Deutschland, Landesliga Württemberg – Staffel 4 (7.Liga)
Samstag, 4. Mai 2024, 15.30 Uhr
Ochsenhausen, Klosterstadion
Nur ein einziges Spiel steht heute auf meinem Zettel, aber das Ziel lautet Ochsenhausen – und da braucht man Zeit. Klosterstadion nennt sich die Spielstätte in dem im Landkreis Biberach gelegenen Städtchen (9.000 Einwohner) und dieser Name könnte treffender nicht sein, denn diese Gegend hier hat eine historische Besonderheit: Nicht der Adel war hier jahrhundertelange tonangebend, sondern der Klerus. Und so sind es auch keine Schlösser oder Burgen, die diesen Landstrich prägen, sondern prachtvolle Klöster. Eines der sehenswertesten ist das im Jahr 1093 gegründete Kloster in Ochsenhausen, das den Status einer Reichsabtei hatte, also auch weltlicher Herrscher über bis zu 11.000 Einwohner rund um Ochsenhausen war. Ein Kleinstaat – und das sieht man dem prunkvollen Gebäudekomplex auch an, denn in ihm ging es nicht nur um das Beten und Arbeiten. Das Ende der Reichsabtei leitete 1803 die Person ein, die in diesem Blog oft vorkommt, wenn es um Grenzziehungen in Süddeutschland geht: Napoleon. Den Kindern der anti-klerikalen Französischen Revolution waren die Klöster in Oberschwaben natürlich ein besonderer Dorn im Auge und so wurde regelrecht Jagd auf die Geistlichen gemacht. Das Kloster wurde enteignet und fiel in staatlichen Besitz. Inzwischen gehört es dem Land Baden-Württemberg, das es von 1964 bis 1992 (!) umfangreich sanierte – für 28 Millionen Mark. Meine Anreise erfolgt selbstredend mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Zwar liegen in Ochsenhausen Schienen, hier fährt aber nur die Museumsschmalspurbahn Öchsle. Man kommt also nur mit dem Bus ab Biberach in die Kleinstadt. Das Öchsle lasse ich jedoch links liegen und mache mich sofort auf den Weg zum Kloster und dem dortigen Museum, in dem altes Inventar zu sehen ist, das vor Napoleon gerettet werden konnte. Die Geschichte wird gut nachgezeichnet und ist auch nicht trocken, zumal dieses Kloster wie gesagt mehr als nur ein Kloster war. Im früheren Pferdestall ist heute das Klostercafé untergebracht, das sich gut für die Mittagspause eignet. Es gibt Härle vom Fass und außerdem wird das größte Alphorn der Welt ausgestellt. Noch spannender ist die heute Nutzung der früheren Hopfengärten direkt an der Klostermauer, denn dort befindet sich das Klosterstadion des SV Ochsenhausen. „This is Hopfagadaa“ ist daher am Eingang des Vereinsheim zu lesen. Ja, man spricht hier in Oberschwaben einen besonders harten schwäbischen Dialekt, zieht das aber konsequent durch. An der Stelle empfohlen sei das wunderbare Vereinslied des SV Ochsenhausen, das ebenfalls komplett im oberschwäbischen Dialekt gesungen wird. „Elf vom Rottumstrand“ heißt es (hier nachzuhören), eine Anspielung auf die durch Ochsenhausen fließende Rottum. Der Song läuft hier rauf und runter. Gefällt mir sehr gut und dazu dieses richtig geile Klosterstadion mit seinen acht Stufen, einer alten Baggerkabine als Sprecherkabine und natürlich dem Kloster im Hintergrund. Enttäuschend nur, dass keine Gästefans dabei sind. Der VfB Friedrichshafen hat eigentlich eine Fan- und sogar eine kleine Ultras-Szene, allerdings ist das jetzt nicht das erste Auswärtsspiel, das ich sehe, bei dem die nicht dabei ist. Scheint so, als wären die Zeiten vorbei. Nach dem Spiel noch rein in den Getränkemarkt, denn die Brauerei-Dichte ist hier in Oberschwaben noch höher als anderswo in Württemberg, allerdings kommt man nur vor Ort an die seltenen Perlen. Die sind in den meisten Fällen nämlich nur streng regional unterwegs und mitunter nur 30 Kilometer um die Brauerei herum käuflich zu erwerben. Mit dem Zug geht’s ab Biberach wieder nach Hause, passenderweise direkt an der Ulmer Goldochsen-Brauerei vorbei (die ist nicht nur regional unterwegs, aber trotzdem sehr gut) und zumindest die hier auf der württembergischen Südbahn eingesetzten Züge zwischen Bodensee und Ulm vermitteln noch ein bisschen Lago-Atmosphäre, ist doch alles in Blau gehalten und die Toiletten wie der Bodensee gestaltet.























































