Deutschland, Westfalenpokal (Halbfinale)
Samstag, 23. März 2024, 14 Uhr
Bielefeld, Stadion Alm
In drei Tagen werde ich meine Sachen packen und Bielefeld nach vier Jahren wieder verlassen. Das Datum ist nicht ganz zufällig, denn das Halbfinale im Westfalenpokal zwischen Arminia Bielefeld und Preußen Münster will ich noch mitnehmen. Ich hatte ja auch die ersten 13 Jahre meines Lebens größtenteils in Bielefeld verbracht und war in dieser Zeit – also bis einschließlich 1995 – häufig mit meinem Vater auf der Alm, der dort eine Dauerkarte hatte. Und gerade aus dieser Zeit ist mir die Rivalität mit Preußen Münster natürlich bestens bekannt. Heute tauchen auch der VfL Bochum und der VfL Osnabrück auf der Feindesliste weit oben auf, aber damals gab es wirklich nur Preußen Münster und dann lange nichts. Drei Aufeinandertreffen mit dem in Bielefeld nur abschätzig als „Prx“ oder „Telgte-West“ bezeichneten Verein gibt es in dieser Saison – zweimal in der 3.Liga und eben jetzt im Halbfinale des Westfalenpokals. Tickets gibt es diesmal problemlos, denn die Nachfrage ist so niedrig, dass die Haupttribüne nur für ein paar geladene Gäste geöffnet wird und ansonsten leer bleibt. Auch die Nordtribüne neben dem Gästeblock bleibt leer. Die Arminia-Ultras hatten ihren Verein in dieser Saison im Westfalenpokal bislang überhaupt nicht aktiv unterstützt und veröffentlichen vor dem Spiel eine Erklärung, mit der sie mitteilen, von dieser Praxis auch im Halbfinale nicht abzuweichen, selbst wenn der Gegner Preußen Münster heißt. In meinen Augen ist das kompletter Schwachsinn. Zum einen sind Spiele im Westfalenpokal Pflichtspiele, am Ende winkt der DFB-Pokal und da verstehe ich es nicht, warum man da grundsätzlich nicht aktiv ist, also auch in den ersten Runden auf dem Land. Gerade das macht doch Spaß und schweißt eine Szene zusammen, zumal die Dorf-Gegner der Arminia in dieser Saison u.a. ins Herforder Jahnstadion ausgewichen sind und man dort ein richtig schönes Old-School-Feeling gehabt hätte. Zum anderen ist von Anfang klar, dass die Szene von Preußen Münster aktiv sein wird und mit voller Kapelle nach Bielefeld kommt, womit aus dem Heimvorteil ein Auswärtsspiel im eigenen Stadion wird. Ich registriere den ganzen Tag bei Arminia-Fans nur Kopfschütteln über diese seltsame Entscheidung der Ultras, denn wenig überraschend entwickelt sich auf Heimseite abgesehen von ganz vereinzelten „Bielefeld, Bielefeld“-Schlachtrufen während des Spiels keine Stimmung. Das ändert sich erst, als die Arminia in der 83. Minute zum 1:1 ausgleicht und sich in der Folge eine Eigendynamik auf der Alm in Gang setzt. Plötzlich steigt das gesamte Stadion in Pöbelgesänge ein und beim „Wer nicht hüpft, der ist ein Preuße“ springt wirklich jeder. Das Hauptaugenmerk gilt also dem Gästeanhang aus Münster und so schauen wir schon mal zur Mittagszeit am Bielefelder Hauptbahnhof vorbei, wo ein Großaufgebot der Polizei den Bahnhof in zwei Teile teilt. Alles, was irgendwie nach Münster aussieht, wird zum Hinterausgang geschickt und von dort mit Shuttle-Bussen zur Alm gefahren. Sieht alles recht geordnet aus, aber von Arminia-Seite gibt es heute auch in der Hinsicht keine Aktivität. Auf der Alm füllen die Münsteraner vor offiziell 18.173 Zuschauern das Gästekontingent vollständig aus und setzen über die 90 Minuten hinweg das klare Zeichen, hier ein Heimspiel zu haben. Richtig gut, richtig laut. Eigentlich hätte es die Arminia verdient gehabt, für die Fehlentscheidung seiner Ultras, auf den Heimvorteil zu verzichten, bestraft zu werden, aber Preußen Münster kann seine 1:0-Führung nicht ausbauen und so fällt wie gesagt das 1:1 in der 83. Minute. Das Spiel geht schließlich ins Elfmeterschießen, sogar in Richtung Preußen-Block, aber auch daraus können die Münsteraner kein Kapital schlagen und verlieren. Arminia Bielefeld steht damit im Finale des Westfalenspokals gegen den SC Verl, das ebenfalls auf der Alm ausgetragen wird und bei dem die Ultras ebenfalls nicht aktiv sein wollen. Direkt nach dem Elfmeterschießen zeigen sich dann doch noch ein paar vermummte Bielefelder am Pufferblock zum Gästeblock und pöbeln rüber, woraufhin sich auch auf Münsteraner Seite eifrig vermummt und rübergepöbelt wird. Nach kurzer Zeit marschiert die Polizei auf und es ist Ruhe. Am Hauptbahnhof läuft nach dem Spiel wieder alles gesittet ab. Der komplette Bahnsteig ist von vorne bis hinten voll mit Münsteranern, die jedoch ganz ruhig auf ihren Zug warten, obwohl auf dem gegenüberliegenden Gleis einige Arminia-Fans stehen und dazwischen nur das Gleisbett liegt.


































