Italien, Serie C – Girone C (3.Liga)
Montag, 18. September 2023, 20.45 Uhr
Cerignola, Stadio Domenico Monterisi
Ich weiß nicht, was am Zagreber Flughafen (benannt nach Franjo Tudjman, der erst Tito-Partizan war, dann als erster Staatspräsident Kroatien 1991 in die Unabhängig und in den Kroatien- und den Bosnien-Krieg führte; außerhalb von Kroatien ist er nicht unumstritten) krasser ist. Dass hier im tiefsten Dinamo-Land Supermarkt-Werbung mit dem Wappen von Hajduk Split hängt oder doch eher, dass es einen Ryanair-Flug von Zagreb nach Brindisi gibt? Wer nutzt diese Verbindung? Die Antwort hatte ich mir schon aufgrund der günstigen Tarife gedacht, denn ich konnte problemlos ein Flugticket für 12,99 Euro ergattern. Und spätestens beim Blick auf die vielen leeren Sitze ist klar: Sonderlich stark gefragt ist diese Verbindung nicht – selbst jetzt im Spätsommer nicht. In meinen persönlichen Reiseplan passt die kuriose Verbindung aber hervorragend, denn in Italien steht eine englische Woche an. Jeden Tag Fußball in den kommenden acht Tagen! Bevor es Schritt für Schritt nach Sizilien geht, mache ich aber noch ein paar Schritte in Richtung Norden. Von Brindisi bringt mich der Zug via Bari (inklusive Pizza-Pause) zunächst nach Cerignola. Die Stadt mit ihren knapp 60.000 Einwohnern in der apulischen Provinz Foggia hatte mir ehrlich gesagt bislang überhaupt nichts gesagt und ich musste erst einmal auf der Landkarte schauen, wo sie sich befindet. Dabei hätte ich nur in Fürth nachfragen müssen, denn das Kleeblatt führt eine offenbar recht intensive Freundschaft zum örtlichen Drittligisten Audace (Wagemut), die mir bislang ebenfalls vollkommen unbekannt war. Aber schon am weit außerhalb der Stadt gelegenen Bahnhof und im zwischen Stadt und Bahnhof verkehrenden (und bei Einheimischen offenbar wenig gefragten) Shuttlebus ist alles voller Fürth-Aufkleber. Gleiches gilt für die etwas heruntergekommene, aber durchaus hübsche Innenstadt, in der die Fürth-Aufkleber für meinen Geschmack etwas zu stadtbildprägend sind. Aber auch da merkt man wieder, wie angesagt dieses ganze Aufkleber-Thema in Deutschland ist – und wie wenig angesagt es in Italien ist. Ich habe das Glück, über booking.com eine wirklich traumhafte Unterkunft gleich in der Nähe des Doms ergattert zu haben. Ein früherer Altstadt-Keller, der zu einem Luxus-Apartment umgebaut wurde. Die teuerste Unterkunft meiner ganzen Tour, aber immer noch im Rahmen. Für die Bude würde man anderswo in Italien deutlich mehr hinblättern müssen. Nach einem wirklich ausgedehnten Stadtspaziergang geht es am Abend zum Stadio Domenico Monterisi, in dem im Montagsspiel der Serie C ein apulisches Duell ansteht, denn zu Gast ist Brindisi. Die Hütte ist italienischer Standard und somit (leider) mal wieder mit viel Stahlrohr gepimpt. Schön ist dafür, dass das Stadion zwar am Rand der Stadt, aber doch relativ zentral steht, so dass einige Wohngebäude direkt hinter den Tribünen hervorragen. Von den dortigen Balkonen und Terrassen schaut auch so mancher Nachbar zu, was mir immer besonders gefällt. Die Heimkurve ist gut gefüllt und spart nicht mit Pyrotechnik. Gleiches gilt für die rund 400 Gäste aus Brindisi. Auch gesanglich vorzüglich, was beide Seiten abliefern. Es reicht ja eigentlich ein Wort: Süditalien. Der ganz große Hass ist es nicht zwischen beiden Parteien, aber man merkt doch deutlich, dass man sich nicht mag. So provoziert mein Sitznachbar fortlaufend mit einem Schal von Brindisis Erzfeind Barletta den Gästeblock. Bier und Borghetti sind ebenfalls zu haben, so dass zumindest bei mir komplette Wohlfühl-Atmosphäre herrscht. Die wird durch den in allen Farben leuchtenden Imbissstand direkt vor dem Stadion verstärkt. Für mich gehören diese Food-Trucks ganz maßgeblich zum italienischen Fußball dazu und so wundert es nicht, dass mir dort nach Abpfiff noch ein Panino und ein Peroni gönne, ehe es zu Fuß wieder in meine Höhle geht.




































































