SG Scheidegg/Weiler U19 – SG Herlazhofen/Friesenhofen U19 1:5

Deutschland, A-Junioren-Qualistaffel Bodensee – Staffel 2
Samstag, 30. September 2023, 12.30 Uhr
Scheidegg, Kurparkstadion

Weiler im Allgäu (Landkreis Lindau) ist sozusagen das Wladiwostok des württembergischen Fußballs – direkt an der Grenze zu Österreich gelegen. Man fragt sich, wie das sein kann, denn Württemberg grenzt doch gar nicht an Österreich. Das hat historische Gründe, denn nach dem Zweiten Weltkrieg wurde nicht nur Deutschland, sondern auch Österreich in vier Besatzungszonen aufgeteilt. In Deutschland wurden der Süden von Rheinland-Pfalz sowie die damals noch existierenden Bundesländer Württemberg-Hohenzollern und Baden (also die südliche Hälfte des heutigen Baden-Württemberg) französiche Zone, ebenso in Österreich die beiden Bundesländer Vorarlberg und Tirol. Eigentlich ein grenzüberschreitend zusammenhängendes französisches Gebiet – wäre da nicht der Landkreis Lindau, der zu Bayern und damit zur amerikanischen Zone gehört hat. Ein ganz schmaler Keil am Bodensee, der die französische Zone in Deutschland und Österreich voneinander trennte. Die beiden Siegermächte gingen damit aber pragmatisch um und so wurde der Landkreis Lindau kurzerhand Württemberg-Hohenzollern zugeschlagen. Als sich der Fußballverband Württemberg-Hohenzollern gründete, der sich 1951 mit dem Fußballverband Nordwürttemberg zum Württembergischen Fußballverband zusammenschloss (die badische Einigung lässt bis heute auf sich warten), gehörten auch alle Vereine aus dem Landkreis Lindau zu Württemberg, also zunächst zum FVWH, dann aber 1951 zum geeinten WFV. 1955 zogen die Alliierten aus Österreich ab, da dieses sich als neutral erklärte, weshalb es ja bis heute kein NATO-Mitglied ist und erst 1995 nach dem Zusammenbruch des Ostblocks der EU beitrat. Der Landkreis Lindau hatte für die Franzosen somit keine Brückenfunktion mehr und wurde an Bayern zurückgegeben. Die Vereine blieben jedoch bei Württemberg und somit gibt es heute zwei bayrische Landkreise, die vollständig zum WFV gehören: Neu-Ulm, weil man dort generell voll auf das württembergische Ulm ausgerichtet ist, und Lindau. Die weit ab vom Schuss gelegenen Lindauer Vereine sind für die übrigen württembergischen Verbandsligisten immer ein kleiner Horror. Landschaftlich traumhaft, aber halt irrsinnig weite Fahrten. Und so fehlt auch mir der FV Rot-Weiß Weiler bisweilen in meiner Sammlung. Das ändert sich heute allerdings und wenn man schon so weit fährt, dann nimmt man gleich drei Spiele im Landkreis Lindau mit. Los geht’s nach wunderschöner Autofahrt entlang des Bodensees bei der Jugend des FV Rot-Weiß Weiler, der in einer Spielgemeinschaft mit dem FC Scheidegg spielt. Und das nicht in Weiler, sondern in Scheidegg, was mir natürlich sehr zugute kommt. Das dortige Kurparkstadion ist zwar ohne Ausbau, aber das kleine Vereinsheim im Chalet-Stil, der Blick auf die Allgäuer Landschaft und manch ein Lederhose tragender Zuschauer lässt viel alpines Flair aufkommen.