Deutschland, Kreispokal Pforzheim (Achtelfinale)
Mittwoch, 16. August 2023, 19 Uhr
Pforzheim, Buckenbergstadion – Platz 2
Ein ganz besonderes Derby wartet im Achtelfinale des Pforzheimers Kreispokals, denn beide Vereine haben ihren Sitz im Buckenbergstadion – der FSV Buckenberg auf Platz 2, Fatihspor auf Platz 3. Dass das Buckenbergstadion dazu in Pforzheims „allerfeinster“ Gegend liegt, nämlich dem Haidach, macht die Sache auch nicht entspannter. Was ist der Haidach? Pforzheim erlebte am 23. Februar 1945 den drittheftigsten Luftangriff auf eine deutsche Stadt (nach Dresden und Hamburg). Die Royal Air Force bombte in nur 22 Minuten unfassbare 98 Prozent aller Pforzheimer Gebäude weg. 17.600 der damals 66.000 Einwohner starben. Gemessen daran war es sogar der heftigste Luftangriff auf eine deutsche Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste Pforzheim also komplett neu aufgebaut werden, weshalb die Innenstadt bis heute von funktionalen 50er-Jahre-Bauten geprägt wird und als außerordentlich hässlich gilt. Auf dem Buckenberg südöstlich von Pforzheim entstand zudem in den 1960er-Jahren eine Hochhaussiedlung, um die Wohnungsnot zu mildern – der sogenannte Haidach. Er entwickelte sich schließlich zum sozialen Brennpunkt von Pforzheim und da Pforzheim ohnehin als sozialer Brennpunkt von Baden-Württemberg gilt, ist der Haidach ein Synonym für Abstieg. Zudem ist er Baden-Württembergs AfD-Hochburg, was man darauf zurückführt, dass auf dem Haidach inzwischen maßgeblich Russlanddeutsche leben, die sich nach dem Ende der Sowjetunion aufgrund der günstigen Mieten in der Hochhaussieldung ansiedelten. Zwischen 40 und 50 Prozent fährt die AfD bei Wahlen auf dem Haidach ein. Und noch eine weitere Person steht in enger Verbindung mit dem Haidach und ganz speziell mit dem FSV Buckenberg: Uwe Hück. Er war lange Jahre sehr streitbarer Betriebsratsvorsitzender von Porsche und mehrfacher deutscher Meister im Boxen sowie Europameister im Thaiboxen. Bei Porsche war er nicht unumstritten, weil er überhöhte Zahlungen kassiert haben soll, weshalb es 2019 bei ihm zu Hausdurchsuchungen kam. Zudem wird ihm vorgeworfen, auch nach seinem Ausscheiden 2020 weiter von Porsche bezahlt zu werden. Auch politisch war er immer aktiv, gehörte zwar als Gewerkschafter brav der SPD an, ließ aber auch immer wieder populistische Sprüche vom Stapel (etwa gegen Tempolimits) und sympathisierte offen mit der französischen Gelbwestenbewegung. Als er 2020 bei Porsche ausschied, trat er auch aus der SPD aus und gründete seine eigene (populistische) Partei – die Bürgerbewegung für Fortschritt und Wandel. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie lediglich in Baden-Württemberg an und erhielt hier 0,1 Prozent. Dass Uwe Hück auch seit mehreren Jahren Vorsitzender des FSV Buckenberg ist, entgeht einem im Buckenbergstadion auf keinen Fall. Überall ist sein Name zu lesen. Entweder tritt er mit seiner gleichnamigen Thaibox-Schule, seiner Lernstiftung oder als privater Mäzen auf. Sogar seinen Namen hat er auf den Kunstrasenplatz schreiben lassen. Teilweise wirklich penetrant, wie er hier auftritt, und man fragt sich unweigerlich, ob der Mann ein zu starkes Geltungsbedürfnis hat. Klar, Uwe Hück ist komplett durchgeknallt, was ihm manche positiv und manche negativ auslegen, aber das hier im Buckenbergstadion ist wirklich too much. Beim heutigen Derby gegen die Nachbarn von Fatihspor ist Uwe Hück allerdings nicht dabei und generell ist überraschend wenig los auf Platz 2 des Buckenbergstadions, wenn man bedenkt, wer hier gegeneinander spielt und dass es immerhin schon das Achtelfinale ist. Dennoch: Wesentlich besser kann man diesen Ground wohl nicht machen, zumal Spiele, bei denen man eine wesentlich höhere Zuschauerzahl erwartet (etwa Relegation oder Spiele im badischen Landespokal gegen große Namen), ohnehin auf den Hauptplatz des Buckenbergstadions gelegt werden.




















