Deutschland, Kreisliga B Enz/Murr – Staffel 5 (10.Liga)
Mittwoch, 1. Mai 2024, 15 Uhr
Gerlingen, Maximilian-Zoißl-Stadion
Am 1. Mai schließt man sich in Baden-Württemberg traditionell mit seinen Kumpels zusammen, haut sich einen Handwagen voll mit Bierkisten und zieht dann durch die Landschaft. Genau wie am Vatertag, allerdings ufert es am 1. Mai noch ein bisschen mehr aus. Auf den Dörfern konstruieren die jungen Leute sogar kleine Almhütten, die auf Anhänger gesetzt und von Traktoren von Dorf zu Dorf gezogen werden – mit reichlich Alkohol und lauter Musik. Mein Fall ist das überhaupt nicht, aber ganz im Sinne des 1. Mai will ich die heutige Fahrt zum Fußball in ähnlicher Weise gestalten. Nicht mit auf einem dieser sogenannten Maiwagen, aber mit dem Besuch von möglichst vielen Bahnhofs- und U-Bahn-Kneipen im Ballungsraum Stuttgart. Da klar ist, dass in dem Fall der Fußball nur der Nebendarsteller sein wird und in Anbetracht meines zu erwartenden Zustands auch keine weiten Fußwege absolviert werden sollen, fällt meine Wahl auf den FC Gerlingen, dessen Maximilian-Zoißl-Stadion entgegen seines schön klingenden Namens nur ein Kunstrasenplatz mit zwei Stufen ist. Los geht es für mich in der Herrenberger Bahnhofskneipe mit dem ebenfalls schön klingenden Namen Signal – und in der gefällt es mir bereits so gut, dass die anvisierte Taktung deutlich nach unten korrigiert wird und es vor dem Spiel bei dieser einen Bahnhofskneipe bleibt. Sorry, Dampflöckle am Bahnhof Obertürkheim. In ähnlicher Mission, aber im Rahmen einer ganz traditionellen Maiwanderung sind auch viele Leute unterwegs, die das Heimspiel des FC Gerlingen besuchen. Manch ein Handwagen mit Bierkisten steht auf dem Sportgelände, dazu ist bei den meisten Zuschauern der Pegel hoch und die Laune gut. Solche Amateurspiele sind aber generell gerne Ziele von Maiwanderungen. Und dementsprechend sind die beiden Stufen im Maximilian-Zoißl-Stadion sehr gut besetzt. Kleiner seriöser Einwurf an der Stelle: Gerlingen ist einer der Vororte von Stuttgart, der vollständig mit der Landeshauptstadt verschmolzen ist. Hier gibt es wirklich den Fall, dass eine Straßenseite zu Gerlingen und eine zu Stuttgart gehört – wie man es eigentlich immer im Ruhrgebiet vermutet. Zudem ist Gerlingen an das Stuttgarter U-Bahn-Netz angeschlossen. Diese Ehre wird ansonsten nur Fellbach, Leinfelden-Echterdingen (mit dem Stuttgarter Flughafen), Remseck und Ostfildern zuteil. Dennoch gehört der FC Gerlingen, der bis 2016 noch FC Gehenbühl hieß (weshalb dieser Name noch auf sämtlichen Verkehrsschildern auftaucht), nicht zum Fußballbezirk Stuttgart, sondern Enz/Murr. Nach dem Spiel schaffe ich noch die unterirdisch gelegene Wikinger-Bierstube im U-Bahnhof Charlottenburg (noch mit D-Mark-Münztelefon), das Wirtshaus zum alten Bahnhof in S-Vaihingen (mit Biergarten direkt auf dem Bahnsteig – austrinken und einsteigen) und die schon nicht mehr fotografierte Ticketbar im alten Fahrkartenschalter des Bahnhofs Gärtringen, muss dann aber einräumen, mir etwas zu viel vorgenommen zu haben. Vier Kneipenbesuche sind halt nicht wie vier Spielbesuche.


































