Deutschland, Landesliga Württemberg – Staffel 1 (7.Liga)
Sonntag, 27. August 2023, 11 Uhr
Heilbronn, Frankenstadion – Platz 3
Am VfR Heilbronn führt momentan kein Weg vorbei, denn da aktuell Arbeiten am Hauptplatz des Frankenstadions stattfinden, trägt er seine Heimspiele für kurze Zeit auf dem Platz 3 (Naturrasen) aus und hat daher sogar temporär eine kleine Tribüne aufgebaut. Neben dieser ist der Platz 3 mit uralten, teilweise völlig zugewachsenen Stehstufen ausgestattet. Und da es beim neugegründeten VfR Heilbronn sogar eine kleine Fanszene gibt und das Spiel gegen den TV Pflugfelden bereits um 11 Uhr angepfiffen wird, ist das in Summe eine wirklich fantastische Sache. Kleiner Hintergrund zum Verein: Der VfR Heilbronn war in den 50ern, 60ern und 70ern mehrfach zweitklassig und gehörte 1974 zu den Gründungsmitgliedern der 2.Bundesliga, stieg aber gleich in der Premierensaison ab und kehrte nie wieder zurück. 2003 fusionierte er zunächst mit der Heilbronner Spvgg zum FC Heilbronn, ehe 2012 der endgültige Todesstoß erfolgte, als auch noch eine Fusion mit dem einstigen Erzrivalen Union Böckingen (Teilnehmer an der Endrunde um die deutsche Meisterschaft 1934) zum FC Union Heilbronn hinzukam. 2018 gründeten daher ehemalige VfR-Fans und Teile der erfolgreichen A-Jugend-Mannschaft, die 1996 DFB-Pokal-Sieger wurde, den VfR Heilbronn neu. Der hatte umgehend hohe Zuschauerzahlen, feierte Aufstieg um Aufstieg, überholte relativ schnell den verhassten FC Union Heilbronn, ist nun in der Landesliga angekommen und spielt auch dort um den Aufstieg mit. Absolut sympathischer Verein. Einziger kleiner Kritikpunkt ist, dass ausgerechnet dieser so fannahe Verein mittlerweile bei der Roten Wurst die Vier-Euro-Schallmauer durchbrochen hat. Und noch ein Wort zum Stadionnamen, der bei Auswärtigen oft die Frage nach sich zieht, warum denn in Württemberg ein Frankenstadion steht. Das ist aber ein sehr gutes Beispiel dafür, dass meist die Begriffe Schwaben und Württemberg durcheinandergebracht werden. Nicht alles, was Württemberg ist, ist schwäbisch, und nicht alles, was Schwaben ist, ist württembergisch. Das ja eigentlich schon seit Jahrhunderten nicht mehr existierende Schwaben umfasst die südliche Hälfte von Baden-Württemberg, also auch Südbaden, weshalb das Wappen von Schwaben (drei Löwen auf gelbem Grund) nach dem Zweite Weltkrieg auch als Wappen von Baden-Württemberg gewählt wurde, eben weil es das verbindende Element zwischen Baden und Württemberg ist. Dass sich die Badener selbst nicht als Schwaben betrachten, hatte ursprünglich politische Gründe, weil man Angst hatte, vom mächtigeren Königreich Württemberg okkupiert zu werden, weil dieses die gemeinsame schwäbische Identität als Vorwand für eine Einmarsch nehmen könnte. Die Badener fingen daher an, ihre schwäbische Herkunft zu verleugnen. Heute ist das in Baden dagegen meist nur Unwissen. Übrigens genau wie in Württemberg, wo einem ebenfalls kaum jemand den Unterschied zwischen Schwaben und Württemberg erklären kann. Weiterhin gehören zu Schwaben ein Teil von Bayern rund um Augsburg, das österreichische Bundesland Vorarlberg, Teile der Nordschweiz und das Elsass. Man sieht das heute noch bei Gemeinsamkeiten bei der Sprache und kulturellen Bräuchen wie dem ganz speziellen Stil der schwäbisch-alemannischen Fasnacht. Der Norden von Württemberg, in dem Heilbronn liegt, gehört(e) dagegen zu Franken, dessen größerer Teil in Bayern liegt, aber eben auch ein kleiner Teil in Württemberg. Und so erklärt sich der Name des Heilbronner Frankenstadions.






















