SG Aufhausen/Holzschwang – TSV Neu-Ulm 2:3

Deutschland, Bezirksliga Donau/Iller (8.Liga) 
Dienstag, 4. Juni 2024, 18 Uhr 
Neu-Ulm, Sportplatz Holzschwang 

Ich weiß nicht, wer von uns auf die seltsame Idee gekommen ist, an einem Dienstag nach der Arbeit hastig nach Bayern zu düsen, um sich dort ein popeliges Bezirksligaspiel mit der frühen Anstoßzeit 18 Uhr anzuschauen. Ich war’s nicht – aber ich bin begeistert. Es geht also im dichtesten Feierabendverkehr im Rallye-GTI über den stauanfälligen Aichelberg in den Neu-Ulmer Ortsteil Holzschwang. Zu Gast ist dort heute der große TSV Neu-Ulm, der aktuell (mal wieder) in die Bezirksliga abgestürzt ist. Aus kulturhistorischen Gründen nimmt der gesamte Landkreis Neu-Ulm am württembergischen Spielbetrieb teil. Man gehört zwar politisch zu Bayern, ist aber voll auf Ulm und damit auf Württemberg ausgerichtet. Einzige Ausnahme ist der FV Illertissen, der 2012 das unmoralische Angebot des Bayrischen Fußballverbands annahm und somit von der Oberliga Baden-Württemberg direkt in die Regionalliga Bayern wechseln durfte – als Tabellenvierter. Ihr wisst ja: Im deutschen Fußball geht immer alles mit rechten Dingen zu. Der Rest des Landkreises Neu-Ulm blieb dem WFV aber treu und so sehen wir heute ein bayrisches Stadtderby in einer württembergischen Bezirksliga. Die Anlage des Holzschwanger SV macht dabei richtig Laune, vor allem bedingt durch fünf mit Sitzschalen versehene Stufen, aber auch die Bierbude erfreut uns mit Aperol Spritz. Da fühlt man sich bei bestem Sonnenwetter schon ein bisschen wie am Lago di Garda. Sofort zurück nach Bayern holt uns aber das After-Game-Programm, denn da der Abpfiff ja schon vor 20 Uhr erfolgt und wir uns im Land von Schweinsbraten mit Knödeln befinden, checken wir noch in einem urigen Wirtshaus ein. Bayern, des samma mia! 






 

SV Schwarz-Weiß Mühlburg – TV Mörsch 1:0

Deutschland, Kreisklasse B Karlsruhe – Playoffs (10.Liga) 
Montag, 3. Juni 2024, 18.30 Uhr 
Walzbachtal, Walzbachstadion 

Relegation im Fußballkreis Karlsruhe – jedes Jahr ein Hochgenuss. Die hat ihren ganz eigenen Modus, denn es spielen drei Mannschaften innerhalb von wenigen Tagen um den Aufstieg. Verein A spielt gegen Verein B auf neutralem Platz, und zwar auf dem Platz von Verein C, der ja gerade spielfrei hat. Danach spielt Verein B gegen Verein C auf dem Platz von Verein A und schließlich Verein C gegen Verein A auf dem Platz von Verein B. Das sorgt für großen Zuschauerandrang, weil ja nicht nur die Leute der beiden spielenden Vereine Interesse am Ausgang der Partie haben, sondern auch das Heimpublikum. Obendrauf profitiert jeder der drei Vereinen einmal von Catering- und Zuschauer-Einnahmen. Inzwischen hat sich mit den Relegationsmarathonlern sozusagen ein eigener Fanclub dieser Relegation gegründet (darunter auch deutschlandweit bekannte Typen wie Ronny Walter vom FC-Bayern-Fanclub Adlern Bretten), die in einheitlichen T-Shirts so viele Relegationsspiele wie möglich in Karlsruhe und den angrenzenden Fußballkreisen mitnehmen. Kultstatus! Auch unsere kleine (nicht einheitlich gekleidete) Truppe ist heute mit dabei, um sich das Aufeinandertreffen zwischen Schwarz-Weiß Mühlburg aus Karlsruhe und dem TV Mörsch im Walzbachstadion des spielfreien FV Wössingen anzuschauen. Sehr feine und schon kräftig angestaubte Anlage mit kleiner Tribüne und Stehstufen. An diesem ersten der drei Spieltage ist noch alles offen, gemessen daran hätte ich mit etwas mehr Zuschauern gerechnet. Allerdings ist Montag um 18.30 Uhr auch keine optimale Anstoßzeit. Aber das ist der Malus von diesem Modus: Das Spiel muss zwangsläufig auf dem Platz des dritten Vereins stattfinden und wenn der kein Flutlicht besitzt, muss man früher anpfeifen. 







