FK Beroe Stara Zagora – FK Arda Kardzhali 1:0

Bulgarien, Parva Liga (1.Liga)
Montag, 24. Juli 2023, 21.15 Uhr
Stara Zagora, Stadion Beroe

Am nächsten Tag genieße ich zunächst noch ein bisschen Burgas. Gemütlich frühstücken, dann noch einmal durch die Innenstadt schlendern, Mittagspause im Biergarten. Die Innenstadt ist optisch wie gesagt noch ziemlich sozialistisch geprägt, aber es gibt auch ein paar moderne Elemente. Richtig angenehm ist, dass die Stadtverwaltung an jeder Straßenlaterne eine kleine Sprinkleranlage angebracht hat, um die Leute bei diesen heißen Temperaturen zu erfrischen. Ja, Burgas ist wirklich ein Traum. Dann geht’s ab zum pompösen Bahnhof. Der ist übrigens mit seinem großen Turm eine exakte Kopie des Kopfbahnhofs in Varna, der übergangsweise der Endpunkt des Orient-Expresses war. Von dort aus wurden die Passagiere anfangs per Fähre nach Istanbul gebracht, ehe der Zug schließlich über Plovdiv direkt nach Istanbul zum Bahnhof Sirkeci fuhr. Ich gönne mir ab sofort auch etwas Luxus im Zug und beschließe, nur noch in der 1.Klasse zu fahren. Das kostet teilweise nur 1,50 Euro mehr. Jeden Tag im Happy Grill, nur noch 1.Klasse fahren – dekadentes Arschloch. Das heutige Ziel lautet Stara Zagora (120.000 Einwohner) und damit komme ich wieder in eine Stadt, die mir vor dieser Tour nichts gesagt hat. Ihre große Besonderheit ist, dass alle Straßen rechtwinklig zueinander angeordnet sind – ein bisschen wie die Mannheimer Quadrate. Grund dafür ist der Russisch-Osmanische Krieg von 1877/78, bei dem es zu heftigen Kämpfen in Stara Zagora kam. 14.000 Menschen sollen getötet worden sein, weitere 10.000 verschleppt, die Osmanen brannten die Stadt nieder, um sie nicht den Russen zu überlassen. Beim Neuaufbau entschied man sich dafür, Stara Zagora als Planstadt mit geordneter Struktur zu gestalten, womit sich diese kuriose Straßenführung erklärt. Ansonsten ist Stara Zagora eine unspektakuläre Stadt mit typischen Gebäuden aus der kommunistischen Zeit. Tourismus spielt hier überhaupt keine Rolle, entsprechend dünn ist die Hotel-Lage. Ich nehme mir ein kleines Apartment in Stadion-Nähe, das gerade einmal 10 Euro pro Nacht kostet. Heftiger Preis, aber auch heftiges Gebäude, denn die Kammer befindet sich in einem heruntergekommenen Mehrfamilienhaus. Das Apartment selbst ist aber vollkommen in Ordnung. Stolz der Stadt ist der Fußball. Der FK Beroe (Beroe war der Name von Stara Zagora in der Antike) wurde 1986 bulgarischer Meister und holte 2010 und 2013 den Pokal. Das Stadion ist mal wieder eine absolute Traumbude, gepaart mit Plattenbauten im Hintergrund – Bulgarien verwöhnt mich weiter. Wie gesagt die letzte Bastion in Europa in puncto Gammelstadien. Eine Fanszene gibt es in Stara Zagora ebenfalls, die zwar keine Bäume ausreißt, aber doch dazu beiträgt, dass es ein richtig schöner Fußballabend wird. Nach dem Spiel noch ein Bierchen am Kiosk, dann ab in meine Grusel-Höhle.