NK Koper – NK Maribor 1:1

Slowenien, 1. SNL (1.Liga)
Sonntag, 19. Mai 2024, 17.30 Uhr
Koper/Capodistria, Stadion Bonifika/Stadio Bonifika

Gemütlich geht es am Morgen noch einmal in den Hafen von Izola, um mit einem ausgiebigen Waffel-Frühstück in den Tag zu starten. Bei der Aufgabe, einen Platz im Bus hinüber nach Koper zu erwischen, setze ich den Schwierigkeitsgrad deutlich niedriger an als gestern. Denn die Busse klappern hier zunächst alle slowenischen Küstenorte ab und fahren dann nach Ljubljana (oder noch weiter) und da Koper die letzte Station entlang der Küste ist, wird es zumindest bis dorthin mit Sicherheit noch ein freies Plätzchen für mich geben. Und so kommt es dann auch. Wie erwartet bin ich der einzige, der in einem Küstenort einsteigt und in einem Küstenort auch wieder aussteigt. Normale Menschen verbringen so ein verlängertes Wochenende schließlich im gleichen Ort. Dass so ein Move eigentlich nicht vorgesehen ist, merkt man auch an der Tarifgestaltung, denn für die 15-minütige Fahrt von Izola nach Koper (8 Kilometer) werden 1,30 Euro fällig. Nicht teuer, aber sie stehen in keiner Relation mit den 2,50 Euro, die ich gestern für die 110 Kilometer von Ljubljana nach Izola gezahlt habe. Doppelter Preis für die fast 15-fache Strecke. Koper (auf Italienisch: Capodistria) ist mit 26.000 Einwohnern die größte Stadt an der slowenischen Küste und die einzige mit Bahnanschluss. Am dortigen Kopfbahnhof im allerfeinsten Jugo-Stil spuckt mich auch der Bus aus. Zwischen vergilbten Werbeplakaten der slowenischen Riviera kann man auch einen Fahrplan entdecken, der das ganze Elend zeigt, denn gerade einmal vier Züge am Tag fahren hier – ansonsten nur Busse. Immerhin: Ein Zug fährt zum slowenisch-ungarischen Grenzbahnhof Hodos, also an das genau andere Ende von Slowenien. Fast schon exotisch. Morgen früh werde auch ich von hier aus mit dem Zug via Ljubljana und Villach wieder nach Hause starten, aber zunächst wartet auf mich noch ein voller Tag in Koper inklusive einem Gastspiel des NK Maribor. Nur etwa einen Kilometer liegt der Bahnhof von der Altstadt entfernt, das kann man hervorragend zu Fuß gehen. Hotel beziehen, dann rein in die Altstadt, die auch hier durchweg italienisch wirkt. Auf die italienischen Spuren im slowenischen und kroatischen Teil Istriens bin ich ja bereits im vorherigen Bericht eingegangen. Auch in Koper bzw. Capodistria ist alles zweisprachig. Leider greift hier zum ersten Mal das angesprochene technische Problem mit meinen Fotos, das sich durch die kommenden zwei Monate ziehen wird. Getroffen hat es in diesem Fall sämtliche Fotos vom Hafen und das meiste aus dem Stadion, so dass es hier nur eine kleine und qualitativ minderwertige Auswahl gibt. Sorry dafür – mich ärgert es am meisten. Im Stadion liegt das Hauptaugenmerk auf dem Gästeblock, der von den Steirern aus Maribor (plus ein paar Freunden aus Sankt Gallen) bestens gefüllt wird. Sehr spät kommt man dort allerdings erst in die Gänge, wobei das nicht an etwaigen Repressalien liegt, zumal sich die Polizei hier sehr defensiv verhält. Vielleicht ist der Maribor-Anhang hier unten am Meer einfach zu sehr im Urlaubsmodus. Die zum Spielbeginn geplante Choreo wird sogar erst in der zweiten Halbzeit nachgeholt. In aller Seelenruhe taucht auch der Heimanhang um die 1987 gegründeten Tifozi Koper erst ein paar Minuten nach Anpfiff auf, supportet durchgängig, ist den Gästefans aber zahlenmäßig und damit auch akustisch deutlich unterlegen. Nach dem Spiel ist bei mir wieder kräftig Dolce Vita in der Altstadt und am Hafen angesagt und gerade mit Blick auf das Top-Wetter muss ich sagen, dass das trotz der Ausbeute von nur drei Spielen eine der besten Touren der letzten Jahre war. Leider sind mit Izola und Koper nun die beiden einzigen Szenen an der slowenischen Adriaküste abgehakt, was nicht gerade förderlich für die Motivation ist, hier demnächst noch einmal aufzuschlagen.






































