DSC Arminia Bielefeld – SC Verl 0:0

Deutschland, 3.Liga (3.Liga)
Sonntag, 3. März 2024, 16.30 Uhr
Bielefeld, Stadion Alm

In diesem März heißt es für mich Abschied nehmen von Bielefeld, aber zwei Heimspiele auf der Alm nehme ich noch mit – und zwar in beiden Fällen Derbys. Während man das am 23. März auf der Alm steigende Halbfinale im Westfalenpokal gegen den Erzfeind Preußen Münster zweifelsohne als Derby bezeichnen kann, gilt das für das heutige Heimspiel gegen den SC Verl nur aus geografischer Sicht. Immerhin: So voll wie hier bekommen die Verler den Gästenblock bei keinem anderen Auswärtsspiel. Dabei gibt es durchaus auch eine Geschichte zwischen Arminia Bielefeld und dem SC Verl, nämlich jene in der Regionalliga-Saison 1994/95. Für mich persönlich ohnehin eine ganz besondere Saison, weil es die letzte war, die ich in Bielefeld erlebt hatte, ehe ich im Sommer 1995 als 13-Jähriger mit meiner Familie nach Baden-Württemberg zog. Aber auch die Liga an sich war eine ganz besondere, denn der DFB vollzog zur Saison 1994/95 eine Liga-Reform und führte die Regionalliga als neue, dritthöchste Spielklasse ein. Bis 1994 war die Oberliga die dritthöchste Spielklasse unter der 2.Bundesliga. Die Regionalliga bestand damals aus vier Staffeln, wobei der DFB bei der Einteilung vollkommen anders vorging als heute mit seinen fünf Staffeln. Ich würde mal sagen: noch unfairer. Denn auch damals bekamen die relativ kleinen neuen Bundesländer, die schon allein von der Einwohnerzahl her ja gerade einmal ein Fünftel von Deutschland ausmachen, eine eigene Staffel, während das große NRW mit seinen drei Landesverbänden eine gemeinsame Staffel mit Rheinland-Pfalz und seinen beiden Landesverbänden sowie dem Saarland bilden musste. Regionalliga West/Südwest nannte sich das riesige Gebilde, das aber genauso nur einen Aufsteiger in die 2.Bundesliga schicken durfte wie der Osten. Unfair, aber immerhin durfte jeder der vier Regionalliga-Meister damals direkt aufsteigen und das ist in der Tat besser als heute. Interessant: Die vier Regionalliga-Vizemeister spielten anschließend die deutsche Amateurmeisterschaft aus, die es inzwischen nicht mehr gibt. In der Regionalliga West/Südwest prallten damals absolute Welten aufeinander. West-Vereine wie Rot-Weiß Essen, Preußen Münster, Alemannia Aachen und Arminia Bielefeld mit damals noch starken Hooligan-Truppen trafen südwestdeutsche Dorfvereine wie den SV Edenkoben, den VfB Wissen, den SC Hauenstein und den FSV Salmrohr. Auch und gerade zu jener Zeit nahm mich mein Vater oft mit auf die Alm und die Arminia kristallisierte sich schnell als Meisterfavorit heraus. Hartnäckiger Verfolger war neben Rot-Weiß Essen ein Dorfverein, nicht jedoch aus dem Südwesten, sondern aus Ostwestfalen, nämlich der SC Verl. Mein größter Wunsch war es, am 1. Mai 1995 zum vorentscheidenden Duell zwischen dem SC Verl und Arminia Bielefeld an der Verler Poststraße mitzufahren, aber das wurde mir mit meinen da noch 12 Jahren nicht erlaubt. Mir blieb nur die Live-Übertragung im WDR sowie die anschließende Zusammenfassung bei „Sport im Westen“ (hier nachzusehen). Häufiger Fangesang in der Zeit: „Kling, Glöckchen, klingelingeling, kling, Glöckchen, kling. Arminia wird Meister, Verl wird Zweiter, Essen wird nur Dritter, oh, wie ist das bitter.“ Den habe ich noch heute im Hinterkopf. Am Ende wurde Rot-Weiß Essen sogar nur Vierter, der SC Verl aber tatsächlich Zweiter und Arminia Meister. Wenigstens durfte ich alleine zur Aufstiegsfeier am Bielefelder Rathaus, allerdings hatten wir ohnehin nur drei Straßenbahnhaltestellen von dort entfernt gewohnt. Kurz darauf erfolgte der Umzug nach Baden-Württemberg, die Arminia schaffte den direkten Durchmarsch in die Bundesliga, wurde immer weniger ein Bielefelder Stadtverein und mehr ein Provinzverein für ganz Ostwestfalen, so dass ich mich im Lauf der Jahre – auch durch die nun entstandene räumliche Distanz – immer weiter von der Arminia entfernt habe bzw. sie sich von mir. Lange Rede, kurzer Sinn: Das heutige Spiel gegen den SC Verl ist für mich persönlich durchaus ein besonderes, auch wenn sich seit jenem 1. Mai 1995 viel getan hat. Getan hat sich auch etwas mit dem Himmel über Bielefeld, denn es wird wieder wärmer und so ist der Siegfriedplatz vor dem Spiel wieder deutlich belebter. Es sitzen sogar schon die ersten Leute auf dem Boden, trinken ihr Bier und fachsimpeln über die Arminia. Auf der Alm ist der Gästeblock dann wie erwartet gut gefüllt, sogar besser als zuletzt gegen Dynamo Dresden. Supportmäßig tut sich trotz Vorsänger mit Megaphon allerdings nicht allzu viel, was man beim SC Verl ja aber auch gar nicht erwartet. Das hat für die heute halt ein bisschen Volksfestcharakter – mit mehrheitlich Leuten, die sonst nicht dabei sind. Anders sieht es natürlich auf Heimseite aus. 22.569 Zuschauer sind da, auch das sind mehr als bei den vergangenen Heimspielen. Die Stimmung auf der Südtribüne ist gut, dazu trägt der Spielverlauf bei, denn immerhin gibt’s heute einen Punkt, der im Abstiegskampf sehr hilft. Als passend empfinde ich es, aufgrund dieses für mich so besonderen Spiels danach noch zum Bielefelder Rathaus zu gehen, vor dem ich im Sommer 1995 bei der Aufstiegsfeier stand, und die Freundin zum dortigen Mexikaner einzuladen, womit dieser Tag einen sehr passenden Abschluss findet.