Deutschland, 3.Liga (3.Liga)
Samstag, 21. Oktober 2023, 16.30 Uhr
Duisburg, Wedaustadion
Das letzte Mal im Duisburger Wedaustadion war ich am 1. April 2001, damals auswärts unterwegs mit den Stuttgarter Kickers in der 2.Bundesliga. Seitdem hat sich hier viel verändert und aus der charmanten Ruhrpott-Schüssel ist eine x-beliebige moderne Arena geworden. Komplett-Umbauten zähle ich nicht als neuen Ground, solange sich das Spielfeld weitgehend am gleichen Ort befindet. Denn was genau soll denn der Maßstab sein, um einen neuen Ground zu zählen? Vier neue Tribünen? Eine neue Tribüne? Neue Klopapier-Halter in den Toiletten? Wer das genau und vor allem einheitlich definieren kann, den beglückwünsche ich. Ich kann’s nicht und weil ich nichts von solchen „Das muss ich von Fall zu Fall beurteilen“-Regelungen nach Gutsherren-Art halte, ist für mich einzig und allein der kleinste Nenner, nämlich das Spielfeld entscheidend. Groundhopping-Theorie, Kapitel 304. Und da mir das Wedaustadion seit dem Komplettumbau nicht mehr sonderlich sympathisch war, gab es bislang auch keinen Grund, es ein weiteres Mal aufzusuchen. Das ändert sich jedoch an diesem Wochenende, an dem ich mich nach der abgesagten Operation überraschenderweise doch auf den Beinen befinde und schnell einen Plan schmieden musste. Da kommt das Arminia-Gastspiel in Duisburg gerade recht, denn von dem hat die ganze Stadt sowieso schon die ganze Woche geredet. In Bielefeld gibt’s ja auch nicht viel außer Arminia. Da wir nach dem Kreisliga-D-Spiel in Altenessen noch reichlich Zeit haben, schauen wir uns zunächst die Ankunft des Bielefelder Sonderzugs an (wovon man außer einem gewaltigen Polizei-Aufgebot aber nichts mitbekommt) und checken dann in Hauptbahnhof-Nähe in eine herrliche Pott-Kneipe ein (Angebot des Tages: Mariacron mit Cola für 3 Euro), in der vor so einem Spiel natürlich eine ganz spezielle Atmosphäre herrscht. Ohnehin ist Duisburg speziell, selbst für Pott-Verhältnisse, was wir auch im Shuttle-Bus zum Stadion eindrucksvoll vor Augen geführt bekommen. Ist teilweise schon grenzwertig. Sportlich brennt beim akut abstiegsgefährdeten MSV Duisburg der Baum derzeit lichterloh. In Aushängen informiert die heimische Proud Generation den Rest des Publikums, dass sogar ein Stimmungsboykott im Raum steht, man aber heute gegen Arminia Bielefeld und dann vor allem beim anschließenden Derby gegen Rot-Weiß Essen die Mannschaft noch einmal voll unterstützen und ihr zwei letzte Chancen geben wolle. Spoiler: In der 80. Minute wird die Heimkurve den Support einstellen und alle Zaunfahnen abhängen, nachdem die Arminia bereits in der 38. Minute durch Fabian Klos (wer sonst?) in Führung gegangen ist und der Meidericher SV weit von einem möglichen Ausgleich entfernt ist. Dem vorangegangen waren schon beim Aufwärmen ein großes Spruchband („Ihr habt’s verkackt! Macht euch endlich bewusst, wie ernst die Lage ist!“) vor der Heimkurve, ein durchaus akzeptabler Support, der aber in der zweiten Halbzeit immer weiter abflacht, und dazu während des Spiels ein absolut geniales Spruchband mit der Aufschrift: „Absurde Bierpreise oder schlechter Fußball – entscheidet euch!“ 5 Euro müssen für den halben Liter KöPi inzwischen im Wedaustadion gezahlt werden. Da kann der Armine nur herzlich lachen, denn auf der Alm ist er mit 4,80 Euro dabei. In beiden Fällen natürlich vollkommen absurd. Aus Ostwestfalen ist ein richtiger guter Mob in den Pott eingerückt, der nicht mit Pyrotechnik spart und beim Support der Heimkurve durchaus überlegen ist. Aufgrund der angespannten Situation in Duisburg (und das schon im Oktober) und dem sportlichen Verlauf der Partie zwar keine Überraschung, aber das soll nicht den Auftritt der Arminen schmälern, der wirklich erstklassig ist. Noch ein letztes Wort zum Heimpublikum: Das um uns herum auf der Haupttribüne mehrere Leute bei der Schweigeminute für den vor knapp zwei Wochen stattgefundenen Hamas-Angriff auf Israel nicht aufstehen, weil man „für Juden“ nicht aufstehe, macht mich wirklich sprachlos. Jeder kann ja seine politische Meinung haben, aber spätestens für Tote sollte man immer Empathie haben, egal welcher Herkunft. Aber wie gesagt: Duisburg ist mitunter richtig speziell. Neben dem Sonderzug fährt nach dem Spiel auch noch ein eigener Entlastungszug nach Bielefeld, der zwar vollkommen überfüllt ist, aber somit sind wir doch früher als geplant wieder in Bielefeld und können somit dort sogar noch – bei Duisburger KöPi – einen Kneipenabend starten.











