 

NK Izola – NK Kočevje 1:1

Slowenien, 3. SNL – Zahod (3.Liga)
Samstag, 18. Mai 2024, 17.30 Uhr
Izola/Isola, Mestni Stadion/Stadio Cittadino

Mit dem NK Izola versteckt sich eine absolute Perle in der 3.Liga Sloweniens – denn trotz des sportlichen Absturzes hat der einstige Europapokalteilnehmer von der Adriaküste weiterhin eine aktive Ultras-Szene. Keine schlechte Wahl für Mitte Mai bei Bombenwetter. Allerdings ist es gar nicht so einfach, dort hinzukommen, schon gar nicht an diesem Pfingstwochenende, an dem halb Slowenien und scheinbar der ganze Süden Österreichs ans Meer will. Zur Orientierung: Izola ist eine der wenigen Hafenstädte an der nur 46 Kilometer langen Adriaküste Sloweniens. Einen Bahnanschluss besitzt Izola nicht. Koper ist die einzige slowenische Küstenstadt mit Bahnhof, von dort aus könnte man sich mit Bussen nach Izola durchkämpfen, was aber auch nicht unbedingt zielführend ist, da diese meist ohnehin von Ljubljana kommen. Hinzu kommt, dass von Ljubljana lediglich vier Züge pro Tag nach Koper fahren (6.00 Uhr, 6.45 Uhr, 9.10 Uhr, 17.50 Uhr) und da werden auch jetzt in der Touri-Saison keine Zusatzfahrten veranstaltet. Kurzum: Realistisch betrachtet bleibt nur der Bus. Da ich mir schon denken kann, dass an diesem Pfingstwochenende die Nachfrage das Angebot weit übertreffen wird, schlage ich bereits am frühen Morgen am Busbahnhof von Ljubljana auf. „Busbahnhof“ ist vielleicht etwas zu viel gesagt, denn genau genommen wurden über den Parkplatz vor dem Hauptbahnhof einfach nur ein paar Schilder mit Nummern und Fahrtzielen gespannt, an denen die Busse halten. Sieht schon arg provisorisch aus, gerade für eine Hauptstadt eines EU-Landes. Die zugehörige Schalterhalle kann man vergessen, da Tickets zumindest in Richtung Adriaküste nur im Bus verkauft werden. Auch online ist das nicht möglich, was schon wirklich heftig ist. Slowenien hätte ich da wirklich mehr zugetraut, gerade in puncto Adriaküste. Aber das ist hier ganz klar noch Jugoslawien-Level. Manch ein deutschsprachiger Touri bekommt in der Schalterhalle schon einen Tobsuchtanfall, weil spätestens jetzt der Groschen fällt, dass man nur mit ausgefahrenen Ellenbögen in einen der Busse kommt und eine nicht unerhebliche Zahl an Leuten heute nicht mehr die Adriaküste erreichen wird. Ist aber auch Wahnsinn, dass die Kapazitäten gerade an Pfingsten nicht erhöht werden. So fahren bis zum Nachmittag lediglich drei Busse von Ljubljana an die Adria. Danach sollen zwei weitere fahren, was für mich aber nicht mehr interessant ist, da um 17.30 Uhr der Anstoß beim NK Izola erfolgt. Bei der Einfahrt des ersten Busses bricht das völlige Chaos aus. Etwa 400 Leute stehen davor und wollen rein, es kommt beinahe zu Schlägereien. Ich gehöre zu den vielen Leuten, die in die Röhre schauen. Irgendwann sagt der Busfahrer, dass das Fahrzeug jetzt voll sei, aber ein paar deutsche Urlauberinnen stürmen trotzdem noch rein, besetzen die Treppen und müssen von der Security hinausgezogen werden. Die Nerven liegen bei allen Beteiligten komplett blank. Das kann ja heiter werden. Der nächste Bus kommt eine Stunde später, die ersten Leute schließen sich zusammen und nehmen zu horrenden Preisen ein Taxi, aber ich will mein Glück weiter versuchen. Strategisch klug positioniere ich mich unweit der Stelle, an der ich die Tür zum Einstieg vermute, was dann auch so kommt. Rigoros fahre ich die Ellenbögen aus, kenne weder Freund noch Feind und ergattere einen der letzten zehn Sitzplätze. Wahnsinn. Wahnsinn aber auch, wie schlecht das hier organisiert ist. Man muss dazu sagen: Die eineinhalbstündige Fahrt (110 Kilometer) kostet lediglich 2,50 Euro. Dann nehmt doch 5 oder 10 Euro und setzt dafür mehr Busse ein. Warum lassen sich die Busunternehmen dieses Geschäft entgehen? Gleiches gilt für die slowenische Staatsbahn. Mit Ankunft in Izola ändert sich meine Laune jedoch schlagartig. Meer, Sonne, Dolce Vita. Erst recht, weil in Izola alles zweisprachig ist (Slowenisch und Italienisch). Das italienische Erbe wird schon am Namen deutlich, denn Isola ist das italienische Wort für Insel – ein Verweis auf die Lage der Stadt auf einer Halbinsel. Istrien