TV Gültstein – FC Gärtringen II 4:2

Deutschland, Testspiel
Mittwoch, 9. August 2023, 19.30 Uhr
Herrenberg, Ammerstadion

TV Gültstein – da muss man automatisch an die DFB-Pokal-Saison 1974/75 denken. Der TV Gültstein spielte in den 1960ern und 1970ern in der damals drittklassigen 1.Amateurliga Nordwürttemberg und holte etwas überraschend 1973 den württembergischen Landespokal. Damit qualifizierte man sich damals nicht automatisch für den DFB-Pokal. Der durchlief jedoch eine Saison später eine Reform und so durfte der Württembergische Fußballverband ausnahmsweise Vereine aus seinem Verbandsgebiet nachnominieren. Er wählte dabei unter anderem den Pokalsieger der Vorsaison – den TV Gültstein. Dass er dann im DFB-Pokal ein großes Los bekommen würde, war eher unwahrscheinlich. Damals wurde nach frei ausgelost, wodurch von der ersten Runde an auch Amateure auf Amateure und Bundesligisten auf Bundesligisten treffen konnten. Es war die Zeit, in der Amateurvereine im DFB-Pokal mitunter richtig weit kamen, weil sie in den ersten Runden nur auf andere Amateurvereine trafen. Und selbst wenn man einen Bundesligisten zog, hieß das nicht, dass man gegen sie automatisch ein Heimspiel hat, denn auch die Regel, dass der unterklassige Verein immer Heimrecht hat, gab es damals noch nicht. Doch der TV Gültstein, der ja eigentlich im DFB-Pokal gar nicht hätte dabei sein sollen, hatte Glück und zog Borussia Mönchengladbach – und zwar zu Hause. Man muss sich dabei wirklich vor Augen halten, was für eine Mannschaft Borussia Mönchengladbach zu dem Zeitpunkt war. Die Fohlen waren 1970 und 1971 deutscher Meister und 1973 DFB-Pokal-Sieger geworden. In eben dieser Saison 1974/75 wurden sie u.a. mit Berti Vogts, Jupp Heynckes, Rainer Bonhof, Wolfgang Kleff und Uli Stielike zum dritten Mal deutscher Meister und gewannen den UEFA-Pokal. In Gültstein herrschte daher natürlich völliger Ausnahmezustand. Der Sportplatz platzte aus allen Nähten, die 7.000 (!) Zuschauer saßen fast schon auf der Seitenlinie, jeder Zentimeter wurde genutzt. Nicht richtig lag ich allerdings jahrelang bei der Frage, auf welchem der beiden Plätze in Gültstein das legendäre DFB-Pokal-Spiel stattfand. Ich ging lange fälschlicherweise davon aus, dass auf dem Nebenplatz gespielt wurde, da diese mit einer kleinen Holztribüne ausgestattet ist, während der eigentliche Hauptplatz über keinen nennenswerten Ausbau verfügt. Inzwischen weiß ich aber, dass tatsächlich auf dem Hauptplatz gespielt wurde. Der fehlte mir bislang noch und da kommt das heutige Testspiel auf ihm gegen den FC Gärtringen II gerade recht. Da es hier auch noch einen alten Eingangsbereich gibt, der wahrscheinlich schon beim damaligen DFB-Pokal-Spiel stand, fällt zu Zeitreise zurück zu jenem 7. September 1974, als der TV Gültstein hier gegen Borussia Mönchengladbach gespielt hat (und nur mit 0:5 verloren hat), sehr leicht. Logisch: Wenn man auf diesem Platz steht, noch dazu nur bei einem müden Sommer-Testkick, dann geht einem hauptsächlich der DFB-Pokal durch den Kopf und man versucht sich vorzustellen, wo damals überall Zuschauer gestanden sind. Leider gibt es kein Schild, das auf das historische Ereignis hinweist. Allerdings ließ man 2019 die Erinnerung an das große Spiel groß aufleben und spielte anlässlich der 1250-Jahr-Feier von Gültstein vor 600 Zuschauern gegen die Traditionsmannschaft von Borussia Mönchengladbach.













