FK CSKA Sofia – FK Pirin Blagoevgrad 3:0

Bulgarien, Parva Liga (1.Liga)
Freitag, 21. Juli 2023, 19 Uhr
Bistrica, Stadion Vitosha

Am nächsten Morgen geht es von Gabrovo mit dem Zug zurück nach Sofia. Wieder in uralten Zügen, wieder mit Umstiegen an völlig aberwitzigen Bahnhöfen. Bulgarien ist wirklich der Knaller! Heutiges Fußball-Ziel ist der CSKA Sofia und da es den derzeit doppelt in der 1.Liga gibt, ist eine Erklärung nötig. Der CSKA (Zentraler Armee-Sportklub) ist mit 31 Titeln bulgarischer Rekordmeister, geriet aber 2015 in richtig krasse finanzielle Schwierigkeiten und wurde aufgelöst. Ein Investor erwarb daraufhin die Lizenz des Zweitligisten Litex Lovech (Europapokal-Gegner von Union Berlin in der Saison 2001/02), verlegte dessen Sitz nach Sofia und nannte ihn um in CSKA Sofia. Das gefiel nicht jedem in der Fanszene, so dass Fans einen weiteren Verein mit dem Namen CSKA Sofia gründeten – also ein bisschen der Weg von Austria Salzburg. Interessanterweise entschied sich die Mehrheit der Ultras aber nicht für den Fan-CSKA, sondern für den Litex-CSKA. Völlig irre, dass sich Ultras für die kommerzielle Variante entscheiden, aber das sagt halt auch viel darüber aus, wie die Ultras in Bulgarien allgemein und speziell beim CSKA ticken. Finanziell gut ausgestattet gelang dem Litex-CSKA schnell der Aufstieg in die 1.Liga, aber auch der Fan-CSKA ist dort nun angekommen. Sehr spannende Konstellation. Während dem Litex-CSKA die Massen folgen und er im angestammten Stadion der bulgarischen Armee spielen darf, hat der Fan-CSKA nur eine sehr kleine Gefolgschaft und spielt in verschiedenen Stadien in und um Sofia. Aktuell nutzt man das Stadion Vitosha im Vorort Bistrica. Vitosha ist der bis zu 2.290 Meter hohe Gebirgszug vor den Toren Sofias, nach dem auch der zentrale Prachtboulevard von Sofia benannt ist. Ebenfalls nach dem Vitosha-Gebirge benannt ist die Endstadion der Metro-Linie 2, von der aus ein Bus (Linie 98) alle 30 Minuten zum Stadion in Bistrica fährt. Dauert etwa eine halbe Stunde. Im Stadion erschrecke ich mich regelrecht, wie wenig los ist. Support gibt es im Prinzip gar nicht, auch wenn sich hinter einem Tor ein paar Jungs mit Zaunfahnen zusammengefunden haben. Ich bin immer noch ein bisschen baff, warum niemand zum Fan-CSKA geht, obwohl dieser nun ja auch in der 1.Liga spielt und er doch eigentlich die richtigen Werte vertritt. Die Tatsache, sich in einem derart kleinen Stadion eingenistet zu haben, zeigt aber auch, dass man gar nicht mehr damit rechnet, irgendeine Relevanz zu haben. Und dass das Stadion Vitosha eine längerfristige Lösung sein soll, sieht man auch daran, dass man hinter der Tribüne hochwertige Banner aufgespannt hat, auf denen anhand von Fotos die Vereinsgeschichte des CSKA seit 1948 darstellt ist. Nach dem Spiel schlendere ich noch ein bisschen durch das Stadtzentrum rund um die zentrale Metro-Station Serdika. Es ist nicht mein erstes Mal in Sofia und ich werde in den kommenden Tagen noch ausführlich Zeit für die Stadt haben, aber ein bisschen Stimmung einfangen macht ja immer Spaß. Serdika war der Name von Sofia in der Antike und rund um die gleichnamige Metro-Station ist man beim Bau auf viele Spuren aus der Antike gestoßen, die man hier besichtigen kann. Ein bisschen wie in Athen, wo beim Bau der Metro für die Olympischen Spiele 2004 aber natürlich antike Spuren in viel größeren Dimensionen zu Tage gefördert wurden. Interessant sind die Überreeste von Serdika dennoch allemal, zumal rund um die Station auch einige pompöse Bauten der Neuzeit sowie die alte Banja-Bashi-Moschee aus dem Jahr 1567 stehen. Da bekommt man auf relativ engem Raum sehr anschaulich vor Augen geführt, wie vielfältig die Geschichte Bulgariens ist. Hatte ich bislang bei dieser Tour immer nur in lokalen Restaurants gespeist, die vollkommen okay waren, mich aber nicht komplett vom Hocker gerissen haben, ist es nun Zeit für Bulgariens kulinarisches Schlachtschiff: Happy Grill. Der erste Happy Grill wurde 1994 in Varna am Schwarzen Meer gegründet, entstanden ist daraus nun eine Kette mit knapp 30 Filialen in Bulgarien und anderen Ländern. Geboten werden eher gehobene Küche, Sushi und Cocktails zu einem Preis, der für bulgarische Verhältnisse ziemlich gepfeffert ist, den man sich als Deutscher aber noch gut leisten kann. Im Happy Grill kostet der halbe Liter bulgarisches Bier dann halt umgerechnet 2,20 Euro, woanders zwischen 1,20 und 1,50 Euro. Mitunter fast doppelt so teuer, aber für den deutschen Geldbeutet wie gesagt noch erträglich. Und die Gerichte, die in jeder Filiale identisch sind, finde ich persönlich schon ziemlich geil. Natürlich befindet sich auch nahe der Serdika-Station ein Happy Grill, in dem ich den Abend ausklingen lasse.