FC Hechingen – FC Grosselfingen 2:1

Deutschland, Bezirkspokal Zollern (2.Runde)
Donnerstag, 17. August 2023, 18.30 Uhr
Hechingen, Weiherstadion

Hechingen – da denkt man automatisch an Hohenzollern-Prunk. 1850 wurde ein schmaler Streifen im heutigen Baden-Württemberg, der sich in etwa von Horb bis kurz vor den Bodensee zieht, zu einer Enklave Preußens. Diese sogenannten Hohenzollernsche Lande (samt ihrer eigenen kleinen Enklaven) blieben bis 1946 wie ein Gartenzaun zwischen Baden und Württemberg. Und das mit einer ganz eigenen Identität. Dieser maximal nur 15 Kilometer breite, sehr langgezogene Landstrich hatte sogar seine eigene Eisenbahn, weil die badische und württembergische Bahn einen Bogen um die Hohenzollernschen Lande machte – und diese Hohenzollerische Landesbahn existiert sogar bis heute. Als nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst drei Bundesländer auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg gegründet wurden, blieb der Name der Hohenzollernschen Lande erst einmal erhalten, nämlich im bis 1952 existierenden Bundesland Württemberg-Hohenzollern mit der Landeshauptstadt Tübingen. Als sich dann jedoch die drei Bundesländer Württemberg-Hohenzollern, Baden (Hauptstadt: Freiburg) und Württemberg-Baden (Hauptstadt: Stuttgart) vereinigten, verschwand der Name Hohenzollern von Deutschlands Landkarte. Jedoch ist als kleiner Trostpreis das Wappen der Hohenzollernschen Lande (ein schwarz-weißes Schachbrettmuster) im Wappen von Baden-Württemberg abgebildet. Und auch die eigene Identität ist nach wie vor vorhanden. Denn genau wie in Baden häufig das Badnerlied gesungen wird, stimmt man in den früheren Hohenzollernschen Lande gerne das Hohenzollernlied bei Veranstaltungen an. Ich selbst hatte früher einen Arbeitskollegen, der vor dem Zweiten Weltkrieg geboren wurde, aus den Hohenzollernschen Landen kam und immer betont hat, dass er weder badisch noch württembergisch sei. Verwaltet wurden sie zu preußischen Zeiten stets von Berlin aus und gehörten offiziell zur Rheinprovinz (das heutige Rheinland), dennoch gab es mit Sigmaringen eine lokale Provinzhauptstadt. Unterteilt war die Enklave in zwei Landkreise: Sigmaringen und Hechingen. In Hechingen, das schon seit 1576 mit seiner berühmten Burg Residenzstadt der Hohenzollern war, finden sich natürlich noch viele Spuren dieses 1952 untergegangenen Landstrichs. Das gilt nicht zuletzt für das Vereinswappen des FC Hechingen, das aus einem schwarz-weißen Schachbrettmuster besteht – das Wappen der Hohenzollernschen Lande. Und auch der hiesige Fußballbezirk Zollern erinnert mit seinem Namen an die Hohenzollernsche Lande. Nur den eingangs erwähnten Hohenzollern-Prunk findet man im Weilerstadion leider nicht. Aber immerhin steht hier eine Tribüne, wenn auch ziemlich moderner Natur. Viel entscheidender ist jedoch der gute Blick hinauf zur Burg Hohenzollern, den man vom Weilerstadion aus hat und der – zusammen mit dem Vereinswappen – den eindeutigen Bezug herstellt. Sportlich ist der FC Hechingen, der in der Kaiserzeit auch mal kurze Zeit FC Hohenzollern Hechingen hieß, ohnehin weit entfernt von Prunk und spielt aktuell nur in der achtklassigen Bezirksliga Zollern. Der Jugendverein von Otto Nerz (deutscher Nationaltrainer von 1926 bis 1936) war aber mal nah dran an der großen Fußballbühne: 1962 wurde er Meister in der drittklassigen 1.Amateurliga Schwarzwald/Bodensee (gemeinsame höchste Spielklasse des Württembergischen und Südbadischen Fußballverbands) und hätte an der Aufstiegsrunde zur 2.Liga teilnehmen dürfen, verzichtete jedoch. Den Platz des FC Hechingen nahm der BSV Schwenningen ein, der in jenem Jahr zwar scheiterte, aber dann 1976 in die 2.Bundesliga aufstieg. Einen kleinen Erfolg kann der FC Hechingen dagegen zumindest heute in der zweiten Runde des Bezirkspokals Zollern feiern, in der er den FC Grosselfingen aus dem Wettbewerb wirft.