Deutschland, Bezirksliga Westfalen – Staffel 9 (8.Liga)
Sonntag, 15. Oktober 2023, 15 Uhr
Recklinghausen, Stadion Hohenhorst
Im Amateurbereich spielt das Stadion Hohenhorst ganz klar in den Top 10 des Ruhrpotts mit. Nimmt man noch seine besondere Geschichte dazu, wird es definitiv ein Platz auf dem Treppchen. Und diese Geschichte ist eng verbunden mit der des 1.FC Recklinghausen. Wie bereits in den beiden vorherigen Berichten angesprochen war der Fußball in Recklinghausen in den vergangenen Jahrzehnten stark geprägt von Fusionen. Entscheidend ist der 1981 erfolgte Zusammenschluss von Eintracht und SCR zum 1.FC Recklinghausen – sehr umstritten und von den Mitgliedern mit nur einer Stimme Mehrheit angenommen. Dahinter steckte der Marler Mäzen Hein Kerbaum und der als Präsident eingesetzte Möbelhaus-Besitzer Heinz Stork, die mit diesem „1.FC Hollywood“ von Profifußball in Recklinghausen träumten. Zu der Zeit im Ruhrgebiet keine Ausnahme. Ähnlich führte Klaus Steilmann 1990 die SG Wattenscheid in die Bundesliga und auch Westfalia Herne erlebte in den 1970ern mit Erhard Goldbach und seiner dubiosen Tankstellen-Kette Goldin (der Fall landete sogar bei Aktenzeichen XY) einen rasanten Aufschwung. In Recklinghausen war das Projekt jedoch von Anfang an von internen Streitigkeiten geprägt. Kerbaum musste recht schnell gehen, Storks Möbelhaus ging pleite und so kam der 1.FC Recklinghausen nie über die seinerzeit drittklassige Oberliga hinaus – immerhin mit Gegnern wie Arminia Bielefeld und Preußen Münster. Es kam, was kommen musste, und nach einer Steuerprüfung löste sich der 1.FC Recklinghausen 1996 mit 200.000 Mark Schulden auf. Interessanter ist in diesem Zusammenhang jedoch der Blick auf das Stadion Hohenhorst, das 1977 eröffnet wurde – also in dem Zeitraum, in den die Gründung des 1.FC Recklinghausen mit aufkommenden Profifußball-Fantasien fiel. Eigentlich war es nur als Ersatzbau für das alte Stadion von Viktoria Recklinghausen (einer der Stammvereine des 1.FCR) gedacht, das einem Krankenhaus weichen musste, doch auch im Rathaus dachte man groß und wollte hier ernsthaft eine Hütte für 30.000 Zuschauer hinstellen. Schließlich schien der Profifußball zum Greifen nah. Realisiert wurde jedoch nur die erste Ausbauphase, also die Haupttribüne, die ja aber auch schon völlig überdimensioniert ist. Für die zweite Ausbauphase wurde der Graswall rund um das Spielfeld aber bereits so angelegt, dass man relativ schnell Stehstufen einbauen könnte. Das erklärt dann auch die spezielle Form dieses Stadions. Jetzt – fast 50 Jahre später – könnte man ja eigentlich sagen: Gut, da haben wir uns damals ein bisschen überschätzt, die Pläne für die zweite Ausbauphase können wir schreddern. Doch die Stadt Recklinghausen hat sich anscheinend immer noch nicht endgültig vom Vollausbau verabschiedet und in der Kommunalpolitik gibt es immer mal wieder Stimmen, diesen endlich umzusetzen. Wahnsinn. Man sieht beim heutigen Heimspiel des 1996 gegründeten Nachfolgevereins FC Recklinghausen (statt 1.FC Recklinghausen), dass die Hütte selbst mit dem jetzigen Ausbaustatus viel zu groß ist, auch wenn ich mich aus Hopper-Sicht natürlich tierisch darüber freue, dass es a) dieses größenwahnsinnige Teil überhaupt gibt und b) der FC Recklinghausen zwar nicht immer, aber doch regelmäßig in ihm spielt. Vom Stil her erinnert mich das Stadion Hohenhorst extrem an das Parkstadion in Baunatal – beides typische Kinder der 1970er-Jahre. Und genau wie in Baunatal stimmt auch hier in Recklinghausen das Drumherum absolut, angefangen beim exzellenten Angebot am Wurststand bis hin zu markigen Sprüchen der Zuschauer. Bloß eine aktive Fanszene gibt es leider nicht mehr.






