 

GFV Ermis Metanastis Stuttgart – TSV Heumaden 2:0

Deutschland, Kreisliga A Stuttgart – Staffel 2 (9.Liga) 
Sonntag, 2. Juni 2024, 15 Uhr 
Stuttgart, FV-Platz 

Von den letzten Überresten des Stuttgarter Allianz-Stadions geht es hinauf auf die Waldebene Ost, wo ebenfalls große, aber längst untergegangene Fußballgeschichte der Stadt wartet. Drei Orte in Stuttgart gibt es, an denen sich die Historie ballt: der Wasen, die Waldau und die Waldebene Ost. Dreimal W. Der Wasen ist die Wiege des Stuttgarter Fußballs. Der ehemalige Exerzierplatz der königlich-württembergischen Armee bot vor gut 130 Jahren den nötigen Platz, damit Jugendliche und junge Erwachsene erstmals Fußball spielen konnten. Die Wurzeln fast aller Stuttgarter Fußballvereine der ersten Stunde liegen dort, sogar die der Kickers, obwohl die heute gar nicht mehr mit Bad Cannstatt in Verbindung gebracht werden. Der VfB gehörte übrigens nicht dazu, denn der siedelte sich erst nach dem Ersten Weltkrieg dort an und spielte zuvor in S-Münster. Erst mit dem 1933 abgeschlossenen Bau des Neckarstadions fasste der VfB endgültig Fuß auf dem Wasen. Gebaut wurde das Neckarstadion aber nicht für den VfB, sondern für das Deutsche Turnfest, für das in Stuttgart endlich ein großes, für alle Vereine nutzbares Stadion gebaut wurde – so zumindest die ursprüngliche Konzeption. Natürlich nicht zufällig auf dem Wasen, denn die Wiege des Stuttgarter Fußballs hat nun mal so viel Sporttradition wie kein anderer Ort in der Stadt. Die alteingesessenen Wasen-Vereine waren da aber schon längst ausgezogen, weil die Kapazitäten nicht mehr ausreichten. Für sie wurden zwei weitere Sammelpunkte als neue Heimat angelegt: die Waldau, wohin Kickers, Sportfreunde und Eintracht zogen, und die nicht weit entfernte Waldebene Ost. Dorthin zog es unter anderem auch den 1896 gegründeten Stuttgarter FV, der der älteste Fußballvereins Stuttgarts ist. Nicht zu verwechseln ist er mit dem 1893 gegründeten FV Stuttgart, der 1912 mit dem Cannstatter Kronen-Club zum VfB Stuttgart fusionierte. Warum ist der 1896 gegründete Stuttgarter FV älter als der 1893 gegründete FV Stuttgart? Entgegen seinem Namen spielte der FV Stuttgart kein Fußball, sondern Rugby. Wir reden hier von den absoluten Anfangstagen des Fußballs, in denen man sich noch nicht so ganz im Klaren über die Regeln war und ob sich der Fußball in Deutschland nicht doch eher in Richtung Rugby entwickelt. Das, was man damals Fußball nannte, konnte wie in diesem Fall also durchaus auch Rugby sein. Interessant in diesem Zusammenhang: Die Kickers gründeten sich 1899 als reiner Fußballverein, es gab jedoch auch dort Mitglieder, die zum Rugby tendierten. Als 1902 die Vollversammlung der Kickers Rugby endgültig ausschloss, traten die enttäuschten Rugby-Befürworter bei den Kickers aus und in den Rugby bevorzugenden FV Stuttgart ein, aus dem dann ja 1912 der VfB wurde – die Urwurzel der Stuttgarter Rivalität zwischen Rot und Blau. Zurück zum Stuttgarter FV, der von 1896 bis 1924 noch Süddeutscher FC Stuttgart hieß und in dieser Zeit durchaus erfolgreich war, aber stets im Schatten der Kickers blieb, die bis zum Ersten Weltkrieg jedes Jahr württembergischer Meister wurden. 1924 fusionierte der Süddeutsche FC mit dem VfR Stuttgart zum Stuttgarter FV. Der Name war durch die 1912 vollzogene Fusion von FV Stuttgart und Cannstatter Kronen-Club zum VfB frei geworden. Groß in Erscheinung treten konnte der Stuttgarter FV, der schließlich noch das „1.“ vor seinen Namen stellte, danach nicht mehr und so ging er 2021 in der Fusion der noch übriggebliebenen Vereine von der Waldebene Ost (SV Gablenberg, Spvgg Stuttgart-Ost, 1.Stuttgarter FV) zum FSV Waldebene Ost auf. Dadurch lag auch zunächst auch sein Sportplatz brach, der inzwischen nur noch ein belangloser Kunstrasenplatz ist, ehe der Griechische FV Ermis Metanastis Stuttgart von der Kesselstraße in S-Wangen hierhinauf zog. Dadurch ist wieder Leben auf dem FV-Platz eingezogen und es gibt wirklich erstklassige Souvlaki, aber man muss ehrlichen sagen: Historischen Charme hat der Platz keinen und wenn man nicht weiß, dass hier bis vor Kurzem der älteste Stuttgarter Fußballverein gespielt hat, wird man hier gar nichts Besonderes finden. 


