Deutschland, Regionalliga Bayern (4.Liga)
Samstag, 14. Oktober 2023, 14 Uhr
Aubstadt, Schulstadion
Ich halte nichts von Bayern-Bashing und auch nicht von Regionalliga-Bayern-Bashing, aber eines muss man ganz klar sagen: Der TSV Aubstadt erfüllt da wirklich alle Klischees. Gleich wenn man in das 700-Einwohner-Örtchen nahe des Dreiländerecks Bayern-Thüringen-Hessen hineinfährt, steht praktisch mitten auf dem Feld ein Wegweiser mit der Aufschrift „Gästeblock“ – mehr Fremdkörper in so einem Dorf geht nicht. Exemplarisch ist auch die Haupttribüne des Schulstadions, bei der es sich nur um ein Stahlrohrkonstrukt mit einer Zeltplane darüber handelt. Sieht furchtbar aus, aber ist halt notwendig, um die absurden Regionalliga-Auflagen zu erfüllen. Gleiches gilt für die aufgehängten Fluchtweg-Pläne an den Zäunen, hinter denen sofort der gepflügte Acker beginnt. Kein Mensch braucht auf offenem Feld einen Fluchtweg-Plan, aber vermutlich ist auch das eine Auflage. Der TSV Aubstadt kann freilich nichts dafür und letztendlich ist die Grundsatzentscheidung des DFB, die Spitze des Amateurfußballs unterhalb der 3.Liga möglichst breit aufzustellen, verantwortlich dafür, dass wir in Deutschland nun fünf Regionalligen haben, dann Vereine aus 700-Einwohner-Orten in der vierthöchsten Spielklasse spielen und es derart seltsam aussieht, wenn diese vorgegebene Auflagen erfüllen. Wenn der DFB sagt, dass zwei oder drei Regionalligen zu wenig sind, kann der Zuschnitt im föderalen Deutschland eigentlich nur unglücklich werden. Einzelne Bundesländer kann man nicht zerschneiden, womit NRW und Bayern per se jeweils eine eigene Regionalliga bekommen. Der NOFV möchte sich auch nicht zerschneiden lassen und ebenfalls eine Regionalliga haben. Es bleibt ein viel zu großes Gebiet im Süden und Südwesten übrig, das aus sieben (!) Landesverbänden besteht (Saarland, Südwest, Rheinland, Hessen, Württemberg, Südbaden, Baden). Dass das letztendlich den gleichen Status haben soll wie die Regionalliga Bayern mit eben solchen Vereinen aus 700-Einwohner-Orten und womöglich auch noch die gleiche Zahl an festen Aufsteigern (was glücklicherweise nicht so ist), ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Konkret gesagt: So lange der DFB an dieser Grundsatzentscheidung festhält, dass die Amateur-Spitze möglichst breit sein soll, ist es eine mathematisch unlösbare Aufgabe, eine gerechte Regionalliga-Aufteilung hinzubekommen.Aber zurück nach Aubstadt, denn dort wird heute tatsächlich auch „richtiges“ Regionalliga-Flair geboten: Im Gästeblock ist etwas los! Bei der Spvgg Ansbach gibt es inzwischen eine Ultras-Szene und die ist mit etwa 20 Leuten in Aubstadt vertreten. Macht Laune und macht auch optisch etwas her! Auf Heimseite sorgt derweil der sogenannte Fanclub Widerwärtig für ein Grinsen. Die sind zwar passiv, sind aber mit ihrer prominent oberhalb der Eckfahne aufgestellten Fanclub-Bank mit davor in den Boden gesteckten Bierbecherhaltern und einer eigenen Werbebande durchaus ein Hingucker.


























