DSC Arminia Bielefeld – SV Rödinghausen 4:0

Deutschland, Westfalen-Pokal (Viertelfinale)
Mittwoch, 15. November 2023, 19 Uhr
Bielefeld, Stadion Alm

Die Arminia möchte wieder in den DFB-Pokal, drei Siege im Westfalen-Pokal fehlen dafür noch. Im Viertelfinale bekommt sie es mit Regionalligist SV Rödinghausen zu tun und da im westfälischen Landespokal die Regel gilt, dass der unterklassige Verein ab dem Viertelfinale nicht mehr automatisch Heimrecht hat, findet dieses Spiel tatsächlich auf der Alm statt. Und da ich die dortigen Flutlichtspiele inzwischen ja durchweg mitnehme, muss ich also auch heute ran. Die Arminia-Ultras haben bereits angekündigt, ihren Verein im Westfalen-Pokal nicht zu unterstützen. Ich halte das für komplett bescheuert, zumal es sich dabei um Pflichtspiele handelt und das Erreichen des DFB-Pokals sowohl sportlich als auch finanziell wichtig für den Verein ist. Auch hat Arminia angekündigt, gegen den SV Rödinghausen nur die Gegengerade und die Südtribüne der Alm zu öffnen, wobei man die Gästefans im Eck der Gegengerade unterbringen will. Triste November-Stimmung herrschte heute schon auf dem Siegfriedplatz im Bielefelder Westen, der eigentlich der große Treffpunkt vor Arminia-Heimspielen ist, doch heute nur gähnende Leere. Es gehört zum Lebensgefühl Arminia, vom „Siggi“ aus zu Fuß an den Altbauten des Westens vorbei zur Alm zu gehen. In der Hymne „Für immer“ (hier nachzuhören) heißt es daher schon gleich am Anfang: „Der Weg ist immer der gleiche, an den Häusern im Westen entlang.“ Ebene jene Altbauten des Westens sind daher auch an der Rückwand der Gegentribüne auf der Alm abgebildet. Da eben jene Gegentribüne ohnehin mein „Stammplatz“ auf der Alm ist, passt das für mich ganz gut, dass sie heute nicht geschlossen ist. Mit ihr verbindet mich auch ganz persönliche Geschichte, denn der Vorgängerbau war die alte Haupttribüne der Alm und auf der hatte mein Vater in den 80ern und 90ern eine Dauerkarte. Schon im Kindergartenalter hatte mich mein Vater immer mal wieder mit auf die Alm genommen und so ist die Tribüne sozusagen meine ganz persönliche Fußball-Wiege. Hier habe ich irgendwann um das Jahr 1987 herum das erste Spiel meines Lebens gesehen. Bei Alm-Besuchen versuche ich daher immer, möglichst nah an der Stelle der Tribüne zu sein, an der einst mein Vater immer gesessen hat. Dass man von dort aus auch den besten Blick auf Heim- und Gästeblock hat, ist ein nettes Zubrot. Den Blick kann ich mir heute allerdings sparen, denn auf der Süd ist lediglich der Unterrang geöffnet und damit nicht der Bereich, in dem die Ultras stehen. Der Unterrang ist zwar gut gefüllt, es hängen ein paar wenige Zaunfahnen, aber Stimmung kommt wie erwartet keine auf – abgesehen von den üblichen „Bielefeld, Bielefeld“-Schlachtrufen, die aber nur situationsbezogen kommen. Schönes Beispiel dafür, wie deutsche Stadien heute ohne Ultras aussehen würden, nämlich trist. Quasi direkt neben mir hat man die Rödinghausener untergebracht, die aber was Anzahl und Stimmung betrifft komplett enttäuschen. Für die müsste das hier ja eigentlich so eine Art Saison-Highlight sein. Dafür sind es aber verdammt wenige und die sind verdammt unmotiviert. Deutlich motivierter sind dafür die Ordner, die lange Zeit eine strikte Fantrennung hin zum Gästeblock praktizieren. Völlig sinnlos, weil man ohnehin zum gleichen Bierstand geht und auch an den Aufgängen nicht kontrolliert wird, so dass jeder, der wirklich Stress suchen sollte, als Armine einfach von draußen in den Gästeblock spaziert oder als Rödinghausener einfach von draußen auf die Gegengerade spaziert. Wichtig ist nur, mit massiver Ordnerpräsenz auf der Tribüne den Schein zu wahren. Äußerst angenehm dafür, dass die Arminia heute nur den Süd-Eingang öffnet. Das ist der nächstgelegene Eingang, wenn man vom „Siggi“ kommt, und ich weiß noch, dass durch ihn in den 80ern und 90ern alle Heimzuschauer ins Stadion gegangen sind. Macht ja auch Sinn, weil man sich hinter den Tribünen ohnehin frei bewegen kann – damals wie heute. Stattdessen schickt man heute aber bei normalen Spielen die Gegengerade-Besucher einmal halb ums Stadion rum zum West-Eingang, was mich wirklich jedes Mal aufregt. Wie gesagt: Innen kann man sich dann sowieso frei bewegen und dort auch einfach zum Süd-Eingang gehen. Um Personal zu sparen, macht man das heute allerdings nicht. Die Ordner werden schließlich gebraucht, um den Gästeblock abzusichern. Haha. Sportlich ist es vor offiziell 5.022 Zuschauern eine eindeutige Sache für die Arminia, die nun im Halbfinale zu Hause auf den Erzfeind Preußen Münster trifft. Ich bin sehr gespannt, ob die Ultras dann auch wieder fernbleiben werden. Ich spaziere nach Spielende noch ein bisschen durch den fast menschenleeren Bielefelder Westen, in dem es sich so gar nicht nach Arminia-Heimspiel anfühlt.