 

MK Makedonija Stuttgart – Spvgg Möhringen 1:5

Deutschland, Kreisliga A Stuttgart – Staffel 2 (9.Liga) 
Sonntag, 2. Juni 2024, 13 Uhr 
Stuttgart, Allianz-Stadion – Platz 4 

2019 verschwand ein Stuttgarter Verein von der Bildfläche, der durchaus Tradition hatte und nach der Jahrtausendwende die sportliche Nr.3 der Stadt hinter VfB und Kickers war: der TSV Georgii Allianz Stuttgart. Gegründet wurde er bereits 1899 als Betriebssportverein der Versicherungsgruppe Stuttgarter Verein. Es heißt, dass der Betriebssportverein eine hervorragende Infrastruktur mit einem der modernsten Vereinsheime Süddeutschlands besaß. Das befand sich oben auf der Waldau, wo mit Kickers, Sportfreunde und Eintracht mehrere Stuttgarter Fußballvereine der ersten Stunde angesiedelt wurde, weil dort unter dem später gebauten Fernsehturm einfach genügend Platz vorhanden war. Noch heute gibt es ja rund um das Kickers-Stadion eine hohe Konzentration an Sportplätzen. Bedingt durch die Hyperinflation der 1920er-Jahre fusionierte der Stuttgarter Verein 1927 mit der Allianz-Versicherung zur damals größten deutschen Versicherung Die Verhandlungen aufseiten des Stuttgarter Vereins führte Max Georgii, der als begeisterter Sportler auch den Betriebssportverein der Versicherung sehr förderte. Sein Vater Theodor Georgii war ein Pionier der damals entstehenden Sportbewegung und der allererste Vorsitzende der Deutschen Turnerschaft. Problem bei der Fusion der Versicherungen: Auch die Allianz hatte einen eigenen Betriebssportverein. Für die wohl nicht einfache Zusammenführung der beiden Betriebssportvereine war ebenfalls Max Georgii zuständig. Es dauert bis 1932, bis man sich endlich einig wurde und sich zu einem gemeinsamen, nach Georgii benannten Betriebssportverein zusammenschloss. Der zog 1934 nach Stuttgart-Vaihingen in sein neu errichtetes Allianz-Stadion um, direkt neben die Sportanlagen des SV Vaihingen und des TSV Rohr, wo somit ein sportlich interessantes Dreieck entstand. Der TSV Georgii Allianz war dabei meist der erfolgreichste Verein aus diesem Dreieck, brachte Talente hervor wie Alexander Blessing (aktuell Trainer beim FC Sankt Pauli) und spielte zuletzt von 2003 bis 2007 in der damals sechstklassigen Landesliga. Dann begann der Niedergang. 2016 gab der Allianz-Konzern den Abriss des Allianz-Stadions bekannt, um dort ein neues Bürogebäude zu errichten. 2019 meldete sich der TSV Georgii Allianz vom Spielbetrieb ab, die Jugendspieler wechselten zum benachbarten SV Vaihingen. Oder wie es sauber heißt: Man ging eine Jugend-Kooperation ein. Übrig geblieben ist vom Allianz-Stadion (dessen Hauptplatz ich glücklicherweise noch zu Landesliga-Zeiten gemacht habe – mal wieder die Gnade der frühen Geburt) nur noch der ausbaulose Platz 4, auf dem neuerdings der MK Makedonija Stuttgart spielt. Es ist ungewiss, wie lange das der Fall sein will, denn Deutschlands vermutlich einziger mazedonischer Verein ist nicht wirklich glücklich mit dem neuen Standort. Denn eigentlich kommt der MK Makedonija aus S-Zuffenhausen, also vom genau anderen Ende der Stadt. Interessant noch an der Stelle: Mit dem MK Makedonija (Mazedonien), dem FK Sarajevo (Bosnien), dem OFK Beograd (Serbien), dem KF Ilirida (Kosovo) sowie Croatia und dem HNK Slaven (Kroatien) dürfte Stuttgart wohl auch die einzige Stadt sein, in der es Fußballvereine aus fünf verschiedenen ehemaligen Teilrepubliken Jugoslawiens gibt. 




