Panathinaikos AO K19 – Olympiakos SF Peiraios K19 2:2

Griechenland, K19 Super League
Freitag, 2. Februar 2024, 15 Uhr
Koropi, Georgios Kalafatis Sports Center

Lufthansa haut derzeit vergleichsweise günstige Flüge von Frankfurt nach Athen raus. Da habe ich einfach mal blind ohne genauen Blick auf den Spielplan gebucht, schließlich beobachte ich schon seit geraumer Zeit, dass man zwar nach wie vor recht günstig nach Saloniki fliegen kann, aber kaum noch für einen zweistelligen Betrag nach Athen. Da ich oberklassig ohnehin schon fast alles abgegrast habe, liegt der Fokus dieses Mal ganz klar auf den kleineren Fanszenen im Großraum Athen, deren Bandbreite ihresgleichen in Europa sucht und schon fast mit Buenos Aires vergleichbar ist. Das sind dann zwar keine 100-Mann-Truppen, aber dennoch genau das, was ich sehen will – nämlich so richtig schöner griechischer Stil mit melancholischen Gesängen und diesem ganz eigenen Trommelrhythmus. Als ich in Frankfurt in den Flieger steige, steht mein Programm für dieses Wochenende bereits, lediglich der Freitag ist noch offen. Während die Maschine – getauft auf den zweifelhaften Namen „Pforzheim“ (schafft nicht wirklich Vertrauen) – schon über die Startbahn rollt, schaue ich ein letztes Mal, ob heute nicht doch noch etwas geht, und siehe da: Auf den letzten Drücker wurden die Spiele der Nachwuchs-Super-League terminiert. Um 15 Uhr steigt das Derby zwischen Panathinaikos und Olympiakos Piräus. Wo gespielt wird und wie ich da hinkomme, lässt sich nicht mehr herausfinden, denn der Flieger ist bereits abgehoben und die Internetverbindung reißt ab. Ja, und dann biste da fast drei Stunden in der Luft und spielst mögliche Szenarien durch, ohne zu wissen, ob sich diese wirklich realisieren lassen. Richtig beschissene Situation. Klar ist nur: Zeitlich wird das alles ganz knapp werden, falls es überhaupt klappt. Kaum gelandet also direkt wieder rein ins Internet und wie vermutet wird im Trainingszentrum von Panathinaikos in Koropi gespielt, in dem auch die zweite Mannschaft von PAO ihre Heimspiele in der 2.Liga austrägt. Koropi ist zwar nicht weit weg vom Flughafen, allerdings befindet sich das Trainingszentrum mitten im Nichts. Keine Chance, da per ÖPNV hinzukommen. Also schnell bei Uber registriert, im Flughafen-Supermarkt ein Fläschchen Malamatina eingepackt und schon wartet mein Fahrer vor dem Terminal, um mich gerade noch pünktlich am Georgios Kalafatis Sports Center (benannt nach Panathinaikos-Gründer Georgios Kalafatis) abzusetzen. Ich war im Dezember 2021 beim U19-Derby zwischen Olympiakos Piräus und AEK, bei dem nicht wirklich etwas los war, weshalb mir schon klar ist, dass ich keinerlei Erwartungen haben darf. Während vor gut zwei Jahren immerhin ein gepanzerter Polizeibus mit voller Besetzung vor dem Stadion stand, ist hier kein einziger Polizist anwesend. Das sagt schon alles. Insgesamt sind etwa 300 Zuschauer da, die das U19-Derby aber vollkommen gesittet anschauen – erst recht für griechische Verhältnisse. Nicht weiter schlimm und da hier wie gesagt auch die zweite Mannschaft von PAO in der 2.Liga spielt, ist das ohnehin ein Pflichtground. Interessant auf jeden Fall, mal hinter die Kulisse eines solch großen Vereins schauen zu können. Das Trainingszentrum befindet sich in einem erschreckend schlechten Zustand, überall Müll und kaputtes Zeug. Kaum zu glauben, dass hier eine der Speerspitzen des griechischen Fußballs haust. Nach dem Spiel muss ich mir wieder ein Uber bestellen, das sich tapfer auf den nur einseitig befahrbaren Feldwegen durch den Gegenverkehr kämpft. Auch in der Hinsicht erschreckend, wie schlecht die Infrastruktur des PAO-Geländes ist. Einen Stein im Brett hat dafür mein Fahrer, der wild hupend wirklich alles gibt und sich in jede sich öffnende Lücke presst, um zu mir vorzustoßen. Großer Panionios-Fan ist er, so dass die Fahrt bis zur Metro-Station Koropi mit interessanten Gesprächen über den viertgrößten Verein des Großraum Athen gut überbrückt wird. Mein Hotel habe ich wie üblich am Omonia-Platz, der einst die feinste Ecke von Athen war und aus dieser Zeit noch mit reichlich Hotels ausgestattet ist. Irgendwann kippte der Omonia-Platz und er wurde zum schäbigsten Platz von Athen. Drogen, Junkies, Prostitution, Obdachlose und Kriminalität sind heute die Schlagwörter des Platzes, der in manchen Reiseführern gar als No-Go-Area bezeichnet wird. Für mich ist er das ideale Hauptquartier, weil dort zwei der drei Metrolinien halten und unzählige Buslinien den Platz kreuzen. Außerdem sind die Preise der vielen Hotel unglaublich in den Keller gerasselt, so dass man hier schon für 15 Euro pro Nacht ein Zimmer bekommt. Die ursprünglich als Fußgängerzone angelegten Seitenstraßen mit ihren vielen toten Winkeln, die durch das Anlegen von kleinen Grünflächen entstanden sind (war gut gemeint, aber ging völlig in die Hose), sollte man nachts aber vielleicht wirklich meiden. Auf dem Omonia-Platz und in unmittelbarer Umgebung kann man sich aber auch nachts relativ bedenkenlos bewegen und da es dort noch einige Restaurants gibt, die lange geöffnet haben, komme ich endlich zu meinen ersten Saganaki und Tzatziki dieser Tour.