Spvgg Erkenschwick – TuS Bövinghausen 1:0

Deutschland, Oberliga Westfalen (5.Liga)
Sonntag, 24. März 2024, 15.15 Uhr
Oer-Erkenschwick, Stimbergstadion

Und da ist es gekommen: Mein letztes Spiel nach vier Jahren in Bielefeld – ganz majestätisch im Erkenschwicker Stimbergstadion. Würdiger kann ein Abschied nicht sein. Die Spvgg Erkenschwick pendelt seit dem Jahr 2000 ausschließlich zwischen der Oberliga Westfalen und der Westfalenliga und wird daher gar nicht mehr als Gewicht wahrgenommen, ist aber eine Grande Dame des Ruhrgebiet-Fußballs. Und wie es sich für einen großen Pott-Club gehört, steht natürlich auch die Spvgg Erkenschwick in enger Verbindung zu einer Zeche, in dem Fall der Erkenschwicker Zeche Ewald Fortsetzung, die 1992 den Laden dicht machte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Spielbetrieb in NRW erst 1947 wieder aufgenommen, wobei die Spvgg Erkenschwick gleich im ersten Jahr Teil der damals erstklassigen Oberliga West war – zusammen mit u.a. Borussia Dortmund, Schalke 04, Fortuna Düsseldorf und Alemannia Aachen. Bis 1953 hielten sich die „Himmelsstürmer“, wie die Mannschaft damals genannt wurde, in der Oberliga. Es war die Zeit von Vereinsikone Jule Ludorf, nach dem der Nebenplatz des Stimbergstadions benannt ist, den ich ja erst zu Beginn des Monats besucht hatte. Ludorf war in dieser Zeit auf dem Sprung in die Nationalmannschaft, sagte Bundestrainer Sepp Herberger jedoch ab, zu einem Lehrgang zu kommen, da er am gleichen Tag zu einer Hochzeit ging. Die Eier muss man haben. Ludorf wurde daraufhin nie wieder vom DFB eingeladen. Mit Ausnahme der Saison 1957/58 hielt sich die Spvgg Erkenschwick bis 1962 durchgehend in der 2.Liga, sackte dann kurzzeitig in die drittklassige Verbandsliga ab, kehrte 1969 in die zweitklassige Regionalliga zurück und war 1974 Teil der neugegründeten 2.Bundesliga. Aus der stieg man 1981 letztmalig ab, blieb bis 1999 in der Drittklassigkeit und sackte dann peu à peu ab. Aktuell spielen die Erkenschwicker aber um den Aufstieg in die Regionalliga mit, was für eine gewisse Euphorie sorgt, auch wenn die tatsächlich ein bisschen größer sein könnte. Vom Erkenschwicker Fanblock gibt es heute zu Spielbeginn eine kleine Choreo in Form einer Blockfahne. Stimmung ist in den folgenden 90 Minuten vorhanden, vorne turnt auch ein Megaphon-Mann herum, aber insgesamt doch eher enttäuschend. Man merkt der Fanszene an, dass triste Jahre hinter dem Verein liegen. Ansonsten ist hier aber alles top, das Stadion sowieso, die Currywurst auch und es sind reichlich markige Pott-Typen unterwegs. Ja, fast eine Zeitreise. Das macht eigentlich richtig Lust auf noch mehr Ruhrgebiet – aber dieses Kapitel in meinem Leben schließt sich mit Abpfiff.