SK Sturm Graz II – FC Admira Wacker Mödling 1:3

Österreich, 2.Liga (2.Liga)
Sonntag, 31. März 2024, 10.30 Uhr
Gleisdorf, Solarstadion

Gestern die österreichische Regionalliga West komplettiert, heute fällt sogar ein Zweitliga-Ground. Allerdings nur ein temporärer, denn für alle Zeiten wird die zweite Mannschaft von Sturm Graz nicht in Gleisdorf spielen. Das Städtchen (11.500 Einwohner) liegt östlich von Graz, quasi auf halber Strecke in Richtung ungarische Grenze. Ab dem Gleisdorfer Bahnhof gibt es stündliche Zugverbindung hinüber nach Ungarn, weshalb ursprünglich geplant war, die Tour anschließend in Ungarn fortzusetzen. Ein Glück, dass ich das nicht gemacht habe – denn sonst wäre ich in Ungarn im Krankenhaus gelandet und das wäre deutlich unentspannter geworden. In Gleisdorf selbst gibt es überhaupt nichts zu sehen und glücklicherweise liegt das Solarstadion (was für ein Name!) in Bahnhofsnähe. Dort ist heute einer der Zweitligisten mit Fanszene zu Gast, nämlich der FC Admira Wacker Mödling, und der beschwert sich mit Fug und Recht über die Anstoßzeit 10.30 Uhr am Ostersonntag – auch wenn mir die aus Hopper-Sicht natürlich sehr gefällt. Heute wird der FC Admira Wacker Mödling mit diesem verschachtelten Namen ein bisschen belächelt, zumal er einst aus Wien ausgezogen ist und in den Vorort Mödling abgewandert ist, allerdings steckt in ihm Admira Wien und das ist wirklich ein ganz großer Traditionsverein. Achtmal wurde er zwischen 1927 und 1966 österreichscher Meister. Um ein Haar wäre er hinter Rapid Wien und First Vienna auch der dritte österreichische Verein geworden, der nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland einen deutschen Titel gewonnen hätte. Admira verlor jedoch 1939 das Finale um die deutsche Meisterschaft gegen Schalke 04 und wurde „nur“ deutscher Vizemeister. Als Fan der Stuttgarter Kickers ist jene Saison 1938/39 für mich besonders bitter, denn die waren damals in einer Vorrundengruppe mit der Admira. Zwei Spieltage vor Schluss hatten die Kickers zwei Punkte Vorsprung (damals gab es nochdie Zwei-Punkte-Regelung) und hätten beim Aufeinandertreffen in Stuttgart gegen die Admira einen Sieg gebraucht, um sich für das Halbfinale der deutschen Meisterschaft zu qualifizieren. Das Spiel endete jedoch 1:1, dafür stellten die Kickers in jenem Spiel mit 80.000 Zuschauern (oder nach anderen Quellen gar bis zu 100.000) den bis heute gültigen Zuschauerrekord im Neckarstadion unter Beteiligung eines Stuttgarter Vereins auf. Da die Admira ihr letztes Gruppenspiel mit 8:3 gegen den VfR Mannheim gewannen, die Kickers aber mit 0:1 gegen den abgeschlagenen SV Dessau verloren, machte die Admira das Rennen und bezwang im Halbfinale den Hamburger SV mit 4:1. Das Finale wurde jedoch klar mit 0:9 vor 100.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion gegen Schalke 04 verloren – die höchste Endspielniederlage in der Geschichte der deutschen Meisterschaft. Spätestens nach der Fusion 1971 mit Wacker Wien und dem Gang hinaus nach Niederösterreich ist man weit davon entfernt, wieder Zuschauermassen anzuziehen, allerdings gibt es doch eine kleine, feine Fanszene, die heute wie gesagt mit ihren rund 20 Leuten gegen die frühe Anstoßzeit protestiert, aber über die 90 Minuten hinweg ganz normal ihr Programm durchzieht. Interessant: In den winzigen Gästeblock auf der Gegengerade möchten die Gästefans nicht gehen, sondern bleiben bei dem Regenwetter lieber am Rand der überdachten Haupttribüne, was aber die anwesenden Ordner ganz entspannt sehen. Die Sturm-Szene geht freilich nicht zur zweiten Mannschaft, ansonsten sind aber doch einige Zuschauer da und dazu hat der Cateringbereich des heimischen FC Gleisdorf ganz normal geöffnet, an dem es typisch österreichisch eine breite Auswahl gibt. Dass ich hier nicht zum Bier, sondern zur Cola greife, sollte eigentlich das letzte Indiz sein, dass mit mir etwas nicht stimmt. Ich halte das aber nur für eine Art Erkältung. Zurück nach Graz geht’s abermals mit dem Bus, da die Zugstrecke momentan gesperrt ist, was mir als Eisenbahn-Romantiker eigentlich überhaupt nicht passt, allerdings bin ich so fertig, dass ich ohnehin die ganze Fahrt schlafe.