mit seiner Hauptstadt Triest gehörte bis zum Ersten Weltkrieg zu Österreich-Ungarn, bis zum Zweiten Weltkrieg zu Italien und wurde danach aufteilt. Der kleinere Teil rund um Triest blieb bei Italien, der größere kam zu Jugoslawien und wurde dann wiederum zwischen Slowenien und Kroatien aufteilt. Seit jeher ist Istrien kulturell ein Schmelztiegel und wurde sowohl von Italienern als auch Slawen bewohnt. Die Italiener zogen sich nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem dann jugoslawischen Teil zwar weitgehend zurück, allerdings gibt es nach wie vor eine italienische Minderheit, worauf sich die Zweisprachigkeit begründet. In Izola sind heute etwa drei bis fünf Prozent der 11.500 Einwohner Italiener. Ich persönlich mag diesen Mix unglaublich, schon allein kulinarisch. Cevapcici und Aperol Spritz. Pizza und Lasko-Bier. Wie in istrischen Städten üblich findet sich in der Altstadt von Izola aber fast nichts, was irgendwie slowenisch, kroatisch oder jugoslawisch wäre. Mal abgesehen von einem kleinen kommunistischen Denkmal mit rotem Stern sieht alles aus wie in einer ganz normalen italienischen Stadt. Das gilt mitunter sogar für die Straßennamen, denn man findet sogar eine Garibaldijeva ulica bzw. Via Guiseppe Garibaldi. Der italienische Volksheld war im 19. Jahrhundert für die Einigung Italiens verantwortlich. In Italien ist in jedem Ort eine Straße oder ein Platz nach ihm benannt, außerhalb von Italien praktisch gar nichts. Besonders gespannt bin ich natürlich aufs Stadion bzw. Stadio, in dem ebenfalls alles zweisprachig ist – von der Eintrittskarte bis zur Bezeichnung der Sektoren. Schon anhand der zahlreich anwesenden Polizei merkt man, dass der NK Izola kein normaler Drittligist ist. Mit Club Calcistico Giovanile Isola d'Istria hatte der 1923 gegründete Verein ursprünglich einen italienischen Namen, nannte sich ab 1930 Ampelea Isola d'Istria und spielte von 1937 bis 1946 sogar in der italienischen Serie C, schließlich gehörte Istrien bis dahin ja zu Italien. Mit Giuseppe Grezar, Alberto Eliani und Aredio Gimona stellte Ampelea zu der Zeit drei italienische Nationalspieler – aus heutiger Sicht geradezu unfassbar! Auf Druck der jugoslawischen Kommunisten musste sich der Verein nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst in Unione Sportiva Isola und schließlich 1951 in NK Izola (nun erstmals mit dem slowenischen Namen der Stadt) umbenennen. Zu jugoslawischen Zeiten spielte er keine besondere Rolle, konnte sich nach der Unabhängigkeit Sloweniens aber sofort für die 1.Liga qualifizieren und erreichte in der ersten Saison den dritten Platz und somit den UEFA-Cup, in dem er als NK Belvedur Izola in der Saison 1992/93 auf Benfica traf. Zwar gingen beide Spiele mit 0:3 und 0:5 verloren, dennoch sind sie eindeutig die Höhepunkte in der nun 101-jährigen Vereinsgeschichte. Das merkt man auch beim Betreten des Vereinsheim, das wie eine Hafenpinte eingerichtet ist und in dem an das kurze Gastspiel im UEFA-Cup mit Ausstellungsstücken erinnert wird. Das Stadion liegt zwar nicht direkt am Meer, ist aber in Sichtweit und so wundert es nicht, dass es auch für die lokale Ultras-Gruppe – die 1990 gegründeten Ribari (auf Deutsch: Fischer) – das bestimmende Thema ist. Vor allem der Hai ist ein beliebtes Motiv der Ribari. Obwohl auf den Eintrittskarten auch eine italienische Version des Vereinsnamen (Club Calcistico Isola) abgebildet ist, wird hier jedoch 100% Jugo-Style dargeboten. Etwa 30 Mann umfasst der Mob der Ribari, deren Aufkleber in der Stadt an wirklich jeder Ecke zu sehen sind. Durchgehender Support, immer wieder Pyro, vier Zaunfahnen und eine Schwenkfahne – stark. Man darf nicht vergessen, dass wir hier in der 3.Liga sind. Und das in einem Land, in dem selbst bei mehreren Erstligisten nichts los ist. Sehr, sehr beeindruckend! Man kann den Ribari nur wünschen, dass ihr Verein möglichst bald in die 1.Liga zurückkehrt, in der es dann auch wieder zum slowenischen Adria-Derby gegen Koper kommen würde. Pünktlich zum Sonnenuntergang bin ich wieder am Meer von Izola und gönne mir dann noch so einen richtig schönen Dolce-Vita-Abend am Hafen und in der Altstadt.