Herforder EV – Hammer Eisbären 1:2

Deutschland, Oberliga Nord (Eishockey, 3.Liga)
Donnerstag, 28. Dezember 2023, 20.30 Uhr
Herford, Eishalle im Kleinen Felde

Fußball bekomme ich im Jahr 2023 nicht mehr zu sehen, aber die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr bietet sich ja immer recht gut an, um mal beim Eishockey vorbeizuschauen. Erst recht, weil heute hoher Besuch aus dem Siegerland bei mir zu Gast ist. Da will man ja nicht nur die ganze Zeit bei Schnittchen und Bier vor dem Fernseher sitzen und griechische Randale-Videos auf Youtube anschauen, sondern auch selbst etwas erleben. Klar, griechische Verhältnisse werden beim Herforder EV nicht ansatzweise geboten, aber Ostwestfalens einziger Eishockey-Verein steht bei mir schon länger auf dem Zettel und da kommt das als Derby titulierte Heimspiel gegen die Hammer Eisbären wie gerufen. NRW ist eigentlich kein Bundesland, das ich mit Wintersport in Verbindung bringe, dennoch gibt es hier mit der Düsseldorfer EG, den Kölner Haien, den Iserlohn Roosters und meinetwegen auch den Pinguinen aus Krefeld namhafte Eishockey-Vereine. Doch auch unterhalb der Profi-Ebene tut sich etwas im einwohnerreichsten Bundesland. Maßgeblich denke ich da an die Moskitos Essen – und den 4. Oktober 2003. An dem Tag gastierten die Moskitos in der Regionalliga mit 300 Gästefans beim Stuttgarter EC und ich war ziemlich baff, dass die in so einer Liga so viele Leute bewegen können. Neben dem EV Herne gibt es aber auch noch die Hammer Eisbären, die in NRW einen gewissen Ruf haben, und so sind wir sehr gespannt, als wir an diesem Donnerstagabend die Eishalle in Herford betreten. Die ist brechendvoll und tatsächlich sind auch einige Gästefans aus Hamm dabei, wobei sich die exakte Zahl mangels Blocktrennung nicht genau beziffern lässt. Dass es keine Blocktrennung gibt, obwohl das hier zu den „riskanteren“ Spielen des Herforder EV gehört, sagt aber auch schon viel aus. Dennoch: Sechs, sieben Leute sind auf Hammer Seite dabei, denen man besser aus dem Weg geht. Typen, die man unter den Herfordern nicht findet. Viele Trikotträger zwar auf Heimseite und es gibt auch zaghaften Support, aber das ist alles ganz weit weg von Schweizer Eishockey-Verhältnissen. Trotzdem schön, hier mal gewesen zu sein, zumal die Halle an sich schon recht gemütlich ist – wenngleich der Bierpreis mit 5 Euro für ein Herforder viel zu hoch ist. Ich bleibe dabei: 1x im Jahr Eishockey reicht.


















 

DSC Arminia Bielefeld – SG Dynamo Dresden 0:1

Deutschland, 3.Liga (3.Liga)
Mittwoch, 20. Dezember 2023, 19 Uhr
Bielefeld, Stadion Alm

So langsam würde sich bei mir eine Dauerkarte auf der Alm lohnen. Oder zumindest ein Ossi-Paket, denn nach Hansa Rostock im Februar und Erzgebirge Aue vor knapp drei Wochen sehe ich nun schon das dritte Arminia-Heimspiel in diesem Jahr gegen einen Ost-Verein. Das ist allerdings wirklich reiner Zufall und stets dem Termin geschuldet – und nicht dem Gegner. In diesem Fall gegen Dynamo Dresden also ein Flutlichtspiel und die nehme ich auf der Alm ja besonders gerne mit. Vorab noch eine Runde über den Bielefelder Weihnachtsmarkt gedreht, auf dem aufgrund des Regens nur sehr wenig los ist. Auch keine Sachsen erkennbar in Sicht. Die Alm ist dagegen mit offiziell 22.041 Zuschauern recht gut gefüllt, darunter knapp 2.000 Gästefans. Ist natürlich immer die Frage, wie viele davon wirklich aus Sachsen angereist sind, denn in den alten Bundesländern und insbesondere in wirtschaftsstarken Regionen wie Ostwestfalen gibt’s natürlich auch immer reichlich Exilanten. Festzuhalten bleibt aber, dass Dynamo den Gästeblock auf der Alm an einem Mittwoch deutlich besser füllt als Aue vor knapp drei Wochen an einem Samstag. Sehr kompakter Auftritt von Dynamo, gute Lautstärke und optisch mit einer sehr geschlossenen Schalparade zu Spielbeginn und einer saftigen Pyroshow zum Start der zweiten Halbzeit absolut sehenswert. Irgendwann drehen dann etwa 80 Prozent der Dynamo-Fans ihre Bomberjacken um und verwandeln den Gästeblock in ein einheitliches Orange. Stark, wie viele Leute da mitmachen. Während des Spiels gibt es noch eine gemeinsame Anti-DFL-Aktion von Heim- und Gästeblock, rund um die Alm soll es dagegen zu einigen Zwischenfällen gekommen sein. Das Fanprojekt Dresden berichtet im Nachgang davon, dass zahlreiche Dynamo-Fans wie angewiesen an der drei Straßenbahn-Haltestellen entfernten Universität geparkt hätten, sie dort und auf dem Weg zur Alm aber nicht ausreichend von der Polizei geschützt wurden und so zu einigen Übergriffen gekommen sei (hier nachzulesen). Das Fanprojekt Dresden schreibt: „In unseren Augen zeigen diese Vorfälle ein komplettes Versagen des Sicherheitskonzeptes für An- und Abreise auf.“ Auf Heimseite brennt sportlich der Baum, denn es droht der dritte Abstieg in Folge. 2022 noch Bundesliga, nächstes Jahr Regionalliga West – dieses Szenario könnte durchaus eintreten. So etwas wirkt selten positiv auf die Stimmung, schon gar nicht wenn man wie heute abermals verliert, aber zumindest über weite Strecken ist die doch recht gut. Die Alm hat sich da schon sehr gemacht – deswegen bin ich ja auch immer öfter hier. Das für mich letzte Fußballspiel des Jahres klingt in meiner Stammkneipe im Bielefelder Osten aus, weiter geht es dann im Januar in Süditalien.