Deutschland, Kreisliga B Stuttgart – Staffel 4 (10.Liga)
Sonntag, 8. Oktober 2023, 13 Uhr
Stuttgart, Stadion Fürfelder Straße – Platz 2
Mal wieder so ein richtig schöner Fußball-Sonntag in Stuttgart! Viele Möglichkeiten dafür gibt es nicht mehr, denn die Zahl der noch fehlenden (regelmäßig bespielten) Grounds in der Hauptstadt ist inzwischen einstellig – aber heute klappt es endlich mal wieder. Und so ein Stuttgarter Tag beginnt am besten in einer der speziellsten Kneipen der Stadt, nämlich in der unterirdischen Winkinger-Bierstube im U-Bahnhof Charlottenplatz. Immer wieder Weltklasse! Fußballerischer Auftakt dann bei einem der interessantesten Stuttgarter Vereine, denn der 1945 gegründete SV Rot hieß eigentlich FC Batschka. Die Batschka bzw. Backa ist eine Region in Serbien und Ungarn (rund um die Stadt Szabadka bzw. Subotica in Serbien), die mehrheitlich von Ungarn bewohnt wird, in der es vor dem Zweiten Weltkrieg aber auch eine große deutsche Minderheit gab. Die wurden umgangssprachlich Donauschwaben genannt, hatten mit Schwaben an sich aber nichts zu tun. Genau wie bei den Siebenbürgensachsen in Rumänien, die ebenfalls nichts mit Sachsen zu tun haben, hat man einfach irgendeinen deutschen Volksstamm genommen, um sie mit Deutschland zu assoziieren – in einer Zeit, in der es Deutschland ja noch gar nicht gab. Die Donauschwaben wurden nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Batschka vertrieben. Dass sich viele von ihnen dann in und um Stuttgart angesiedelt haben, hat nichts mit vermeintlichem schwäbisch sein zu tun, sondern schon eher damit, dass Stuttgart unter den Nazis den Beinamen „Stadt der Auslandsdeutschen“ hatte. Wie in anderen westdeutschen Städten auch wurde in Stuttgart ein eigener Stadtteil für Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten hochgezogen, in dem Fall der Stadtteil Rot. Bis 1960 wurden in Rot 15.000 Flüchtlinge aus dem Osten angesiedelt, anfangs unter erbärmlichen Bedingungen in Barracken, später dann in den typischen drei- bis fünfgeschossigen Wohnblöcken der 50er- und 60er-Jahre, die den Stadtteil bis heute prägen. Interessant ist, dass sich in Rot mit dem FC Batschka relativ schnell – nämlich noch 1945 – ein eigener Fußballverein für Ost-Flüchtlinge gründeten. Die waren also richtig gut organisiert und es gab offensichtlich ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl. Im restlichen Stuttgart war der FC Batschka dagegen überhaupt nicht gut angesehen, überhaupt gab es ja wie in ganz Deutschland zu der Zeit große Vorbehalten gegen die Flüchtlinge aus dem als rückständig geltenden deutschen Ostgebieten (auch drei meiner vier Großeltern-Teile waren Ost-Flüchtlinge, daher weiß ich das nur zu gut) und so soll es bei den Spielen gegen den FC Batschka immer sehr rabiat zugegangen sein. Später benannte sich der Verein um in SV Rot und erlebte in den 1980ern seine goldene Zeit, als er zehn Jahre lang in der damals viertklassigen Verbandsliga Württemberg spielte und 1980 in den DFB-Pokal einzog, dort aber gleich in der ersten Runde am TuS Langerwehe (Mittelrhein) scheiterte. Inzwischen ist der SV Rot mit seinen beiden Mannschaften nur noch in der Kreisliga B, die in Stuttgart die unterste Liga ist. So gesehen also auch nicht schlimm, hier heute nur bei der zweiten Mannschaften anzutanzen. Erst recht deshalb, weil der SV Rot inzwischen – wie fast alle Stuttgarter Vereine – nur noch auf dem Kunstrasen-Nebenplatz spielt. In diesem Fall besonders schade, denn der Hauptplatz des Stadions an der Fürfelder Straße hat ein paar Stufen und somit eine offizielle Kapazität von 5.000 Zuschauern, weshalb er früher auch immer als einer der wenigen Stuttgarter Plätze im Non-League-Teil des Groundhopping-Informers aufgeführt war. Mein Glück ist, dass ich den Hauptplatz schon vor einigen Jahren gemacht habe, damals auch ganz anständig mit der ersten Mannschaft.




























