Italien, Coppa Italia Eccellenza – Marche (1.Runde)
Mittwoch, 20. September 2023, 15.30 Uhr
Macerata, Stadio Helvia Recina
Richtig starke Woche in Italien, in der man wirklich jeden Tag eine reichhaltige Fußball-Speisekarte vor sich hat. Ich bleibe weiter in der Marche, in der in diesen Tagen auch die erste Runde des lokalen Pokals der Eccellenza (5.Liga) über die Bühne geht. Italien hat ja ein völlig eigenes, leicht irres Pokal-System, das an die Ligen gekoppelt ist. Die Serie A und Serie B (plus vier Mannschaften aus der Serie C) haben mit dem (großen) Coppa Italia einen eigenen Wettbewerb, gleiches Prinzip gilt für die jeweiligen Ligen darunter. Der jeweilige Pokalsieger kann dann auch in der Liga aufsteigen, was in der Form einmalig ist in Europa. Und natürlich wird der ganze Spuk auch noch per Hin- und Rückspiel ausgetragen. In Macerata (40.000 Einwohner) steht heute das Hinspiel der ersten Runde des Eccellenza-Pokals an und in der hat man den Erzfeind aus Civitanova Marche gezogen – bekannt durch die Freundschaft zur Schickeria von Bayern München. Dass es sich um ein Derby handelt, merkt man spätestens, wenn man mit dem Zug nach Macerata fährt, denn die leicht im Hinterland gelegene Provinzhauptstadt ist lediglich per Umstieg im ebenfalls zur Provinz Macerata gehörenden Hafenstadt Civitanova Marche zu erreichen. Dass das Spiel heute absichtlich auf 15.30 Uhr vorgezogen wurde, obwohl Flutlicht vorhanden ist, aber möglichst wenig Gästefans anreisen sollen, veranschaulicht das angespannte Verhältnis zwischen beiden Vereinen. Bei Civitanovese entschließt man sich daher, das Derby zu boykottieren. Mich erwartet in Macerata dagegen mal wieder eine absolut sehenswerte Altstadt, die auf einem Hügel liegt. Geht gut in die Beine. Ein ganzes Stück außerhalb der Altstadt steht das Stadio Helvia Recina. Tickets werden ausschließlich in einer nahegelegenen Bar verkauft, die auch Treffpunkt der Ultras aus der lokalen Curva Just ist, so dass hier auch gerne noch ein Gläschen Veneziano eingenommen wird. Schön auch, dass das Stadion mal nicht italienischer Einheitsbrei ist. Die leicht geschwungene Haupttribüne mit ihren alten Holzbänken könnte sogar irgendwo im Ruhrpott stehen. Das gilt allerdings explizit nicht für die sich in ihrem Bauch befindende holzvertäfelte Bar, in der es neben frisch gezapften Bier auch Borghetti gibt. Während über dem Stadion fortlaufend ein Polizei-Hubschrauber kreist, trifft die heimische Ultras-Szene, die sich schlicht hinter einer „Curva Just“-Fahne versammelt, erst ein als die Mannschaften schon auf dem Platz stehen. Am Rand der baufällig wirkenden Gegengerade gibt’s von den etwa 250 Leuten (sehr viel junges Publikum dabei) fortlaufend guten Support und natürlich nach den beiden Toren ordentlich Gepöbel in Richtung Gästeblock, auch wenn der praktisch leer ist. Es hängt lediglich ein Spruchband mit der Aufschrift „Esserci e un dirrito, lavorare e un doveri“ („Da sein ist ein Recht, Arbeiten eine Pflicht“), womit gegen die frühe Anstoßzeit protestiert wird. Für mich geht’s nach dem Spiel wieder runter nach Civitanova Marche und via Ancona mit dem Nachtzug in Richtung meines eigentlichen Ziels: Sizilien.






























































