Schweiz, Schweizer Pokal (1.Runde)
Freitag, 18. August 2023, 19.30 Uhr
Courgenay, Stade Communal
Die erste Pokalrunde in der Schweiz ist mittlerweile ein absoluter Pflichttermin für mich. Die großen Fanszenen der Schweiz, die für mich zu den besten in Europa gehören, zu Gast auf dem kleinen Dorf – jedes Mal ein Genuss. Und da ich die obersten drei Ligen in der Schweiz komplett habe, ist das für mich auch die einzige Möglichkeit, eben diese großen Szenen in Aktion zu erleben und dabei einen neuen Ground zu machen. Leider werden auch in der ersten Pokalrunde die Kombinationsmöglichkeiten für mich immer schwieriger, weil bei den unterklassigen Vereinen häufig die üblichen Verdächtigen dabei sind und sich dort die noch weißen Flecken auf der Pokal-Landkarte allmählich lichten, wenn man jedes Jahr die erste Runde mitnimmt. Und so kommt es in dieser Saison zu der etwas unglücklichen Situation, dass meine Reiseroute mit dem Zug kreuz und quer durch die Schweiz verläuft, was die Sache etwas teuer macht. Bei der Schweizer Bahngesellschaft SBB gibt es keine vernünftigen Sparangebote wie bei der DB, man bezahlt im Prinzip immer den vollen Standardpreis. Darum ist es bei solchen Wochenend-Touren in die Schweiz sinnvoll, dass die Orte, die man besuchen möchte, auf einer möglichst geraden Linie und in der gleichen Fahrtrichtung liegen. Dann kann man sich nämlich bei der DB ein Europa-Sparpreis-Ticket bis zum am weitesten entfernten Ort buchen und die anderen Orte als mehrstündige Zwischenhalte einbauen. Auf dem Weg nach Genf könnte man also beispielsweise Zwischenhalte in Basel und Lausanne einbauen und zahlt dann für den gesamten Trip im Idealfall nur 20 Euro. Bei den SSB kostet dagegen schon ein Ticket von Basel nach Lausanne umgerechnet knapp 40 Euro. Dieser Trick klappt bei mir an diesem Wochenende aber leider nicht, weil ich am Freitag im Kanton Jura, am Samstag im Raum Zürich und am Sonntag am Lac de Neuchâtel sein werde. Gespart werden muss an diesem Wochenende somit bei der Unterkunft und somit schlage ich mein Basislager in einem Kapselhotel in Basel auf. Dort hinzukommen ist eine echte Tortour, weil die Gäubahn (Bahnstrecke Stuttgart – Zürich) mal wieder wegen dem Stuttgart-21-Chaos gesperrt ist und es somit per Schienenersatzbus über die Autobahn nach Singen an die Schweizer Grenze geht. Über zwei Stunden in einem einfachen Linienbus ohne Toilette sitzen – das sollte eigentlich nicht erlaubt sein dürfen. Endlich im Zug geht es danach entlang des Hochrheins von Singen nach Basel zum Badischen Bahnhof. Der fasziniert mich immer wieder, bildet er doch eine deutsche Enklave mitten in Basel und ist eine der vielen Grenz-Besonderheiten an der deutsch-schweizerischen Grenze. Hintergrund ist, dass die Hochrheinstrecke eine rein deutsche Bahnstrecke ist (einst gebaut von der badischen Staatsbahn), die den Rhein nie überquert, und sie im sogenannten Kleinbasel endet, also jenem kleinen Teil von Basel, der sich nördlich des Rheins befindet. Im Badischen Bahnhof ist die komplette Optik im DB-Stil gehalten – von den Bahnsteigschildern bis hin zu Reisezentrum. Man verwendet auf diesen deutschen Schildern jedoch das Schweizerdeutsch, Fahrräder heißen somit Velos. Man muss sogar vorbei am deutschen Zoll, wenn man von der Empfangshalle zu den Gleisen will. Auch bahntariflich wird der Badische Bahnhof wie ein ganz normaler Bahnhof behandelt. Es gilt damit das Deutschlandticket und man bekommt den günstigen Europa-Sparpreis, wenn man vom Badischen Bahnhof aus in die Schweiz fährt. Da ich aufgrund der Schienenersatzverkehr-Scheiße enorm viel Zeitpuffer eingeplant habe, den ich gar nicht brauche, gehe ich zu Fuß vom Badischen Bahnhof zum Schweizer Bahnhof von Basel (Basel SBB), schaue den vielen Rheinschwimmern zu und genieße ein bisschen die wirklich wunderschöne Basler Innenstadt. Vom SBB-Bahnhof (wenn man mit dem Europa-Sparpreis unterwegs ist, ist es letztendlich egal, ob man tatsächlich am Badischen Bahnhof einsteigt oder erst am SBB-Bahnhof) geht es dann mit dem Zug hinauf in den französischsprachigen Kanton Jura, dem jüngsten Kanton der Schweiz, der sich 1979 vom Kanton Bern abgespalten hat. Dort steht in der ersten Pokalrunde ein echtes Kantons-Derby an, denn der FC Ajoie-Monterri aus dem kleinen Dörfchen Courgenay (2.500 Einwohner) trifft auf die Sports-Réunis aus der Kantonshauptstadt Delémont. Großer Vorteil der Schweiz ist, dass gefühlt jedes Dorf einen Bahn-Anschluss hat und somit ist auch Courgenay ganz easy per Direktzug von Basel aus erreichbar. Man fährt sogar direkt am ausbaulosen Sportplatz vorbei. Dort ist heute relativ viel los. Während anderswo in der Schweiz der Name SR Delémont nicht so zieht, scheint man hier im eigenen Kanton doch ein gewisses Standing zu haben. Gegen den FC Basel oder die Berner Young Boys wäre natürlich wesentlich mehr los, aber auch so bin ich positiv überrascht. Etwa 20 Ultras aus Delémont sind anwesend, die durchgehend und im typischen französischen Stil supporten. Auf Heimseite gibt es natürlich keine Szene. Netter Pokalabend, alles gut organisiert, keine langen Schlagen. Passenderweise ist in Courgenay heute auch Dorffest rund um den Bahnhof, sogar mit Live-DJs, so dass die Wartezeit auf den Zug zurück nach Basel gut überbrückt werden kann.























