 

FC Schömberg-Luchse – 1.CfR Pforzheim II 0:6

Deutschland, Testspiel
Montag, 7. August 2023, 19 Uhr
Unterreichenbach, Sportplatz Unterreichenbach

Ich bin ja durchaus ein Fan der Testspiel-Zeit. Nicht nur, dass man dann Grounds machen kann, die in der Liga und im Pokal fast nie bespielt werden, sondern auch die Anstoßzeiten sind wesentlich flexibler. Und so wird dann sogar an einem Montag wie heute Fußball geboten. Michi und ich bekommen dabei die Jungfernfahrt des FC Schömberg-Luchse geboten, denn der erst in diesem Jahr gegründete Verein bestreitet sein erstes „Heimspiel“. In Anführungszeichen deshalb, weil er seine Heimspiele nicht in Schömberg, sondern in Unterreichenbach austragen wird. Und das liegt daran: Eigentlich wollte man sich den Namen Schwarzwald-Luchse geben, was vom Badischen Fußballverband jedoch nicht genehmigt wurde, weil offenbar immer ein konkreter Ort im Vereinsnamen vorkommen muss. Die Gründungsmitglieder wohnen bunt verstreut im Norden des Landkreises Calw, weshalb man sich einfach irgendeinen Ort herausgesucht hat, in dem Mitglieder wohnen. Die Wahl fiel somit eher zufällig auf Schömberg, aber wirklich dort zu Hause ist der neue Verein nicht zwingend. Zufall ist hingegen nicht, dass man in Unterreichenbach spielt, denn der dortige Sportplatz liegt brach. Der 1.FC Unterreichenbach hatte sich vergangenes Jahr mit dem SV Bad Liebenzell und dem TSV Schwarzenberg zur SG Nagold-Platte zusammengeschlossen. Inzwischen hat der 1.FC Unterreichenbach diese Spielgemeinschaft verlassen, da er ohnehin keine Spieler mehr beisteuern konnte, und ist damit komplett von der Bildfläche verschwunden. Allein am FC Schömberg-Luchse liegt es nun, dass der Unterreichenbacher Sportplatz in keinen Dornröschenschlaf fällt. Allerdings muss man hier unbedingt etwas tun, denn u.a. ragen Baumkronen ins Spielfeld hinein. Für mich wird es heute eine gemütliche Reise mit der Nagoldtalbahn immer entlang der Nagold. Beim kleinen Spaziergang durch Unterreichenbach (2.400 Einwohner) – der letzte Ort vor den Toren Pforzheims – wird man dann automatisch auf die Flößer-Tradition der Nagold aufmerksam. So ist etwa die örtliche Kneipe nach den Flößern benannt und nahe des Bahnhofs steht ein Flößer-Denkmal. Flößer waren im Prinzip Spediteure, die das Holz hier aus dem Schwarzwald zum Endkunden gebracht haben. Das Holz banden sie zu bis zu 200 Meter langen Flößen zusammen und gelangten so auf dem Wasserweg über die Nagold, den Neckar und den Rhein in die Niederlande. Richtig schlau also, die zu verkaufende Ware zunächst als Transportmittel zu verwenden. Beim Endkunden wurden die Flöße wieder auseinandergenommen und das Holz als Rohstoff verkauft. Zurück in den Schwarzwald ging es für die Flößer zu Fuß. Hier im Kreis Calw verlor die Flößerei mit dem Bau der Nagoldtalbahn im Jahr 1872 an Bedeutung. Das letzte Floß fuhr 1911 über die Nagold.

































 

TSV Oberstaufen II – SSV Niedersonthofen II 1:0

Deutschland, A-Klasse Allgäu – Staffel 4 (10.Liga)
Sonntag, 6. August 2023, 17 Uhr
Oberstaufen, Sportplatz Kalzhofen – Platz 2

Auf dem Heimweg wartet kurz hinter der deutsch-österreichischen Grenze noch ein kleines Dessert auf uns. Ursprünglich war ein bisschen die Hoffnung da, dass die zweite Mannschaft des TSV Oberstaufen ihr Heimspiel in der A-Klasse Allgäu auf dem Hauptplatz des Sportplatzes Kalzhofen austrägt, aber mit Blick auf das Wetter verabschieden wir uns noch auf der Autobahn in Vorarlberg fahrend von diesem Gedanken. Am Ende können wir froh sein, dass das Spiel überhaupt angepfiffen wird, denn die Regenfälle haben inzwischen tropenartige Ausmaße angenommen. Da würde man eigentlich am liebsten im urigen Vereinsheim sitzen bleiben, das in einem Raum der benachbarten Turnhalle unterbracht ist. Ungewöhnliche Location, aber von innen wie gesagt gemütlich. Dort merken wir auch schnell, dass wir nicht mehr in Vorarlberg sind, denn auf der Speisekarte stehen lediglich warme Leberkäse – und selbst das ist in Bayern fast schon außergewöhnlich, denn oft gibt es einfach gar nichts. Bayern, Platz 21 von 21 unter den deutschen Landesfußballverbänden. Wir legen somit auf dem Nachhauseweg noch einen Stopp im Deutschen Haus in Gruibingen ein. Schöner Landgasthof an der Landstraße, die parallel zur A8 verläuft. Wenn mal wieder Stau am Aichelberg ist und man ohnehin die Landstraße nimmt, eignet sich das Deutsche Haus wirklich ideal zur Einkehr.