TV Kemnat – TSV Jahn Büsnau II

Deutschland, Kreisliga B Stuttgart – Staffel 1 (10.Liga)
Dienstag, 14. Mai 2024, 19.30 Uhr
Ostfildern, Sportanlage Scharnhauser Park

Und auch heute betrete ich wieder ganz persönliches Neuland in Fußball-Stuttgart. Die künstliche Gemeinde Ostfildern, die sich seit 1975 aus den vormals selbstständigen Gemeinden Kemnat, Nellingen, Ruit und Scharnhausen zusammensetzt, gehört zwar gar nicht zu Stuttgart, sondern liegt im Landkreis Esslingen, ist aber praktisch mit Stuttgart zusammengewachsen und als einer der wenigen Vororte an das Stuttgarter U-Bahn-Netz angeschlossen. In eben jener U-Bahn saß ich einst fast jede Woche, fährt sie doch vom Hauptbahnhof zum Waldaustadion, allerdings bin ich in den vergangenen 25 Jahren auf besagter Linie nie über die Stadtgrenze hinausgefahren. Diese Premiere ereignet sich heute und somit bekomme ich zum ersten Mal Scharnhauser Park zu Gesicht. Bis zum Zweiten Weltkrieg nutzte die Luftwaffe das Gelände, dann übernahm es die US-Armee, deren Oberkommando für Europa (EUCOM; European Command) ja ganz in der Nähe in S-Vaihingen sitzt. Die Amerikaner zogen 1992 ab, kurz darauf wurden auf dem Areal die Sportler der 1993 in Stuttgart stattfindenden Leichtathletik-WM einquartiert (quasi ein olympisches Dorf) und schließlich zu einer Modellstadt entwickelt, die 2006 zu einem eigenständigen Stadtteil von Ostfildern wurde. Im Klartext: Hier wurde innerhalb nur weniger Jahre eine extrem moderne Kleinstadt für über 8.000 Einwohner hochgezogen. Das hat teilweise schon Dubai-Vibes. Ich bin ja eigentlich kein Freund von moderner Architektur, aber hier finde ich das schon beeindruckt, wie aus einer grünen Wiese in Sim-City-Manier ein Wohnkubus nach dem anderen entstanden ist. Sehr zur Entwicklung beigetragen hat, dass Ostfildern 2002 die baden-württembergische Landesgartenschau ausgerichtet hat – und zwar in Scharnhauser Park. Ein Teil des Landesgartenschaugeländes wurde in Sportplätze umgewandelt, so dass westlich des Stadtteils nun fünf Plätze stehen. Die beiden nördlichsten haben allerdings nichts damit zu tun, denn bei ihnen handelt es sich um die Landessportschule Ruit des Württembergischen Fußballverbands, die dort schon seit 1948 steht, allerdings nahtlos in die drei LGS-Plätze übergeht. Den südlichsten Platz (Kunstrasen) nutzt der TV Kemnat regelmäßig für seine Heimspiele. Der hat zwar in seinem Stadtteil einen eigenen Sportplatz, den er ebenfalls nutzt, allerdings gibt es in Scharnhauser Park keinen Fußballverein und ich nehme an, dass man sich hier zeigen möchte, um das Potenzial zu nutzten. Hier leben wie gesagt über 8.000 Einwohner. Passend zum Stadtteil ist auch die Sportanlage in Scharnhauser Park sehr modern. Kernelement ist ein mit Solarpanelen gedecktes Dach, das drei Stufen und die Umkleidekabinen überdacht. Alles hervorragend in Schuss, allerdings scheint der Stadtteil nicht so richtig Lust auf den TV Kemnat zu haben, denn zu seinem heutigen Heimspiel gegen Jahn Büsnau II kommen keine 30 Zuschauer. Catering findet nicht statt, alles wirkt recht trostlos. Man muss aber dazu sagen: Scharnhauser Park existiert erst seit ein paar Jahren, die Einwohner sind unter Umständen nicht regional verwurzelt und obendrauf – wenn man sich so den Zustand der Wohnungen und die davor parkenden Autos anschaut – gut betucht. Da hält sich das Interesse an einem Zehntligisten naturgemäß in Grenzen.