Griechenland, A Kategoria Athína – Group 2 (4.Liga)
Sonntag, 4. Februar 2024, 15 Uhr
Vyronas, Gipedo Ergani
So viel sei schon mal verraten: Beim nächsten Spiel geht’s endlich mehr zur Sache. Es geht hinauf nach Vyronas (60.000 Einwohner), das direkt südöstlich an Athen grenzt. Vyronas entstand erst 1922 als Siedlung für griechische Kleinasien-Flüchtlinge. Bis zum Ersten Weltkrieg gab es ja eine große griechische Minderheit in der heutigen Türkei (genauer gesagt in Istanbul, an der Westküste und an der Schwarzmeerküste bis hinüber nach Georgien) und ebenso eine türkische Minderheit in Griechenland. Von 1919 bis 1922 kam es zum Griechisch-Türkischen Krieg, bei dem Griechenland in das durch die Niederlage im Ersten Weltkrieg am Boden liegende Osmanische Reich einmarschierte, um die Gebiete mit griechischer Minderheit zu erobern und so ein Groß-Griechenland zu schaffen. Griechenland unterlag jedoch überraschend den osmanischen Truppen unter Atatürk (geboren in Saloniki und Teil der türkischen Minderheit in Griechenland), der daraufhin die Türkei gründete und ihr erstes Staatsoberhaupt wurde. Folge war, dass eine halbe Million Türken aus Griechenland und eine Million Griechen aus der Türkei vertrieben wurden. Für diese sogenannten kleinasiatischen Flüchtlinge wurden neue Siedlungen und Städte aus dem Boden gestampft. Eine davon war Vyronas. In dieser Zeit wuchs auch allmählich der Großraum Athen zu einem einzigen großen Knäuel zusammen. Die Grenzen zwischen den einzelnen Städten kann man eigentlich nicht mehr erkennen – wäre da nicht König Fußball. Denn in den Städten im Großraum Athen, die es schon vor 1922 gab, ist Panathinaikos der tonangebende Verein oder halt im Süden Olympiakos Piräus. In den neuen Siedlungen hingegen, die oft mit der Silbe „Neo“ beginnen wie etwa Neos Kosmos (Neue Welt), Nea Smyrni (Neu-Izmir) oder Nea Ionia (Neu-Ionien; Ionien ist der antike Begriff der türkischen Westküste), sind hingegen klare AEK-Gebiete. AEK stammt ja eigentlich aus Istanbul (griechisch: Konstantinopel) und kam zusammen mit den kleinasiatischen Flüchtlingen nach Griechenland, wo der Verein neu gegründet wurde. Genauso verhält es sich mit PAOK in Saloniki. Das K steht bei beiden Vereinen für Konstantinopel. Und so erkennt man im Großraum Athen mit einem bloßen Blick auf die Hauswände, ob man sich in einer Stadt befindet, die es schon vor 1922 gab oder nicht. Sind die Schmierereien gelb, handelt es sich um eine ursprüngliche Flüchtlingssiedlung, in der man nach wie vor AEK die Treue hält. Übrigens ist auch Panionios aus Nea Smyrni ein Flüchtlingsverein. Er wurde eigentlich in Ionien gegründet, genauer gesagt in Izmir (griechisch: Smyrna), und kam ebenfalls mit griechischen Kleinasien-Flüchtlingen in den Großraum Athen. Panionios würde ich als klare Nummer 4 hinter OSFP, PAO und AEK bezeichnen. Steigt man jedoch in Vyronas aus dem Bus, sieht man nur vereinzelt gelbe AEK-Schmierereien, sondern hauptsächlich blaue. Diese Formel lässt sich nämlich dann nicht anwenden, wenn die jeweilige Stadt einen eigenen Verein mit starker Szene hat – und das gilt für Vyronas zweifelsohne. Doxa Vyronas spielte in den vergangenen Jahrzehnten immer mal wieder in der 2.Liga, so dass es hier mit der 1991 gegründeten Blue Army Gate 2 eine recht starke und politisch weit links stehende Gruppe gibt. Letzteres ist in Griechenland ja nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Auch so eine Sache, durch die sich die Fankultur in diesem Land grundlegend vom restlichen Europa unterscheidet. Für mich geht es von Ilioupoli zunächst mit der Metro weiter, was in Athen bei den beiden für die Olympischen Spiele 2004 neu gebauten Linien 2 und 3 immer wieder ein Hochgenuss ist, schließlich musste man für deren Bau in die Erde gehen und wenn man das an einem historisch derart reichhaltigen Ort macht, findet man allerlei Schätze aus der Vergangenheit. Die werden an den jeweiligen Metro-Stationen ausgestellt, die dadurch auch immer kleine antike Museen sind. Hach, was liebe ich Athen! In Vyronas ist sogar noch Zeit für einen Souvlaki-Teller und damit macht man gerade außerhalb der Touri-Zonen nie etwas falsch. Normalerweise spielt Doxa Vyronas im städtischen Stadion von Vyronas, aktuell jedoch aus mit nicht bekannten Gründen im Gipedo Ergani. Beide Stadien ähneln sich optisch ein wenig, denn sie liegen an einem Hang und hinter ihnen zieht sich eine Felswand empor. Beeindruckend, aber auch das sieht man im Großraum Athen ja häufiger. Im Umfeld haben die Doxa-Fans nahezu jeden Stein bemalt, das ist selbst für griechische Verhältnisse krass. Die Blue Army steht heute mit etwa 40 Mann parat und liefert das volle griechische Programm inklusive reichlich Pyro und Gepöbel. Bis jetzt hatte ich an diesem Wochenende ja ein bisschen Pech, aber das macht wirklich alles vergessen. Mitwippen über die vollen 90 Minuten, malaka!















































