FC Crotone – SS Audace Cerignola 1:1

Italien, Serie C – Girone C (3.Liga)
Donnerstag, 21. September 2023, 20.45 Uhr
Crotone, Stadio Ezio Scida

Intercity Notte – für mich der Inbegriff von Groundhopping in Italien. Riesige Distanzen über Nacht in alten Zügen zum schmalen Preis überwinden. Von Macerata geht es für mich zunächst über Civitanova Marche zum Eisenbahn- und Fähren-Knotenpunkt Ancona. Schon interessant, wie in den Restaurants rund um den dortigen Bahnhof neben fast jedem Tisch ein Koffer steht – weil jeder nur auf der Durchreise ist. Ich habe dagegen mein ganz eigenes Problem in einem der Restaurants, denn in meinem Salat steckt ein Käfer. Als ich den entdecke, gebe ich den Salat zurück, aber er taucht trotzdem auf der Rechnung auf. Weil ich ja davon schon gegessen habe. Nach einer Beschwerde rudert die Kellnerin zunächst zurück und rechnet dann ernsthaft aus, wie viel Prozent von dem Salat ich schon gegessen habe. Dieser Prozentsatz wird dann vom Salat-Preis abgezogen. Italien. Mich spuckt der Zug am nächsten Mittag im kalabrischen Crotone (60.000 Einwohner) am Ionischen Meer aus. Da für die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz keine Buchstabenkombination mehr frei war, benutzt sie das Kürzel KR – eine Referenz an Kroton, den antiken Namen der Stadt. Ein in Italien einmaliger Sonderfall. Da ich morgen in aller Herrgottsfrühe mit dem Zug nach Sizilien weiterfahre, habe ich mir eine Unterkunft gleich am Bahnhof genommen. Keine schöne Gegend, die günstigste Unterkunft der gesamten Tour und auch ein unfassbares Loch! Ich bin ja echt nicht anspruchsvoll, aber die Bude geht wirklich nur für eine Nacht. Crotone schreckt mich zunächst also etwas ab, aber ich werde schnell eines Besseren belehrt, als ich in die Altstadt gehe. Auch alles eher heruntergekommen, zumindest längst nicht so gut in Schuss wie etwa gestern in Macerata, aber durchaus authentisch und stellenweise sogar richtig pittoresk. Richtig sehenswert ist Crotone an seinem vor der Altstadt gelegenen Stadtstrand, wo durchaus Urlaubsfeeling aufkommt. Eine Stadt mit vielen verschiedenen Gesichtern. Total versagt Crotone allerdings bei seinem Stadio Ezio Scida. Stahlrohr ist bei italienischen Stadien ja leider oft ein Basiselement, aber hier wird dem Fass wirklich der Boden ausgeschlagen. Was für ein Ungetüm! Viel los ist nicht beim heutigen Donnerstagabendspiel der Serie C, aber immerhin ist die heimische Curva Sud einigermaßen gut gefüllt. Die Mitmachquote ist nicht allzu dolle, dennoch wird feiner süditalienischer Support geboten. Durchaus in Ordnung, wenngleich kein Kandidat für meine persönliche Top 10. Zu Gast ist Audace Cerignola, wo ich ja am Montag war. Zwei Spiele in einer Woche, keines davon am Wochenende – herzlichen Dank. Der Gästeblock füllt sich erst im Lauf der ersten Halbzeit, schlussendlich sind etwa 40 Ultras aus Apulien da, die insbesondere optisch einen guten Eindruck machen.