 

MTV Stuttgart – Donzdorfer JC 2:1

Deutschland, Landesliga Württemberg – Staffel 2 (7.Liga) 
Samstag, 1. Juni 2024, 15.30 Uhr 
Stuttgart, Sportanlage Kräherwald 

Der Stuttgarter Fußball enttäuscht einen sogar dann, wenn man enttäuscht werden will. Warum? Viele Stuttgarter Vereine spielen nicht mehr auf ihren Hauptplätzen, sondern auf ihren seelenlosen, meist rundum von Zäunen eingegitterten Kunstrasen-Nebenplätzen. Glücklicherweise habe ich die Gnade der frühen Geburt und war schon zu einer Zeit beim Stuttgarter Fußball unterwegs, als noch regelmäßig auf Hauptplätzen gespielt wurde. Ich habe da wirklich ernsthaft Mitleid mit jüngeren Stuttgarter Hoppern, die einfach so gut wie keine Chance mehr haben, die Hauptplätze zu machen und denen dadurch reihenweise Grounds in der Stadt fehlen. Der Hauptplatz der Sportanlage am Kräherwald des MTV Stuttgart gehört zu den Plätzen, die ich schon vor zig Jahren gemacht habe, so dass ich in froher Erwartung zum letzten Landesliga-Spieltag fahre, um den belanglosen Kunstrasen-Nebenplatz zu machen. Der ist eigentlich die angesprochene Enttäuschung, fehlt aber halt noch in der Sammlung. Ich kann dann aber kaum meinen Augen trauen, dass der Männerturnverein trotz absolut beschissenem Regenwetter auf dem Hauptplatz spielt. 99 Prozent freuen sich darüber, ich in diesem Fall nicht. Der MTV Stuttgart ist ein Mehrspartenverein, vor allem bekannt durch seine Volleyball-Abteilung, die in der Bundesliga spielt. Weil der MTV sämtliche Sportarten anbietet und ein eigenes Fitnessstudio betreibt, für dessen Benutzung man Mitglied sein muss, ist er mit über 9.000 Mitgliedern der zweitgrößte Verein Stuttgarts – noch vor den Kickers, die nicht einmal halb so viele Mitglieder haben. Viel sieht man von dieser Masse heute aber nicht, denn es sind keine 50 Zuschauer da. In der Landesliga. Man muss dazu sagen: Es geht an diesem letzten Spieltag sportlich um nichts mehr, das Wetter ist beschissen und der Donzdorfer Jugendclub bringt als Migrantenverein (auch wenn der Vereinsname das gar nicht suggeriert) praktisch keine Gästefans mit. Dennoch: Niedrige Zuschauerzahlen sind in Stuttgart absolut normal – und da enttäuscht dann auch der MTV wie erwartet.