FK Chernomorets Burgas – FK Bdin Vidin 2:1

Bulgarien, Vtora Liga (2.Liga)
Sonntag, 23. Juli 2023, 18.30 Uhr
Burgas, Stadion Lazur

The same procedure as every day: Ich bleibe nur eine Nacht in einer Stadt und steige am nächsten Morgen in einen klapprigen Zug. Heute geht es zum ersten Mal bei dieser Tour ans Schwarze Meer. Ich werde dort kommende Woche noch zweieinhalb Tage in der Touri-Hochburg Sonnenstrand schlafen und sozusagen Urlaub machen, aber jetzt ist erst einmal Burgas an der Reihe, denn am Abend hat der dortige Zweitligist Chernomorets ein Heimspiel. Burgas (190.000 Einwohner) ist nach Varna (320.000 Einwohner) die zweitwichtigste Stadt an der bulgarischen Schwarzmeerküste und wird jetzt im Hochsommer von Touristen regelrecht geflutet. Zu dieser Jahreszeit ist es ratsam, sich schon mal ein paar Tage vorher eine Fahrkarte zu kaufen, weil die Züge ans Schwarze Meer dann manchmal ausverkauft sind. Ich bin fast platt, wie viele Leute am Morgen in Plovdiv am Bahnsteig stehen und nach Burgas wollen. Teilweise stehen die da mit schon aufgepumpten Luftmatratzen. Als ich dann am direkt am Meer gelegenen Kopfbahnhof von Burgas aussteige, kommt mir sofort Urlaubs-Feeling entgegen. Aber wirklich frontal in die Fresse. Ein aufgestelltes Plakat, das für das hier in Kürze stattfindende Spice-Festival wirbt, bei dem 90er-Ikonen wie Dr. Alban, Culture Beat, Snap! und Fun Factory auftreten, bestätigt meine Vermutung, dass die bulgarische Schwarzmeerküste genau mein Ding sein wird. Ja, der Familienurlaub hier wäre sicherlich richtig schön geworden. Mir gefällt auch Burgas auf Anhieb, weil es einerseits schon mondäne Ecken gibt, aber auch noch richtig brutale Plattenbauten mitten in der Stadt. So gefällt mir das! Auch wenn mein kleiner Schwarzmeer-Urlaub noch kommt, zieht es mich erst einmal an den Stadtstrand, um ein bisschen im Wasser zu plantschen. Groundhopping kann so schön sein! In dem weitläufigen Park, der zwischen Strand und Stadt liegt, gibt es außerdem kleine, einfache Restaurants, die mir ebenfalls großartig gefallen. Shopska-Salat und bulgarisches Bier, überraschend niedriges Preisniveau für die Lage – macht mehr Laune als die neue Innenstadt von Plovdiv. Nach ein paar Stunden Leben genießen geht es mit dem Linienbus in den nicht weit vom Strand entfernten Stadtteil Lazur, in dem das gleichnamige Stadion steht, in dem Zweitligist Chernomorets Burgas (Cherno More = Schwarzes Meer) seine Heimspiele austrägt. Und da falle ich endgültig vom Glauben ab – im positiven Sinne. Die Bude ist selbst für bulgarische Verhältnisse krass. Rost, Gammel, überall herunterhängende Kabel, zwischen den kaputten Sitzschalen wächst ein Dschungel, ein längst geschlossener Fanshop, in den scheinbar eine Bombe eingeschlagen hat, und eine Toilette, die man durch eine Tür hindurch betreten muss, die zwar verschlossen ist, aus der man aber die Hälfte herausgebrochen hat. Im Inneren kein fließend Wasser und kein Strom – ein allerfeinstes Dungeon. Und als ob das alles nicht schon genug wäre, bilden auch noch die Plattenbauten von Lazur die passende Kulisse. Schockverliebt in dieses Stadion! Einziger Nachteil des bulgarischen Fußballs ist, dass Alkohol nicht erlaubt ist, aber da in dieser Bruchbude ja eh alles scheißegal ist, hat niemand ein Problem damit, wenn man sich das ein oder andere Döschen Schumensko oder Kamenitza aus dem benachbarten Tante-Emma-Laden mitbringt, der ebenfalls sehr gut in dieses Ensemble passt. So derart wohl habe ich mich schon lange nicht mehr beim Fußball gefühlt. Alle Daumen nach oben für Burgas! Hier stimmt ja wirklich alles. Fast schon etwas kontrastreich, dass ich mich nach dem Spiel in den Happy Grill in der Innenstadt setze und – für bulgarische Verhältnisse – sehr edel schlemme. Danach setze ich mich noch ein bisschen in den Biergarten am Archäologischen Museum, das im Außenbereich ein paar Fundstücke aus der Antike aufgestellt hat. Kamenitza vom Fass schlürfen und den Arm auf einer antiken Säule abstützen – ich habe wirklich keine Worte mehr für Burgas. Traumstadt!