Belgien, Division 1B (2.Liga)
Samstag, 9. Dezember 2023, 16 Uhr
Visé, Stade de la Cité de l'Oie
Jetzt in der kalten Jahreszeit wird Belgien noch verstärkter angesteuert, denn dort ist die Gefahr von Spielabsagen nicht so groß wie im deutschen Amateurfußball im Dezember. Bis nach Brüssel starte ich dieses Mal allerdings nicht durch, sondern ich bleibe im Raum Lüttich. Vorteil: Man kommt am Sonntag nach den Spielen noch ganz entspannt zurück nach Bielefeld. Ausgerechnet an das Stade de la Cité de l'Oie in Visé, wo aktuell die zweite Mannschaft des Royal Standard Club de Liège (firmiert unter dem Namen SL16, wobei die 16 die in Belgien so wichtige Stammnummer des Vereins repräsentiert) ihre Heimspiele in der 2.Liga austrägt, habe ich schlechte Erinnerungen, denn stand ich vor zehn Jahren nach einem Auswärtsspiel der Stuttgarter Kickers bei Alemannia Aachen vor verschlossenen Türen, weil das Spiel witterungsbedingt abgesagt wurde. Heute habe ich aber mehr Glück. Mein bevorzugtes Transportmittel ist abermals der Zug und da hat man sich hier im Dreiländereck Deutschland-Belgien-Niederlande etwas ganz Praktisches einfallen lassen, nämlich das Euregio-Ticket. Das kostet 19 Euro und ist einen Tag lang in allen drei Ländern in den Grenzregionen in Regionalzügen und Bussen gültig. Am direkt an der Maas gelegenen Bahnhof von Visé (18.000 Einwohner) wartet gleich ein ganz großes Stück Geschichte, denn genau an dieser Stelle fand am 4. August 1914 das erste Gefecht des Ersten Weltkriegs statt. Zwei Tage zuvor hatte Frankreich die Mobilmachung angeordnet und weil das Deutsche Reich nicht direkt über die gut gesicherte französische Grenze marschieren wollte, war der Plan, den Weg über das neutrale Belgien zu nehmen und so „von hinten“ auf Paris vorzudringen. Belgien ließ die deutschen Truppen jedoch nicht durchziehen und sprengte stattdessen hier am Bahnhof von Visé am Morgen des 4. August 1914 die Brücke über die Maas. Die am Nachmittag eintreffenden deutschen Soldaten eröffneten zwei Stunden lang das Feuer und töteten zwei belgische Soldaten auf der anderen Uferseite – die ersten beiden Toten des Ersten Weltkriegs. Heute hier ganz friedlich stehen zu können, eingereist ohne Grenzkontrolle und mit einem in der gesamten Grenzregion gültigen Fahrschein – das macht nachdenklich. Mit dem Linienbus geht es anschließend hinaus zum Stadion, in dem wie erwartet nicht viel los ist. Standard II spielt hier, weil es Stadionauflagen erfüllen muss, und nicht, weil solch ein Stadion wirklich gebraucht werden würde. Der Football Club Verbroedering Dender Eendracht Hekelgem hat exakt elf Gästefans mitgebracht, so dass es in diesem typischen belgischen Kasten (das meine ich nicht negativ) bei eisigen Temperaturen eine eher laue Veranstaltung ist.











































