis 2008 als Heimspielstätte. Der STV Horst-Emscher löste sich dagegen nach finanziellen Problemen im Jahr 2007 auf. Inzwischen ist der BV Horst-Süd im Fürstenbergstadion beheimatet. Kurios: Per ÖPNV erreicht man die von mir bereits besuchte Bude nicht mit der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahn, sondern mit der Essener. Man steigt also nicht am Gelsenkirchener, sondern am Essener Hauptbahnhof aus dem Zug. Hach, das Ruhrgebiet. Vier Stufen umgeben den Nebenplatz des Fürstenbergstadions auf allen vier Seiten, wobei ich nicht meine Hand dafür ins Feuer legen würde, dass es wirklich vier Stufen sind, denn diese sind schon so sehr verschoben und mitunter zugewachsen, dass sich das gar nicht ganz genau erkennen lässt. Prachtstück! Viel los ist gegen die vierte Mannschaft von Schwarz-Blau Gladbeck nicht, nur eine einstellige Zuschauerzahl ist zugegen, aber so gefällt es mir eigentlich auch am besten, weil man alles in Ruhe und ungestört erkunden kann. Dass heute der Zug zurück nach Bielefeld mal ausnahmsweise einigermaßen pünktlich fährt, ist ein weiteres Geschenk dieses Tages.
























