Spanien, Primera Division (1.Liga)
Samstag, 24. Februar 2024, 16.15 Uhr
Barcelona, Estadi Olímpic Lluís Companys
Ja, und dann kommt das Spiel an diesem Wochenende, wegen dem ich diesen ganzen Barcelona-Trip mache, auf das ich aber auch am wenigsten Lust habe. FC Barcelona – das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was ich beim Fußball sehen will. Überrascht bin ich zunächst einmal, im Vorfeld relativ easy an Karten gekommen zu sein. Im Nou Camp ist das wohl inzwischen nicht mehr so, bei den Spielen im Olympiastadion aber schon. Total seltsam. Es zwar ein anderes Stadion, aber immer noch die gleiche Stadt. Warum herrscht so wenig Interesse an Spielen in Olympiastadion? Die Antwort ist natürlich klar: Der FC Barcelona ist schon lange kein wirklicher Verein mehr, sondern eine Touristenattraktion. Und in die Wiener Oper geht man ja auch nicht, wenn diese gerade umgebaut wird und die Aufführungen in irgendeiner Turnhalle stattfinden. Das Olympiastadion ist für die eigene Insta-Story nun mal wesentlich unattraktiver als das Camp Nou. Dennoch gibt es nach wie vor reichlich Touristen, die auch zu FCB-Heimspielen ins Olympiastadion gehen. Tatsächlich habe ich wirklich Mühe, mal auf einen Spanier zu treffen. Zum Ticketprozedere: Man kann sich online für das Olympiastadion nur eine Preiskategorie auswählen, nicht aber einen exakten Block oder schon gar einen speziellen Platz. 48 Stunden vor Anpfiff wird einem dieser zugeteilt und erst dann kann man das Ticket herunterladen. Das macht die ganze Sache noch unsympathischer, weil ich gerne einen guten Blick auf den Gästeblock haben möchte, allerdings wird das Olympiastadion ohnehin nicht ausverkauft sein, es lässt durch seine Bauweise ziemliche Bewegungsfreiheit zu und außerdem wird Getafe jetzt auch keinen Monstermob mitbringen. Das nach dem katalanischen Politiker Lluís Companys benannte Olympiastadion liegt auf dem Berg Montjuïc innerhalb von Barcelona. Auf ihm fand 1929 die Weltausstellung statt, für die das Stadion gebaut wurde. Für die Olympischen Spiele 1992 wurde es zum Olympiastadion, ebenso befindet sich auf dem Montjuïc eine Formel-1-Strecke, auf der zwischen 1969 und 1975 Rennen ausgetragen wurde. Im Prinzip ist der Berg also ein großes Sport- und Veranstaltungsgelände. Das Olympiastadion erreicht man am besten vom Plaza de España aus, an dem auch die ehemalige Stierkampfarena von Barcelona steht, die seit 2011 ein Einkaufszentrum ist. Von dort sind es etwa 30 Minuten Fußmarsch bis hinauf zum Stadion, allerdings bietet der FC Barcelona derzeit auch kostenlose Shuttle-Busse ab dem Plaza de España an. Oben erwartet einen dann die volle Dröhnung moderner Fußball. Unzählige Kamera-Teams, die irgendwelche Asiaten oder Amerikaner fragen, warum sie so beinharte Fans des FC Barcelona sind. Unzählige Stände, an denen man sich seinen Namen auf Spieltagsschals drucken lassen kann. Unzählige Insta-Weiber, die in ihrem nagelneuen 120-Euro-Trikot für ein Selfie posieren. Und mittendrin ich, der einfach nur kotzen möchte. Fickt! Euch! Alle! Im Stadion wird es allerdings noch ekelhafter. Natürlich herrscht hier Alkoholverbot, so dass man sich diesen ganzen Wahnsinn nicht mal schöntrinken kann. Dafür gibt es Popcorn zu völlig absurden Preisen. Und das alles in diesem eigentlich so wunderschönen Stadion. Richtig krasser Kontrast. Richtig bitter ist der Blick auf den Heimblock: ein ganz schmaler Mittelblock hinterm Tor, der fast untergeht. In ihm spielt sich allerdings ohnehin nichts ab, was in irgendeiner Weise mit ernstzunehmender Fankultur zu tun hat. Dabei hatte der FC Barcelona mit den 1981 gegründeten Boixos Nois (Verrückte Jungs) ja mal eine richtig starke Ultras-Gruppe. Die hat allerdings nicht der moderne Fußball verdrängt, sondern die noch ganz in der Tradition der nie aufgearbeiteten Franco-Diktatur stehenden Polizei, die ja in Spanien ein absoluter Sonderfall ist und maßgeblich Schuld daran trägt, warum es allgemein so wenig Fankultur in den Stadien gibt. Ganz konkret wurden die Boixos Nois nach mehreren Zwischenfällen 2003 von Joan Laporta kurz nach seiner Wahl zum spanischen Ministerpräsidenten verboten. Das ist in Spanien ähnlich rigoros möglich wie in Frankreich. Seitdem gibt es beim FC Barcelona keine Fankultur mehr – und seitdem ist das auch ein völlig uninteressanter Verein, selbst wenn das ein Großteil der Weltbevölkerung vollkommen anders sieht. Bleibt noch der Blick in den Gästeblock, aber auch der sorgt durchweg für Enttäuschung. Keine einzige Zaunfahne, niemand steht, kein Support. Was für eine absurde Veranstaltung hier! Ich bin nicht traurig, als der Schiedsrichter zum Abpfiff bläst. Mit dem zugegeben gut organisierten Shuttle-Bus-Verkehr geht’s eilig zurück zum Plaza de España und nach einer kurzen Runde durch die ehemalige Stierkampfarena, die nun wie gesagt ein modernes Einkaufszentrum ist, weiter zum vierten und letzten Spiel des Tages, das mich dann schon wieder deutlich mehr abholt.






































