Örebro SK - Allmänna Idrottsklubben 2:1

Schweden, Allsvenskan (1. Liga) 
Karfreitag, 19. April 2019, 16 Uhr 
Örebro, Eyravallen 


Es scheint so, als hätte in dieser Saison ich höchstpersönlich den Spielplan der Allsvenskan gemacht, denn an diesem verlängerten Oster-Wochenende läuft wirklich alles nach meinem gusto. Ich kann sogar die selbst auferlegte Maßgabe weiter erfüllen, alle schwedischen Erstliga-Stadien nur mit AIK, Djurgården, Hammarby, Malmö oder IFK Göteborg zu machen. Diese fünf Szenen sind einfach viel zu gut, als dass man Spielbesuche mit anderen Mannschaften vergeuden sollte. Ewig lässt sich das zwar nicht durchziehen, aber noch klappt es. Und warum das so eine gute Idee ist, demonstriert auch der AIK-Anhang heute wieder sehr eindrucksvoll, dem nicht nur eine gesamte Hintertortribüne zur Verfügung gestellt wurde, sondern obendrauf ein Teil der Gegengeraden. Richtig ordentlicher Haufen, auch wenn die Entfernung von Stockholm nach Örebro mit nur 200 Kilometern ein Klacks für schwedische Verhältnisse ist. Dass ein paar Gästefans mit einer Stretchlimousine angereist sind, die vor dem Stadion wie selbstverständlich zwischen den normalen Gästebussen parkt, ist dann schon wieder so richtig herrlich durchgeknallt schwedisch. Und dass schon eine halbe Stunde vor Anpfiff ein paar Jungs mit Sturmhaube auf dem Zaun sitzen und in aller Seelenruhe mit Fackeln in der Hand jonglieren, lässt ebenso die Vorfreude steigen. Wenig überraschend steigt dann auch massiv Rauch in den Farben schwarz und gelb auf, als die Mannschaften das Kunstgras betreten. Die Heimszene, für die die Spiele gegen die drei großen Stockholmer Vereine natürlich immer ein Highlight darstellen, zaubert heute ebenfalls etwas aus dem Hut, nämlich ein paar Folienfähnchen in den Vereinsfarben schwarz und weiß. Joa, sieht ganz nett aus, die Aktion schließt aber nicht mal die gesamte Hintertortribüne mit ein. Und das ist sinnbildlich für die folgenden 90 Minuten: Die Ultras Nikolai von Örebro sind bemüht, schaffen es aber nicht (und wollen es vielleicht auch nicht), die breite Masse einzubinden. Akustisch hat man so gegen den stimmgewaltigen AIK-Anhang keine Chance. Der steuert per Spruchband noch seinen ganz eigenen Beitrag zum heutigen Karfreitag bei („Jesus = Naturgras, Judas = Plastgras“), was einerseits fast schon so grenzwertig ist wie die "AIK über alles"-Fahne, andererseits aber auch gut aufzeigt, dass die schwedischen Ultras scheinbar kleine Probleme haben. Wenn in einem Land, durch das der Polarkreis geht, Kunstrasen eine ernsthafte Sorge ist, liegt die Messlatte echt tief. Allerdings haben die schwedischen Ultras auch ernsthafte Probleme, insbesondere mit dem nationalen Fußballverband, wie eine gemeinsame Spruchband-Aktion der AIK- und Örebro-Ultras zeigt. Nach dem Spiel geht es schnellen Schrittes vom kleinen, sympathischen Stadion zurück zum kleinen, sympathischen Bahnhof, denn heute müssen noch ein paar Kilometer gemacht werden. Ziel ist die frühere Wikingerhochburg und ehemalige Hauptstadt Uppsala, in der für die kommenden zwei Nächte Quartier bezogen wird.