Deutschland, Regionalliga Nord (4.Liga)
Sonntag, 18. Februar 2024, 14 Uhr
Bremen, Stadion Panzenberg
Deutlich spektakulärer wird es dann im Anschluss, denn es geht um sagenumwobenen Bremer SV. Vorab bleibt noch etwas Zeit, in der sehr hanseatischen Bremer Innenstadt mit der ja wirklich sehr kleinen Statue der Bremer Stadtmusikanten vorbeizuschauen. Gerade weil das für mich als Süddeutschen architektonisch etwas vollkommen anderes ist, ist das für mich ein sehr spannender Rundgang. Pünktlich tauche ich am Stadion Panzenberg des „FC Sankt Pauli von Bremen“ auf – und das gilt für den Bremer SV sowohl in positiver als auch negativer Hinsicht. Seine sportlich erfolgreichste Zeit waren die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis 1955 spielte der BSV in der damals erstklassigen Oberliga Nord und stand dort zeitweise vor dem SV Werder. Beste Platzierung war Rang 5 in der Saison 1948/49 hinter dem Hamburger SV, FC Sankt Pauli, VfL Osnabrück und Eintracht Braunschweig, was jedoch nicht zur Teilnahme an der Endrunde um die deutsche Meisterschaft reichte. Anschließend war der BSV nur noch in den oberen Amateurspielklassen unterwegs und nennt sich heute „Bremer Rekordmeister“, weil er 15x als Tabellenführer der jeweils obersten Bremer Liga abschloss. Im Laufe der Zeit wurde er zu einem Kultverein und zog allerhand alternative und politisch links stehende Leute aus ganz Bremen und dem Umland an, sehr vergleichbar mit der Entwicklung des FC Sankt Pauli in Hamburg, wenngleich eine ganze Nummer kleiner. Und genau wie der FC Sankt Pauli betreibt der BSV inzwischen ein Branding und hat sich eine PR-Agentur mit ins Boot geholt, die unter anderem das ganze Stadion mit flotten Sprüchen wie „Meine Liebe liegt unter der Hochstraße rechts“, „Bier.Wurst. Panzenberg.“ oder „fußball wird bei uns großgeschrieben“ zugepflastert hat. Gefällt mir wirklich überhaupt nicht, wenn so etwas von einer PR-Agentur gesteuert wird und somit „von oben“ kommt. Einfach zu viel des Guten. Andererseits sieht man im ganzen Stadion aber auch unglaublich kreative Aufklebermotive aus der Fanszene selbst, die mir wiederum sehr gut gefallen. Ich weiß am Ende nicht wirklich, wie ich das alles finden soll. Das Preisniveau ist jedenfalls sehr hoch, für ein nur mittelgroßes Bier (0,4 Liter) werden 4,50 Euro aufgerufen, für den Aperol Spritz 7 Euro. Das passt dann irgendwie nicht so gut zum alternativen Image. Ohne Frage richtig geil ist das Stadion an sich mit seiner großen Haupttribüne, der ebenfalls gut ausgebauten Gegengerade und vereinzelten Sitzreihen hinterm Tor. Der Heimblock befindet sich am Rand der Gegengerade, etwa 70 Leute stehen dort heute inklusive einiger ebenfalls sehr kreativen Zaunfahnen. Gästefans vom Hamburger SV sind keine zu erkennen. Am Ende muss ich sagen, dass mein ganz persönliches Pendel eher in die positive Richtung einschlägt. Man darf ja auch nicht vergessen, dass der BSV mal ein ganz normaler Verein war und es aus dieser Zeit noch einige Rentner gibt, die ebenfalls unter den Zuschauern zu finden sind, wodurch ich das hier nicht als reines PR-Ding wahrnehme. Und auch die alternative Fanszene lässt den BSV authentisch wirken. Würde man diesen ganzen PR-Scheiß weglassen und ein bisschen humanere Preise anbieten, wäre ich vermutlich durchweg überzeugt.

















































