FC Rottenburg U17 – SG Schönbuch United U17 3:1

Deutschland, B-Junioren-Bezirkspokal Alb (2.Runde)
Donnerstag, 28. September 2023, 19 Uhr
Rottenburg am Neckar, Hohenbergstadion – Platz 2

Mein mittlerweile dritter Anlauf, den Nebenplatz des Rottenburger Hohenbergstadions zu machen – und heute klappt es endlich. Obwohl der inzwischen einen eigenen Sponsorennamen hat, gibt es über ihn nicht viel zu sagen, denn er verfügt über keinerlei Ausbau. Hier geht’s allein um die Anlagenkomplettierung. Im B-Junioren-Bezirkspokal ist heute die SG Schönbuch United zu Gast, die aber gegen den heimischen FC Rottenburg recht blass aussieht. Nach Abpfiff geht es für mich noch hinein in die Altstadt von Rottenburg (45.000 Einwohner), das sozusagen der Vatikan von Württemberg ist. Denn: Während Württemberg ansonsten sehr zentralistisch aufgebaut ist und alles seinen Sitz in Stuttgart hat, schert einzig die katholische Kirche aus. Das Bistum von Württemberg hat seinen Sitz nämlich nicht in Stuttgart, sondern in Rottenburg. Warum ist das so? Bis zum Einmarsch der napoleonischen Truppen vor gut 200 Jahren im heutigen Deutschland reichte Württemberg (das sogenannte Alt-Württemberg) im Süden nur bis zu einer gedachten Linie von Freudenstadt über Tübingen und Reutlingen bis Ulm, wobei Ulm an sich als Freie Reichsstadt quasi ein eigener Stadtstaat war. Alt-Württemberg umfasste also etwa die nördliche Hälfte des heutigen Württembergs. Da Württemberg genau wie die anderen süddeutschen Staaten an der Seite Napoleons gegen den preußisch geprägten Norden kämpfte (worauf die bis heute bestehenden Ressentiments zwischen Nord- und Süddeutschen beruhen), wurde es natürlich reich beschenkt und erhielt zwischen 1803 und 1810 Stück für Stück das bis dahin zu Österreich gehörende Gebiet bis hinunter an den Bodensee (das sogenannte Neu-Württemberg). Aus diesem Grund befindet sich heute auch die rot-weiß-rote Flagge Österreichs im Wappen von Baden-Württemberg. Kulturell eine enorme Veränderung, denn Alt-Württemberg ist evangelisch und Neu-Württemberg katholisch. Das ist bis heute so und nach wie vor verläuft die inner-württembergische Konfessionsgrenze entlang dieser Freudenstadt-Tübingen-Reutlingen-Ulm-Linie. Am deutlichsten sieht man das an der Fassnacht, die südlich dieser Linie im katholischen Württemberg sehr exzessiv und nördlich davon im evangelischen Württemberg kaum gefeiert wird. Für das württembergische Königreich bedeutete das damals, quasi über Nacht plötzlich eine halbe Million katholische Bürger bekommen zu haben. Die gehörten bis dahin zu den badischen Bistümern Konstanz und Freiburg, aber natürlich wollte das Königshaus diese badische Einflussnahme auf württembergischen Boden nicht akzeptieren. Also musste ein eignes katholisches Bistum für Württemberg her. Doch wo sollte das hin? Ins erz-evangelische Stuttgart ganz sicher nicht. Und da die württembergischen Priester an der traditionsreichen Universität von Tübingen ausgebildet wurden, das eben genau an der Grenze zwischen Alt- und Neu-Württemberg liegt, entschloss man sich, die nächstgelegene neu-württembergische Stadt zum Sitz des Bistums zu machen – und das ist Rottenburg. Und so ist dieses Rottenburg, das eigentlich nie eine außergewöhnliche Rolle in der Geschichte gespielt hat, 1821 ebenso über Nacht plötzlich zum religiösen Zentrum Württembergs geworden. Die nicht sonderlich prunkvolle Pfarrkirche St. Martin in der kleinen Rottenburger Altstadt wurde noch 1821 zum Dom von Württemberg erhoben, was seitdem immer wieder für Diskussionen sorgt, eben weil sie als nicht würdig genug empfunden wird, ein solcher zu sein. Deutschlands mit Abstand mickrigster Dom ist nämlich eigentlich nur eine einfache Dorfkirche. Neubaupläne gibt es seit 200 Jahren immer wieder, keiner davon wurde aber jemals umgesetzt. Während der Dom also recht popelig ist, gilt das für die restlichen kirchlichen Gebäude in der Rottenburger Altstadt nicht unbedingt. Und da sich eben dieser ganze katholische Apparat Württembergs in Rottenburg befindet (auch wenn ein Teil inzwischen dann doch nach Stuttgart ausgelagert wurde), der viel Platz braucht, nimmt die katholische Kirche einen überproportional großen Anteil im Rottenburger Stadtbild ein. Das kann man sich durchaus mal anschauen, eben weil es eine Kuriosität in Deutschland ist.