Deutschland, Kreispokal Hagen (2.Runde)
Dienstag, 17. Oktober 2023, 19.30 Uhr
Hagen in Westfalen, Stadion Helfe
Wieder was gelernt! Eigentlich dachte ich, dass der SV Boele/Kabel so etwas wie der Werksverein eines großen lokalen Kabel-Unternehmens ist, was ja im Ruhrgebiet durchaus plausibel wäre. Tatsächlich aber sind Boele und Kabel zwei Stadtteile im Hagener Norden. Ohnehin ist heute vor dem Spiel etwas Recherche notwendig, denn bei solchen Pokal-Spielen ist ja immer recht interessant, welche Spielklassen da aufeinandertreffen. Und in diesem Fall wartet wieder ein ungleiches Duell, nämlich zwischen Kreisliga A und Bezirksliga. Mit dem Zug geht’s also in die Stadt, die den Ruf hat, die hässlichste des Ruhrgebiets zu sein. Sinnbildlich steht dafür der Hagener Hauptbahnhof. Dass selbst das Dach undicht ist und es reinregnet, sagt schon alles. Allerdings auch ein Stück Industriegeschichte, denn Hagen übernahm mit seiner Lage im Süden des Ruhrgebiets eine enorm wichtige logistische Aufgabe. Über Hagen gelangten die Erze aus dem Siegerland in die Hüttenwerke des Potts und umgekehrt die Ruhrkohle in die südwestfälischen Metallwerke. Einst fuhren die Güterzüge im Minutentakt durch Hagen, das mit dem Bahnhof Vorhalle den bis heute wichtigsten Güterbahnhof des Ruhrgebiets besitzt. Viel vom Industrie-Glanz vergangener Tage ist nicht übriggeblieben, aber ein paar alte Fotos im Hagener Hauptbahnhof zeigen eindrucksvoll, dass es hier mal ganz anders aussah – auch wenn man sich das gerade bei dieser Stadt und ihrem Ruf nur schwer vorstellen kann. Stilecht noch einen Döner im Bahnhofsviertel eingeworfen, weil der bei Bahnreisen obligatorische Zeitpuffer heute ausnahmsweise nicht gebraucht wird, und dann ab mit dem Bus in den Stadtteil Helfe. Das dortige Stadion dient aktuell dem Al-Seddiq SV Hagen, dem FC Bosna Hagen und eben dem SV Boele/Kabel als Heimstätte. Leider musste es in den vergangenen Jahren Federn lassen: Die Stehplatzränge neben der Tribüne wurden abgerissen. Aber die Tribüne an sich steht noch und ist schwer in Ordnung. Ganz klar einer der besseren Grounds im Ruhrgebiet. Und auch auf dem Platz gibt es heute einiges zu sehen, denn der Underdog geht in der 12. Minute etwas überraschend in Führung und schafft es tatsächlich, diese bis zum Abpfiff zu halten. Gerecht ist das eigentlich nicht, weil nur auf das Tor der Hausherren gespielt wird, aber die wehren sich mit Leibeskräften und vor allem den nötigen Quäntchen Glück, so dass der FC Herdecke/Ende tatsächlich ausscheidet. Unverdient, aber für die Zuschauer ein richtig geiles Spektakel und spannend bis zur allerletzten Sekunde.




















